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Kaufberatung: Kindersitze

Die wichtigsten Kindersitztypen und relevante Faktoren beim Kauf.

01.03.2015 Online Redaktion

Das Thema Fahrsicherheit ist einer der zentralen Bereiche in der Entwicklung neuer Fahrzeuge. Sie lässt sich aber nicht allein von der technischen Seite aus betrachten. Auch und gerade die manuellen Sicherungsmaßnahmen an Bord sind entscheidend. Die Auswahl an verschiedenartigen Kindersitzen ist enorm, weil auch die Kompatibilitäten mit einzelnen Serienmodellen unterschiedlich ausfallen. In diesem Beitrag werden die wichtigsten Kindersitztypen erläutert und miteinander verglichen. Im Anschluss daran werden die relevanten Faktoren beim Kauf erläutert.

Anhand des Gewichts werden Kindersitzsysteme eingeteilt

Unter Berücksichtigung des Gewichts des Kindes werden insgesamt fünf Kindersitzgruppen unterschieden: 0, 0+, I, II und III. Das Ganze geschieht unabhängig vom Alter oder der Körpergröße, allein das Gewicht ist entscheidend.

  • Die erste Gewichtsgruppe 0 und 0+ beinhaltet die sogenannten Babyschalen, die standardmäßig bis zu einem Körpergewicht von 10 kg angeboten werden. Sie werden in entgegengesetzter Fahrtrichtung eingebaut und bieten einen sehr kompakten Schutz. Durch das Schalensystem wird der Kopfbereich des Kindes vor Rütteln oder scharfen Fahrmanövern geschützt. Ein Wechsel auf die nächstgrößere Variante empfiehlt sich deshalb erst dann, wenn der Kopf nicht mehr vollständig in der Schale liegt und diese überragt.
  • Die Gewichtsgruppe I beinhaltet sowohl klassische Hosenträgergurtsysteme als auch Fangkörpersysteme. Sie wird bei einem Körpergewicht zwischen neun und 18 kg empfohlen. Die Hosenträgersysteme (vorwärtsgerichtet) eignen sich idealerweise für längere Autofahrten, denn Schlafpositionen können sicher und ohne Verrenkungen eingenommen werden. Bei den Fangkörpersystemen ist ein kleiner Tisch fest in den Sitz integriert. Die im Trend liegenden Reboardsitze (rückwärtsgerichtet) schützen bei Frontalunfällen stärker als normale Hosenträgersysteme, da jeder Bereich gleichmäßig abgestützt und gedämpft wird. Eine wichtige Voraussetzung ist jedoch, dass die Gurte den Körper des Kinders sehr straff umschließen, wie beim bmvit nachgelesen werden kann. Schlaff sitzende Gurte könnten sonst zu gefährlichen Spitzenbelastungen führen.
  • Die folgenden Gewichtsgruppen II und III sind für ein Körpergewicht zwischen 15 und 25 kg beziehungsweise 22 und 36 kg ausgerichtet. Gesichert über den standardmäßigen Dreipunkt-Sicherheitsgurt, bieten diese Kindersitze verschiedene Komfortfunktionen. Darunter etwa verstellbare Sitzhöhen oder integrierte Rücken- oder Schlafstützen. Hierbei muss der Schultergurt stets mittig über die Schulter des Kindes angelegt werden, sodass bei Fahrmanövern die Aufrollautomatik den Körper im Gleichgewicht hält. Wie bei vorherigen Gewichtsgruppen gilt, dass auf keinen Fall zu früh gewechselt werden darf. Erst ab etwa vier Jahren sind die Schultern des Kindes ausgeprägt genug, dass sie die entstehenden Kräfte ausgleichen können. Die Kombination aus Sitzerhöhung und Rückenstütze bietet vor allem bei seitlichen Unfällen eine erhöhte Sicherheit.

Die Politik diskutiert aktuell noch die Umsetzung neuer Rahmenbedingungen, die etwa eine ECE-Zulassung nur mehr für Isofix-Kindersitze vorsehen. So wird nicht allein das Körpergewicht, sondern auch die Körpergröße ein entscheidendes Merkmal sein. Es bleibt abzuwarten, wann derart zertifizierte Kindersitze flächendeckend verfügbar sind. Denn parallel müssen die einzelnen Fahrzeugserien hierfür genormt werden.

