Kinderautositze – sind sie wirklich sicher?

Wer sich einen Kinderautositz zulegen will, muss viele Informationen berücksichtigen – Testberichte und neue Normen erleichtern die Wahl dabei erheblich.

29.07.2016 Online Redaktion

Schon bei geringen Geschwindigkeiten kann ein Unfall im Straßenverkehr verheerende Folgen haben. Testinstitute gehen davon aus, dass ein Aufprall bei 50 km/h in den wirkenden Kräften einem Sturz aus dem 4. Stock entspricht. Gerade Kinder müssen daher im Auto besonders sicher sitzen, weil ihr Körper den Schleuderkräften viel weniger entgegenzusetzen hat als der eines Erwachsenen. Garantieren die aktuellen Kinderautositz-Modelle wirklich den besten Schutz?

Mit dem richtigen Kindersitz wird die Autofahrt auch für Kinder zu einem echten Vergnügen mit entsprechender Sicherheit!
© Bild: Clker-Free-Verctor-Images / pixabay.com

Mit dem richtigen Kindersitz wird die Autofahrt auch für Kinder zu einem echten Vergnügen mit entsprechender Sicherheit!

Trends

Selbst bei Kinderautositzen gibt es gewisse Trendentwicklungen, was die Optik anbelangt. Bei den Modellen dagegen treiben praktische Innovationen die Entwicklung voran:

  • Farben: Aktuell prangen weniger Mickeymäuse und pinke Muster von den Sitzen – stattdessen ist ihr Design in seiner Schlichtheit dem Interieur der meisten KFZ-Modelle angepasst. Grau- und Antrazitfarben dominieren; auch Varianten mit cremefarbenen oder braunen Bezügen sind stark nachgefragt. Für Eltern steht trotzdem der praktische Aspekt am stärksten im Vordergrund: der Bezug eines Kinderautositzes sollte schmutzabweisend und waschbar sein.
  • Modelle: Besonders sicher fahren Kinder rückwärts zur Fahrtrichtung. Das geht in Babyschalen und sogenannten Reboardern. Letztere werden jedoch immer weniger angeboten, weil Kindersitze mit Fangkörper aktuell den Markt erobern. Bei ihnen wird der kleine Insasse im Falle des Falles gegen einen Schaumstoff-Fangkörper bzw. -tisch gedrückt und im Aufprall abgefangen. Später lässt sich der Schaumstoff entfernen und ein älteres Kind sitzt im selben Modell wie in einem „normalen“ Kindersitz.

Sicherheit

Eltern, die die sicherste Variante in Puncto Kinderautositz finden wollen, sollten sich an den Testergebnissen der Automobilclubs orientieren. Die aktuellen Untersuchungen des ÖAMTC fällen insgesamt ein positives Urteil: Von den 23 geprüften Sitzmodellen, schnitten nur 5 schlechter als „gut“ ab. Folgende Kriterien werden beim Test unter anderem berücksichtigt:

  • Crashtest: Ein Kinderautositz muss sowohl einen Frontalzusammenstoß wie auch einen Seitenaufprall ohne Schäden überstehen. Bei der Simulation eines Auffahrunfalls wird das Fahrzeug dabei auf 64 Km/H beschleunigt und gegen ein Hindernis gefahren. Hochgeschwindigkeitskameras zeichnen auf, wie Gurte und Fangkörper den Dummy während des Aufpralls abfedern und wo eventuell Verletzungsrisiken entstehen. Wichtig ist, dass Kindersitze den Crashtest in allen für sie angegebenen Befestigungsoptionen, z.B.: vorwärts wir rückwärts, perfekt meistern müssen, um eine gute Bewertung zu erhalten.
  • Bedienfreundlichkeit: Dass ein Kinderautositz leicht montiert werden kann, ist kein Bequemlichkeitsaspekt, sondern eine essentielle Frage der Sicherheit. Ist das Montagesystem kompliziert und schwer verständlich, schleichen sich leicht Fehler in der Befestigung ein und machen den Kinderautositz bei einem Unfall unsicher. Beim Crash kann er sich vollständig oder teilweise aus der Verankerung lösen und zu schweren Verletzungen des Kindes führen.
  • Schadstoffbelastung: Viele Kunststoffe in Kindersitzbezügen, Kinderwägen, Spielzeug und Kleidung sind in den vergangenen Jahren durch eine hohe Schadstoffbelastung aufgefallen. Entdeckt wurden hier Weichmacher, Flammschutzmittel und sogenannte polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAKs). Besonders Letztere stehen im Verdacht, Allergien auszulösen, krebsfördernd zu sein und die Fruchtbarkeit zu schädigen. Experten äußern, dass Kunststoffe in roten und braunen Farbtönen meist stärker mit Schadstoffen belastet sind als andere Farben – in den aktuellen Tests fielen jedoch erfreulich wenige Sitze durch die Ausdünstung von Giftstoffen auf.

