Eine Küche im Museumsdorf Niedersulz
So wurde eingerichtet
 

Schnitzel im Wind

Wir fahren fort: Ins Weinviertel, um in der Welt der Großeltern vorbei­zuschauen und unter einem Baum ein Picknick zu halten.

08.09.2013 Autorevue Magazin

 

Essen im Freien ist für uns zivilisationsweiche Indoor-People immer eine Verlockung. In Kombination mit Fortfahren hat es aber seine Tücken. Erstens: das Wetter und seine nässetechnischen Wochenend-Gemeinheiten. Zweitens: Wer geht freiwillig einkaufen, stellt sich drei, vier Stunden in die Küche, um Pasteten zu kreieren, Schnitzel herauszubacken, Salat plus Extra-Marinade (sonst wird die Sache ja ledschert) und ein Sortiment aus fluffig-leichten Sommer-Desserts herzustellen? Na, ich jedenfalls nicht (oder nur ganz, ganz selten).

Die Lösung

Man kann es sich aber auch leicht machen. Im Weinviertel machen sich ein gutes Dutzend Gastronomen fürs Picknicken stark. Dort kann man einen Korb mit Köstlichkeiten und einen Kühl-Rucksack mit Wein und Werkzeug bestellen, durchaus auch eher spontan (24 Stunden vorher), und sich dann einen schönen Ess-Platz suchen, zum Beispiel auf einem freien Hügel unter einem Nussbaum, mit rundherum Feldern, einer sanft gewellten Weinviertler Landschaft, Sonne, Wolken, wieder Sonne, noch mehr Wolken und dem Wind, der wunderbar in den Nussbaum-Blättern rauscht.

Das Geisterdorf in dem Ziegen wohnen

Bevor wir jetzt wegdämmern vor lauter Glückseligkeit (und der halben Flasche Veltliner, die schon weg ist): Vorhin waren wir noch im Museumsdorf in Niedersulz. Das gibt es schon lange, jetzt hat es aber neu eröffnet, mit toller Eingangsarchitektur und ordentlich vergrößertem Areal. Dort kann man sich anschauen, wie die Leute früher in der Gegend gelebt haben, wie die Häuser ausgesehen haben, der Alltag und das Wirtschaften. Es gibt eine alte Schule, ein Bürgermeister-Amt, eine Feuerwehr, ein altes Gasthaus, eine Kirche und noch ein paar Dutzend Gebäude mehr – und alle sehen so aus, als wären die Leute gerade weggegangen, zur Kirche zum Beispiel, und hätten für einen Moment alles liegen und stehen lassen. Sogar Ziegen, Schweine und Gänse sind da, die Kirschbäume hängen voller Kirschen, und in den Gärten wachsen Blumen und Gemüse.

Zeit, Zeit, Zeit,…

Über das alles denkt man dann nach, unterm Nussbaum am Hügel. Verleibt sich Schweinsbraten ein und Wurst und Käse und Essiggurken und Brot und die Schnitzel, die man nicht selber herausbacken hat müssen.

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