Bieten alle Kindersitzsysteme dasselbe Maß an Sicherheit?

Der Aufbau und die Funktion von Kindersitzsystemen sind eine Sache, die Gegebenheiten im Fahrzeug selbst eine andere. Bis vor einigen Jahren wurden beispielsweise noch sogenannte Gurtadapter angeboten, die den Dreipunktgurt ohne Sitzerhöhung anders geführt haben. Dadurch sollten Kleinkinder ohne besondere Anpassungen am Sitz geschützt werden. Seit Anfang 2008 ist der Gebrauch bereits verboten, die Kriterien nach ECE wurden nicht eingehalten. Auch wurde in der Fachwelt diskutiert, ob die rückwärtsgerichteten Reboardsitze tatsächlich einen höheren Schutz bieten. Tatsache ist, dass dabei die Belastungen breitflächig ausgehen und über den Rücken übertragen werden, womit der Halsbereich nicht stärker belastet wird.

Allerdings erfordert der Einbau ein höheres Geschick und längst nicht jedes Fahrzeug eignet sich hierzu. Der Airbag des Beifahrersitzes muss unbedingt deaktiviert sein, auch sind teilweise weit nach vorne reichende Verschiebungen nötig. Hierdurch besteht die Gefahr einer nicht ordnungsgemäßen Sitzposition, weshalb unbedingt im Vorhinein der Einbautest vorgenommen werden sollte.

Diese Faktoren sind beim Kauf relevant

  • Unabhängige Tests und Bewertungen geben einen Überblick über die besten Kindersitze in jeder Gewichtsgruppe. Die Kriterien sollten dabei nicht ausschließlich sicherheitsrelevante Merkmale beinhalten, sondern auch weiche Faktoren berücksichtigen. Beim Vergleich auf kindersitz.vergleich.org werden die Bewertungen beispielsweise aus den Kategorien Fahrsicherheit (45%), Komfort (35%) und Qualität (20%) gebildet. Hierdurch können die Kindersitze nach Voraussetzungen wie Fahrzeugtyp, Körpergewicht oder Körpergröße besser miteinander verglichen werden.
  • Nur nach den ECE-Richtlinien zertifizierte Kindersitze sind im deutschen Straßenverkehr auch zugelassen. Derzeit gültig sind die Prüfnummern ECE-R 44/03, ECE-R 44/04 sowie ECE-R 129.
  • Vor allem die Basismodelle bieten oftmals nur wenig Zubehör. Das Risiko ist dann, je nach Fahrzeugtyp noch weiteres Zubehör wie Schonbezüge, Kopfstützen oder die Isofix-Basis hinzukaufen zu müssen.
  • Einsparungen sind vor allem bei Kombinationen der Gewichtsgruppen I und II möglich. Der Markt bietet mitwachsende Kindersitze. Sie lassen sich einfach umbauen oder verstellen und bieten dabei denselben Schutz. Damit bleiben ständige Neukäufe aus und das Kind gewöhnt sich leichter an das jeweilige Modell.
  • Zu kleine Sitze sind unbequem und können die Schutzmechanismen einschränken, zu große Sitze sind vor allem bei Babys gefährlich. Deshalb ist nicht allein auf die jeweils angegebenen Gewichtsgrenzen zu achten, denn das sind stets Richtwerte, heißt es bei kinderinfo.de. Wenn das Kind schneller wächst und beispielsweise die Kopfstütze überragt, muss unbedingt ein passendes Modell her.
  • Anhand der Typenliste des Kindersitzes lässt sich die Kompatibilität mit dem Fahrzeugtyp feststellen. Die Hersteller führen regelmäßig Crashtests durch, worauf hierbei auch Bezug genommen wird.
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  • Jonas Müller

    Das sehe ich auch so. Halte es für wichtig, wenn sich Menschen solcher Sachen annehmen, auch die Stiftung Warentest z.B.

  • Pantuffel

    Das finde ich sehr wichtig. Es geht ja um die Sicherheit unserer Kinder

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