Peugeot 308cc Exterieur Statisch seite
Extravagant im Profil: Die­ ­Leute blicken sich jetzt um nach dem Peugeot 308 CC.
 

Wanderbrief November 2011

Mein heutiger Brief ist aus allen Triester Lokalen, die das Magazin ALPE-ADRIA empfahl, ein Ruf Deines alten Freundes, von Ufer zu Ufer.

25.11.2011 Autorevue Magazin

Mein Leben ist im Rückblick ein einziger Versuch, nicht neidisch zu sein. Ich lernte tausend Männer kennen, die reicher waren als ich.

Achthundert davon waren Konzernherren, darunter Gentlemen der Autowelt wie Raymond Levy, Eberhard v. Kuenheim, Wolfgang Porsche und Ferdinand Piëch. Solche Herrschaften beneidet man nicht. Sie haben an­dere Sorgen als unsereins. Und der große Soziologe Helmut ­Schoeck (Standard-Werk: „Der Neid“) erklärte, man würde nur jene beneiden, deren Reichtum noch in Reichweite sei.

Das kann ich bestätigen. In Gesprächen mit Bill Gates (Micro­soft), der über 50 Milliarden Dollar Privatvermögen verfügte, hatte ich nie das Bedürfnis, ihn zu ersäufen. Und Prince Charles of Wales, den ich bei einer World-Wildlife-Party in London kennen lernte, beneidete ich nur um seine Ohren und seine Selbstironie. Sein Buckingham Palace war ohnehin unerreichbar.

Ein größeres Problem sind die Freunde. Auch sie haben mehr Kohle auf der Kante, als ich je Steine auf jenem Grundstück im Burgenland hatte, das mein einziges Erbe war und mich ärmer statt reicher machte. Ich musste einen bestechen, damit er’s ­geschenkt nahm. Gottlob sind meine reichen Freunde dezent. Sie lassen das Geld nicht raushängen. Und sie haben als kluge Männer auf meinen wichtigsten Satz gehört, den ich ihnen ins Ohr flüsterte, wenn sie, von meinem Nescafé mit-Inländerrum übermannt, bei mir schliefen: „Wer teilt, besitzt doppelt.“

Seither teilen sie fast alles mit mir, vor allem die Autos und Motorräder. Nehmen wir beispielsweise den Freund, den ich pseudonym Wladimir nenne, um keine Entführer auf seine Fährte zu locken. Er gibt mir anstandslos die Schlüssel für seine Oldtimer-Corvette, den 993-Cabrio-Youngtimer (letzter luftgekühlter 911) und sein aktuelles Carrera-Turbo-Cabrio. Mit ­letzterem führte ich ihn jüngst heim, er schlief, von einer privaten Barbera-Abfüllung mit eigenem Etikett in den gesündesten Schlummer geworfen. Am Ziel schlackerte die bodennahe, vordere Schürze.

Ich schwor, in der arschschwarzen Nacht keinen Pfaffen überrollt zu haben: „Der erste Qualitätsmangel, den ich je bei einem Porsche erlebte.“ Er glaubte mir. Schließlich hatte ich, als ich noch Single war, selbst drei offene Elfer ohne Schramme bewegt.

Wladimir lässt sich viel von mir einreden, aber nicht alles. Als es nach vielen Jahren brutaler Plackerei mit ihm aufwärts ging, wollte ich ihm als Luxus-Gut die K 1200 LT als damals mächtigstes BMW-Bike einreden. Wie noch heute fand ich drei LT-Goodys unentbehrlich: den Rückwärtsgang, den hydraulischen Hauptständer und das Bodenlicht, das den nächtlich heimkehrenden Biker davor bewahrte, mit den Daytona-Boots in Hundstrümmerln zu treten. Zuvor schon hob dich der Hauptständer sklavisch hoch, du stiegst als König vom starren Thron.

Wladimir wies damals meine LT-Empfehlung ab. Zu schwer, zu hoch, zu viel Stress in engen Kehren und an der Ampel. Jene in Richtung Harley griff er auf, zunächst per Street Bob. Man sitzt da im Bike, nicht auf dem Bike. Außerdem war der Bobber der erste erschwingliche Harley-Bison. Unternehmer schauen auf Preis-Leistung. Nur wir Negeranten, die nächtens unter der Brücke an brennenden Ölfässern hausen, geben ihr ganzes Geld für Aufhauerei aus. Dann aber entdeckte Wladimir sein Dragster-Herz. Er entflammte für die teure, aber mächtig anschiebende, geduckte Harley-V-Rod-Serie, zumal deren Motor von Porsche mit­entwickelt wurde. Er kaufte sie im Dreier-Pack. Eine für den idealen Sohn und Nachfolger, eine für sich selbst in Österreich und eine für sein pied-à-terre in Portugal. Ich habe dort ein Zimmer für mein Herzibinki und mich, und für die Fahrt ans Meer und zum Fußball-Derby Porto-Benfica eine V-Rod-Nightster.

Man muss nicht reich sein, um ein Leben vor dem Tod zu kennen. Man muss nur Leute kennen, die lernten, dass teilen verdoppeln heißt. Übrigens: Wladimir ist gebürtiger Grazer wie der führende Neid-Forscher Schoeck. Beide haben mit dem steirischen Spruch „Der Geiz ist ein Hund“ nichts zu tun.

