Kostenüberblick: Soviel zahlt man fürs Autofahren in Österreich

So explodieren in Österreich die Kosten für das Auto. Einige Rechenbeispiele.

26.08.2014 Autorevue Magazin

Gnadenloser Luxuszuschlag für Individualisten

Chevrolet Camaro – Obwohl dieses Auto nur sehr wenig Leute kaufen würden, CO2-Strafsteuer vergällt den wenigen Enthusiasten auch noch gründlich den Spaß. 14,1 l/100 km gesamt und folglich Höchstsatz bei der NoVA von 16 Prozent. Das ergibt 329 g/km CO2, woraus der CO2-Malus von 13.470 Euro resultiert. Somit ist dieser sogar noch höher als Mehrwertsteuer und NoVA zusammengezählt (€ 13.328,–). Preis in Deutschland: € 39.990,–. Preis in Österreich: € 60.800,–.

Steuern verdoppeln fast den Kaufpreis

Lada Taiga 4×4 – Gnadenlos schlägt hier die CO2-Strafsteuer zu. Der russische ­Billig-Geländewagen wird vom Händler ohne Steuern für 8.392,33 Euro angeboten. Dazu kommt die Normverbrauchsabgabe von 13 Prozent, macht € 1.091,–. Der größte Brocken ist aber der CO2-Malus von € 3.425,–. Dazu kommen dann noch 20 Prozent Mehrwertsteuer von € 2.581,67. Alles zusammen ergibt einen stolzen ­Verkaufspreis von € 15.490,–.

Autokosten: Vergleich mit Deutschland

Spritpreis versus NoVA – Aufgrund geringfügiger Ausstattungsunterschiede lässt sich kein direkter Vergleich der Verkaufspreise in Österreich und Deutschland ziehen. Die Rechnung ist über den Daumen trotzdem relativ einfach. Aufgrund der Norm­verbrauchsabgabe (testen Sie unseren gratis NoVA-Rechner) von 4 oder 5 Prozent bei den Einstiegsmodellen und des um ­einen Prozent geringeren Mehrwertsteuersatzes in Deutschland lässt sich ganz ­simpel behaupten, ein Golf kostet in Österreich um rund 1.000 Euro mehr. Um diesen Preisnachteil vom Start weg durch den günstigeren Spritpreis in Österreich zu kompensieren, benötigt man ungefähr ein ganzes Autoleben.

Mehr als Haftpflicht: Motorbezogene Versicherungssteuer

VW Golf Diesel 77 kW/105 PS – Früher wurde die so genannte Kraftfahrzeug­steuer monatlich mit Stempelmarken geklebt. Mittlerweile wird sie von den Ver­sicherungen eingehoben und heißt deshalb motorbezogene Versicherungssteuer. Bei einem 105-PS-Golf macht sie 349,80 Euro im Jahr aus. Die reine Versicherungsprämie für dieses Auto beläuft sich auf nur 200 Euro bei einem schadens­armen Fahrer und einem günstigen Tarif. Sie enthält natürlich auch Steuer, nämlich 11 Prozent Versicherungssteuer, immerhin keine Mehrwertsteuer.

Tankstelle: Steuern verdoppeln fast den Preis

Treibstoff – Beim Tanken holt sich der Staat das meiste Geld auf einen Schlag. Den größten ­Brocken bringt die Mineralölsteuer. Sie stellt einen Pauschal­betrag pro verkauften Liter dar (Benzin 0,482 Euro, Diesel 0,397 Euro) und ist folglich nicht vom Verkaufspreis ­abhängig. Unterm Strich macht die Mineralölsteuer für den Staat fast drei Mal so viel aus wie die Mehrwertsteuer auf den Treibstoff. Damit verdoppelt sich inklusive Mehrwertsteuer der Benzinpreis an der Zapfsäule beinahe. Mit jeder Erhöhung des Kraftstoffpreises steigen auch die Einnahmen für den Staat.

NoVA halbiert, CO2-Malus eingeführt

Kompensation – Mit Dieselboom und neuen Benzinmotoren drohten die Einnahmen aus der Normverbrauchsabgabe regelrecht abzustürzen. Lagen die meisten Autos bei Einführung der Steuer noch bei zehn Prozent und darüber, unterbieten sich die Massenhersteller heute mit Verbrauchsrekorden. Die große Masse der ­aktuell verkauften Neuwagen weist kaum mehr eine höhere NoVA-Einstufung als 6 Prozent auf. Zum Ausgleich werden jetzt jene umso kräftiger zur Kassa gebeten, deren CO2-Wert noch etwas höher liegt. Das kann viele tausend bis zigtausend Euro ausmachen, und es trifft nicht nur leistungsstarke Luxusmarken (siehe Lada Taiga).

