Mark Zuckerberg auf dem Mobile World Congress in Barcelona.
Mark Zuckerberg auf dem Mobile World Congress in Barcelona.
 

Die besten Internet-Startups in Österreich

Die aussichtsreichsten Internet-Startups in Österreich. Wie man es schafft in die Facebook-Liga aufzusteigen.

25.02.2014 Online Redaktion

Nach dem Hype rund um den Facebook-Börsengang arbeiten schon die nächsten Internet-Genies an ihrem Traum, rasch Millionär zu werden. Auch in Österreich hat sich in den letzten zwei Jahren eine dynamische und international gefragte Gründerszene entwickelt. trend präsentiert Österreichs aussichtsreichste Internet-Startups und zeigt den Weg in die Facebook-Liga.

Vier Minuten. In dieser Zeitspanne kann man die 343 Stufen des Stephansdoms hinauflaufen. Eine schnelle Zigarette rauchen. Einen Flirt erfolgreich zu Ende bringen. Oder auch entscheiden, ob man Millionär wird oder nicht.

Vier Minuten haben die Teilnehmer des „Startup Live“-Contests im Hörsaal der oberösterreichischen Fachhochschule Hagenberg, um ihre Geschäftsidee einer ausgewählten Jury zu präsentieren: einen Eventfinder für das Handy, einen Blindenführer für Smartphones, ein Tool zur gemeinschaftlichen Gestaltung von TV-Inhalten in Supermärkten.

Die vier Minuten sind ein Vorgeschmack auf das Gründerleben: Wer im Silicon Valley, dem Mekka der Web-Gläubigen, dem Sitz von Google, Apple & Co, sein Business-Modell einem Investor erklären muss, hat auch nicht mehr Zeit. Ob im Starbucks-Café oder im legendären Rosewood-Hotel in der Sandhill Road: Vier Minuten sind das Maximum.

Allein das Hochfahren des Beamers dauert hier länger. Die 13 potenziellen Gründer wissen nicht recht, wohin mit ihren Händen, und schauen entgeistert, als die Juroren am Ende ihrer Präsentation die Finger in die Wunden ihrer Ideen legen. „Ich sehe den Business Case nicht“, sagt da einer im Fachjargon. Oder ein anderer: „Das Programmieren wird eine ordentliche Challenge werden.“

Einige der Jungspunde gehen am Ende dennoch mit geschwellter Brust aus dem Hörsaal. „Also ich würde euer Produkt nutzen. Fangt damit an!“, hat ihnen Juror Florian Gschwandtner zugerufen, der neue Star auf der heimischen Startup-Bühne (siehe Porträt). Ein anderes Jurymitglied wird später über die Veranstaltung resümieren: „Der nächste Zuckerberg war wohl nicht dabei. Aber der nächste Gschwandtner bestimmt.“

Marke Startup

Während die Welt in den vergangenen Wochen die Schlagzeilen rund um den Börsengang der Social-Media-Plattform Facebook und die Story ihres Gründers Mark Zuckerberg mitverfolgte, stehen weltweit schon die nächsten potenziellen Highflyer in den Startlöchern – auch in Österreich. Denn in den letzten zwei Jahren hat sich hierzulande nach jahrelangem Dahindümpeln eine lebendige, offensive, dynamische Gründerszene rund um die modernen Informations- und Kommunikationstechnologien entwickelt. „Startup“ ist plötzlich kein Fremdwort mehr, sondern eine Marke geworden, die Aufbruch, Genialität, Coolness, totalen Arbeitseinsatz und Vernetztheit suggeriert – und die Hoffnung auf schnellen Reichtum.

trend stellt in dieser Geschichte ein knappes Dutzend heimischer Startups vor, die eine reelle Chance haben, innerhalb kurzer Zeit Millionen zu verdienen. Als Richtmarke für einen gelungenen Exit nennt Markus Wagner, einer der aktivsten Investoren am österreichischen Parkett, „eineinhalb Millionen Euro netto pro Gründer“. Der erfahrene Wiener Business-Angel Johann Hansmann, der sich in den letzten zwei Jahren an mehr als einem Dutzend Newcomern beteiligt hat, schätzt, dass in Spitzenfällen sogar „bis zu 20 Millionen“ drinnen sind.

Wobei die simple Rechnung, dass man mit einer Idee in kurzer Zeit derart reich werden kann, heute keiner mehr anstellt: Blut, Schweiß und Tränen sind die Basis jeder der hier vorgestellten Gründer-Storys. „Ein Startup-Unternehmen aufzubauen bedeutet nicht ein bisserl dahinprogrammieren und dann Party machen, sondern Knochenarbeit“, weiß Österreichs wohl bekanntester Internet-Millionär, Jajah-Gründer Daniel Mattes (siehe Interview). Und er konkretisiert, was das heißt: „Viel im Flugzeug sitzen, Verhandlungsstress, schlaflose Nächte.“

Jung, aber professionell

Allein in den acht österreichischen Uni-„Brutstätten“ solcher Neugründungen, den Inkubatoren, die den jungen Gründern Starthilfe in jeder Hinsicht geben, tummeln sich derzeit 150 Startups. Mehr als ein Drittel davon wollen ihr Geschäft mit Informationstechnologie machen. Bei Events wie „Startup Live“ in Hagenberg treffen die Erfahreneren der jungen Branche mit jenen zusammen, die gerade einmal eine halb ausgegorene Idee vorzuweisen haben. Auch die „Startup-Lounges“ in Wien-Margareten, Kristallisationspunkten der Szene, sind inzwischen etablierte Stelldicheins, in denen ausgewählte Jungunternehmer Einblick in Geschäftsmodelle und Business-Pläne geben – auch sie haben nicht mehr als vier Minuten Zeit. Danach wird bei Chips und Bier gefachsimpelt. Der eine oder andere Geldgeber dockt dann schon einmal an eine verheißungsvolle Firma an.

Wer eine dieser pulsierenden Veranstaltungen besucht, wird schnell zum Schluss kommen: Österreichs Internetgründer-Szene ist professioneller, fokussierter, abgeklärter geworden. Die Schwurbeleien der New-Economy-Ära rund um die Jahrtausendwende sind passé, die Gegenwart ist präzise.

Insbesondere Wien und Linz tauchen in der weltweit agierenden Szene immer öfter als „Hubs“ auf, wie weltweite Knotenpunkte genannt werden, an denen sich besonders viele erfolgversprechende Firmen ansiedeln. „In Europa sind die besten Hubs derzeit in London und Berlin, doch dann rittert schon Wien mit Paris um den dritten Platz“, stellt der international erfahrene Investor Hansmann der heimischen Startup-Szene ein gutes Zeugnis aus. „In den vergangenen zwei Jahren hat sich da unheimlich viel getan.“

Von Bernhard Ecker und Oliver Judex

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