Apropos Portugal: Ich erinnere mich ziemlich genau an einen Text der portugiesischen Literatur. Er stammt sicher von Fernando Pessoa. Autoren wie Vieira oder Saramago stehen erst auf der Liste. Ich werde sie, auf der Nightster liegend, im Winter an der Atlantikküste lesen. Alles schmeckt im Herkunftsland am besten, auch die Bücher.

Jener Text lautet sinngemäß: „Das Leben ist eine Herberge, in der ich hause, bis die Postkutsche des Abgrunds vorfährt.“ Ich habe ihn gleich nach dem ersten Lesen umformuliert: „Ich hause im Auto, in dem ich an Abgründen vorbeifahre, bis das Leben eintrifft.“ Das gelingt mir erfahrungsgemäß am sichersten in Monopostos, Roadstern und Cabrios, wo die Sonne mithilft, das Leben willkommen zu heißen. Schon die Kuppel eines bedeckten Himmels mit witzigen Wolkenbildern genügt, falls das Auto gut gerüstet ist.

Dies war der Fall, als ich dieser Tage im Peugeot 308 CC ­Allure 2.0 HDI 160 FAP Tiptronic daran ging, die möglicher­weise letzte Ahnung von Sommer einzufangen. Die Drei-Tages-Bilder des Abend-TVs hatten einen winterlich kalten Herbst­einbruch angedroht. Noch in der Nacht packte ich Weichware, Werkzeug und Weib in den Franzosen und fuhr nonstop nach Triest. Der Kofferraum packte mit geschlossenem Coupé-­Cabriolet-Metalldach geradezu LKW-mäßig alles (465 Liter). ­Eigentlich hätte auch der Netto-Kofferraum mit offenem Verdeck genügt (266 Liter), ganz abgesehen von den leeren, voll­wertigen zwei Rücksitzen.

Das heißt: Allein wäre ich natürlich auch nachts offen gefahren, gerade im neuen 308er, der dafür wie geschaffen ist, mit dem einzigen Viersitzer-Nackenföhn im Cockpit (bei Zwei­sitzern war Mercedes voran) und der behütenden, weit über­kragenden Windschutzscheibe und einem Windschott, das den von hinten einstürzenden Cabrio-Wirbelsturm humorlos zum gleichgerichteten Hauch kastriert. Meine Beifahrerin braucht aber im Nachtschlaf die Dach-Schindeln über dem blonden ­Engelshaupt, im Albtraum wurde sie einst von einem riesigen Uhu gekrallt und entführt.

Der 2-Liter-Hochdruck-Direkteinspritzer pendelt bei 0–100 rund um die 10 Sekunden, mit manuellem 6-Gang darunter (9,7 Sekunden bei 5,7 Liter Normverbrauch, v-max 210 km/h), mit Tiptronic 10,9 Sekunden bei 6,6 und 200 km/h.

Ich empfehle die Tiptronic, weil man dann vollentspannt durch Triest cruisen und aufs Navi hören kann, wo mein Freund Heinz Grötschnig im neuen ALPE ADRIA Magazin alle aktuellen Tipps mit der üblichen Strenge notierte, siehe dort. Ich würde mich gern darauf einlassen, muss aber noch was zum 308 CC sagen.
Schon der kleine Peugeot-CC ist vom 206-CC, dem „Klappdach 2+2-Sitzer“-Pionier und Bestseller, zum heutigen Modell enorm gereift. Ich weiß das, weil ich den Ur-206-CC als Zweitauto daheim hatte, logisch mit dem 136-PS-Benziner, der viel Freude machte, das Federgewicht enorm anriss und soff wie der selige Juhnke. Der große Bruder 308 CC, von dem hier die Rede ist, ist überhaupt ein neues Auto, eher Revolution als Entwicklungsschritt. Wer den Alten kannte, kennt den Neuen nicht. ­Versteifung, Entkoppelung, Dämmung – alle Cabrio-Faktoren in Richtung Luxus gingen sternenwärts. Gleiches gilt für die ­Cabrio-Vektoren, die Kraftflüsse in der Lenkung, die Kurvenneutralität und den nun noblen Antrieb.

Für den Anblick gilt es auch. Viel kleines Anderes gab ein großes Neues. Die Leute blicken sich jetzt um. Sie spüren das Edlere in der Front, im extravaganten Profil und Heck. Dass man die Ei-Form des Vorderbaus und die weit nach hinten reichende Windschutzscheibenkante beibehielt, schätzen die Geborgenheitsfanatiker. Wie beispielsweise meine Co-Pilotin. Sie klagte nur darüber, dass sie, wenn sie fuhr und ich schlief, oft 180 fuhr statt 130, ohne dies gleich zu bemerken.

Ad Bikes ist zu sagen, dass ich das Guzzi-Jubiläum verschlief. Mein Tankwart nimmt dies übel. Er pflegt eine alte Moto Guzzi California. Die Ortschaft Mandello del Lario ist ihm der Vatikan der Einspurigen. 90 Jahre Guzzi sind, so sagt er, Beweis für die Überlegenheit des Guzzi-Prinzips: eine V2, aber quer eingebaut. Die Kurbelwelle in direkter Flucht mit der Kardanwelle, die dem Hinterrad befiehlt. Und dann noch, sagt mein Tankwart, der Klang. So wie die Apostel und Evangelisten ihn schätzten: der stärkste Sound, um Ungläubige zu bekehren. Nun, da der Schnee bald fällt, ist es zu spät für religiöse Prüfungen. 2012 werde ich alle Guzzis fahren und meine Eignung zum Konvertiten überprüfen.

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