So viel zahlen die Autofahrer in den Staatshaushalt ein (in Milliarden Euro):

Mineralölsteuer: 4,350
Mehrwertsteuer Kraftstoffe: 1,460
Mehrwertsteuer KFZ-Kauf: 1,560
Mehrwertsteuer sons. Leist. (Reparat. etc.): 0,950
KFZ-Steuer: 0,040
Motorbezogene Versicherungssteuer: 1,680
Normverbrauchsabgabe: 0,500
Versicherungssteuer: 0,360
Mauten Lkw (Asfinag): 1,030
Mauten Pkw-Vignette (Asfinag): 0,360
Pkw-Streckenmauten (Asfinag): 0,120
Sonst. Steuern, Abgaben und finanz. Leist.: 0,290

Summe in Milliarden Euro: 12,650

 

Stand: 9. Dezember 2013

Hier geht es zu einer Übersicht über die Steuerproblematik.

  • Nedzad Alic

    wie viel würde man denn für einen BMW M6 G Power 2005 Bj. mit 800 PS zahlen

  • Weber

    Zusatz: natürlich ist man nur von der NoVA befreit, nicht von der Umsatzsteuer. Aber beim Camaro macht das viel aus.

  • Weber

    Es ist schon arg, wie man als Autofahrer abkassiert wird, aber wer trickst, kommt besser durchs Leben.
    So sind Elektroautos befreit (zumindest NOCH), Autos die als Taxi, Gäste oder Mietauto genutzt werden. Vor allem letztere Variante kann bei teuren Zweitautos interessant sein. So kann man den CAMARO als Mietauto kaufen und offizell wird er auch vermietet. Aber die Mieter sind Freunde Bekannte, usw.. NAtürlich geht auch der Klassiker mit der Anmeldung im Ausland, aber hier prüfen die Behörden recht streng.

  • Gerhard

    Die Rechnung sieht noch viel schlimmer aus:
    Dein Arbeitgeber gibt 100 € für dich aus.
    Davon siehtst du ca. 35 € netto.

    Erst von diesem kümmerlichen Rest zahlst du dann die Steuern und Abgaben z.B. für Dein Auto….

    Weil das noch immer nicht schlimm genug ist, kommt der Staat trotz dieser maßlosen Abzocke noch immer nicht mit seinen Einnahmen aus.

    Warum? – weil z.B. Unfähige wie Dörfler auf Versorgungsposten fürstlich bezahlt werden.

  • Chris

    Die ewige Jammerei, daß Autofahren teuer ist, geht mir schön langsam auf die Nerven.
    Fahren die Menschen deswegen weniger? Und ich meine nicht die tägliche Fahrt zur Arbeit (soweit sie überhaupt mit dem Kfz notwendig ist) oder diejenigen, die aus gesundheitlichen Gründen ein Fahrzeug brauchen (siehe Beitrag von Hr. Wörndl-Aichriedler). Die Österreicher sind doch ein Volk der Raunzer – jeder verdient zu wenig, aber die Einkaufszentren wachsen und die Autos werden immer größer. Ich habe den Eindruck, daß sich die Ausgaben von qualitativ hochwertigeren Lebensmitteln hin zu den Billigprodukten eines Diskonters und Luxusartikeln verschiebt. Man belehre mich eines besseren. Liebe Autorevue, geben Sie uns doch einmal die Information, um wieviel der Literverbrauch(Privat-Kfz)/Einwohner in Österreich gestiegen ist. Wäre interessant.

  • Autojoe

    In unserem Staat wird man von vorn bis hinten beschissen, begaunert und abgezockt. Österreich ist das Schröpferland Nummer 1 und darauf sind die Politiker noch Stolz darauf weil es uns ja eh so gut geht.

  • Florian

    Schweinerei das Ganze. Ich werde sobald wie möglich dieses Schröpferland Österreich verlassen und mir in der Bundesrepublik eine Existenz aufbauen. Schön ist es dort genauso und ich werde mir nicht mein Leben lang durch diese wahnsinnigen Autosteuern mein Geld (das weiß Gott wohin geht) wegnehmen lassen. Und es sind nicht nur die Autokosten, auch die Lebensmittel sind in D ja tw. deutlich billiger. Sobald die Gelegenheit kommt, bin ich weg!

