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Einst fuhr ich im Facel-Vega HK 500 ins Pariser Maxim’s, um ebendort zu speisen. Die gleiche Automarke übrigens, in der Albert Camus zu Tode kam.
 

Waldecks Wanderbrief – Ein Leben als abgehobener Pimpf?

Lieber Freund! Wenn ich so lenk und denk an nix. Unter diesem Motto schreibe ich meine Briefe an Dich. Ich diktiere sie meist am Steuer kurioser Autos. Sie ersparen mir, Dich persönlich über die fremden ­Länder, ihre Hotels und den Nahverkehr zu informieren. Zugleich sind die Briefe auch unsere letzte ­Brücke, die trittfest ist. Durch Dein ständiges Daheimbleiben entfernst Du Dich ja immer mehr von mir. So ist auch mein heutiger Brief aus dem „Maxim’s“ in Paris, dem Gasthaus „Waldviertler Stub’n“ in Langenzersdorf und der Cantinetta Antinori in Wien ein Ruf Deines alten Freundes, von Ufer zu Ufer.

19.02.2016 Autorevue Magazin

Dieser Tage traf ich nach langer Pause meine Schwester Annemarie. Ich sprach sie sicherheitshalber per Sie an. Verschlankt und neu frisiert wirkte sie wie eine Tochter ihrer selbst. Ich erkannte sie eigentlich nur am powidlblauen, rattengrau belederten Hochglanz-VW-Passat, in dem sie vorfuhr. Diesen hatten wir unserem Herrn Papa geschenkt, als Freude seiner späten Tage. Der Passat floss dann ungeteilt in Annemaries Erbe. „Den hätte ich auch gern gehabt“, maulte ich jetzt beim Wiedersehen. Sie lachte mich aus, wie nur eine Schwester einen Bruder auslachen kann: winselnd, entzückt, respektlos. Fast wäre sie aus ihrem Polstersesserl der „Waldviertler Stub’n“ gekippt, die sie als solides, unprätentiöses Gasthaus liebt. Während sie von mir glaubt, ich würde am liebsten ...
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