Wenn Eltern das Allergierisiko für ihr Kind minimieren möchten, sollten Sie einen Sitz mit waschbarem Bezug wählen. Baby-Walz.ch stellt zudem die Möglichkeit zur Verfügung, neben einem großen Sortiment an Kindersitzen auch durch einen umfassenden Ratgeber zum richtigen Sitzmodell zu finden.

Was sollte beim Kauf beachtet werden?

Beim Kauf des Kinderautositzes sind vor allem zwei Kriterien ausschlaggebend: Das Modell muss zur Größe des Kindes passen und einwandfrei im Auto zu befestigen sein.

  • Normgruppen: Die Normgruppe des Kinderautositzes richtet sich nach dem Gewicht des beförderten Kindes. Sitze der Normgruppe 0 sind für Babies und Kleinkinder bis 10 Kilogramm Körpergewicht geeignet, Modelle der Gruppe I für 9 bis 18 Kilogramm schwere Kinder. Darauf folgen noch die Gruppe II (15-25 kg) und die Gruppe III (25-36 kg). Kinder ab einer Größe von 1,50 m brauchen dann keinen Kindersitz mehr (auch vorher gelten einige Ausnahmen). Beim Kauf sollten Eltern auf das Prüfsiegel mit der Norm ECE R 44 / 03 oder 04 achten. In Europa dürfen generell nur noch Modelle dieser Richtlinien genutzt werden. Sitze älterer Normen wie EC 01 oder 02 sind bereits vor einigen Jahren verboten worden.
  • Befestigung im Auto: Prinzipiell besteht die Möglichkeit den Kinderautositz mittels Autogurt zu befestigen oder mit dem Isofix-System. Bei letzteren wird der Sitzt mithilfe von speziellen Isofix-Haken oder einer Haltestange in zwei an der Rückbank befindlichen Halteösen eingerastet. Seit der Jahrtausendwende rüstet fast jeder Autohersteller seine Fahrzeugmodelle mit den Isofix-Ösen aus. Der kleiner Nachteil: Isofix-Haltesysteme können meist nur auf den äußeren Plätzen angebracht werden; wobei der Mittelplatz den größten Schutz beim Seitenaufprall bietet. Vorteil der Isofix-Anbringung ist die Bedienfreundlichkeit, die verhindert, dass durch Fehler bei der Befestigung Gefahrenquellen entstehen.
  • I-size-Norm: Relativ neu ist die i-Size-Norm bei Kinderautositzen. Sie richtet sich nach der Körpergröße des Kindes und nicht nach dem Gewicht. Zudem gibt es bei i-size-Modellen strengere Richtlinien für den Seitenaufprallschutz. Die Prüfnorm ECE R 129, an der man die neuen Modelle erkennen kann, ist zurzeit in über 60 Staaten zugelassen.
  • Gurte: In Sitzen der Normgruppe I sind Hosenträgergurte integriert, die es sowohl als 3-Punkt- wie auch als 5-Punkt Variante gibt. Sie müssen beim Kauf mit dem Kind ausprobiert werden. Hier gilt: Zwischen das Kind und die geschlossenen Gurte darf nicht mehr als eine flache Hand passen.
  • Nach einem Unfall: Wer mit Kind im Wagen einen Unfall hatte, muss den Sitz unmittelbar entsorgen. Auch wenn er äußerlich noch intakt wird, können mögliche Haarrisse im Material die Sicherheit schwer beeinträchtigen. Indem man vor dem Wegwerfen die Gurte zerschneidet, macht man den Sitz für eine mögliche Weiterverwendung unbrauchbar.
Komfort und Sicherheit spielen beim Kindersitz eine wichtige Rolle.
© Bild: Rhonda Jenkins / pixabay.com

Komfort und Sicherheit spielen beim Kindersitz eine wichtige Rolle.

Fazit

Wer sich einen Kinderautositz zulegen will, muss viele Informationen berücksichtigen – Testberichte und neue Normen erleichtern die Wahl dabei erheblich. Wer sich heute für ein Modell mit Isofix gemäß der neuen i-size-Norm entscheidet, kann dieses ohne Bedenken auch für das zweite und dritte Kind verwenden.

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