  • Peter

    und das sind nur die direkten Steuern. Wenn man dann noch die geschaffenen Arbeitsplätze und die daraus eingezahlte Lohnsteuer, Sozialversicherung und und und dazurechnet …

  • oliver

    Summe in Milliarden Euro: 12,650

    IST DAS PRO KALENDERJAHR ???? BITTE IM TEXT ERGÄNZEN !!!

  • Ing. Daniel Hirschböck

    Hab mich verrechnet. Es waren 4.825 Euro… !!!

  • Ing. Daniel Hirschböck

    Dankeschön!!! Ich habe 2011 einen BMW 745d BJ 2006 aus Italien importert! Der hat 251 g CO2. Also für 150-251 waren das 25 Euro pro g/km Strafe die ich damals bezahlt habe. Macht dann also 25 x 101 also 2.525 Euro die es nun zurück gibt, weil ich zufällig den Artikel gefunden habe!!! Von selbst melden sich diese BETRÜGER natürlich nicht!!!

    • Conny

      Hallo, welchen Artikel meinen Sie, wir stehen vor einem ähnlichen Problem?

  • Wolfgang Wörndl-Aichriedler

    Ich würde, wenn ich könnte! Dieses gelbe Muscle-Car sprang mir sofort ins Auge.
    Auch den Text fand ich ziemlich zutreffend, auch wenn er sich aus meiner Sicht anders darstellt.
    Mein Individualismus besteht darin, dass ich zur Fortbewegung einen Rollstuhl benötige und mir deshalb die Benutzung der Öffis weder zumutbar noch möglich ist.
    Im Jänner 2011 wurde für uns Behinderte die Befreiung von der Nova abgeschafft (überfallartig), im März darauf die CO2-Steuer eingeführt (mit 2 monatiger Schonfrist, weil der Autohandel aufbegehrte und eine starke Lobby hat, was man von Rolli-Fahrern nicht behaupten kann, daher damals kein Aufschub)
    Also gnadenloser Luxuszuschlag für Individualisten (Behinderte)
    1. Durch ihre Behinderung selbst, die sich niemand freiwillig ausgesucht hat und schon von vorne herein wahrscheinlich ein geringeres Familieneinkommen und höhere Kosten (für die Krankheit) bedeutet.
    2. Durch den erhöhten Platzbedarf (Rollstuhl,….) ist die Anschaffung eines größeren Fahrzeuges notwendig, das zum einen mehr Treibstoff verbraucht und daher höhere steuerliche Abgaben für den Treibstoff entstehen und zum anderen eine höhere Mehrwertsteuer durch den höheren Anschaffungspreis bedeutet.
    3. Durch die notwendige Getriebeautomatik, die es meist nur in höheren Ausstattungsvarianten gibt, entsteht ein höherer Kaufpreis, das heißt wiederum mehr Mehrwertsteuer.
    4. Der Mehrverbrauch des Automatikgetriebes bedeutet auch hier höhere Steuern auf den Treibstoff und eine höhere Normverbrauchsabgabe.
    5. Durch die Lohnsteuer wird der öffentliche Verkehr mitfinanziert, kann dann aber nicht in Anspruch genommen werden.
    6.usw…
    Der Staat verdient also überdurchschnittlich gut an uns Behinderten (Merke: Wir MÜSSEN mehr ausgeben, andere können …).
    Ich habe damals den Sozialminister auf diese Ungleichbehandlung (behindert – nicht behindert) und Schlechterstellung hingewiesen und darauf die lapidare Antwort aus seinem Büro erhalten, dass ja der Steuerfreibetrag von 153 auf 190 Euro erhöht worden wäre!
    Der langen Rede kurzer Sinn. Ich wollte mir damals einen gebrauchten Mustang aus Deutschland holen, leider wurde der von heute auf morgen um 40 Prozent teurer.

    • Sehr geehrter Hr. Wörndl-Aichriedler,

      wenn Sie mir bitte an seidel.christian@autorevue.at Ihre Daten schicken könnten, würde ich gerne einen Artikel darüber schreiben. Sei es für die Online-Plattform oder für das Heft.

      Haben Sie vielen Dank im voraus,

      Christian Seidel

pixel