Was ist das „ABS“ und wie funktioniert es?

Dem Blockieren abschwören.

10.07.2015 Online Redaktion

Das Kürzel ABS steht für Antiblockiersystem, der englischsprachige Raum dechiffriert es gern mit Anti-lock Brake System. Ein solches System verhindert das Blockieren der Räder bei scharfen Bremsmanövern und erhält somit die Lenkbarkeit des Fahrzeuges. Das Gesamthaftpotential der Reifen müssen sich Bremse (oder Antrieb) und Seitenführung nämlich teilen und Blockieren bedeutet schlicht, dass für das Seitenführen nichts mehr übrig ist (Kammscher Kreis!). Außerdem dosiert ABS die Bremskraft derart, dass der Reifen möglichst im Bereich idealer Kraftübertragung – bei etwa 10% Schlupf – arbeiten kann.

Geschichte des Antiblockiersystems

Die ersten Ideen zu Antiblockiersystemen gab es schon am Anfang des letzten Jahrhunderts. In den Fünfzigerjahren selbigen Centenniums fanden hydraulische und mechanische Systeme erstmals Verwendung in Verkehrsflugzeugen, wo sie für sicheres Zumstehenkommen der Jets nach der Landung sorgen sollten. Die britische Firma Jensen brachte mit dem 1966 vorgestellten Modell FF den ersten mit – an die Flugzeugtechnik angelehntem – ABS ausgerüsteten PKW auf den Markt. Allerdings war das System komplex und wohl wenig zuverlässig.

Das im Prinzip heute noch aktuelle elektronische ABS durfte sich erstmals 1971 in den Autos von Chryslers damaliger Luxusmarke Imperial beweisen. Oft werden in diesem Zusammenhang auch das Jahr 1978, Bosch und die 116er S-Klasse genannt. Es sollte allerdings bis weit in die Neunziger dauern, ehe serienmäßiges ABS zu einer Selbstverständlichkeit auch in den kleineren Klassen geworden war.

Funktion des ABS

Die meist im Motorraum untergebrachten ABS-Module enthalten eine Pumpe, einen Druckspeicher und vier Druckventile (eines pro Rad; frühe Systeme sind mit einem Ventil pro Achse ausgekommen). Diese Hydraulikeinheit kann den Druck in den Bremsleitungen absenken, halten oder erhöhen. Wann was zu machen ist, weiß ein Steuergerät, das von den radseitigen Geschwindigkeitssensoren über ungleiche Raddrehzahlen informiert wird und sich in der Folge zusammenreimen kann, welches Rad gerade im Begriff ist zu blockieren. Diese Signale lassen zu einem gewissen Grad auch Schlüsse auf die Fahrbahnbeschaffenheit zu, ABS ist somit in der Lage, jedem Rad die genau passende Bremskraft zuzumessen. Die Raddrehzahlsensoren und die elektrohydraulische Aktorik werden übrigens auch vom ESP und der Traktionskontrolle verwendet, wobei diese Assistenzsysteme ohnehin hochintegriert und kaum noch voneinander abzugrenzen sind.

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