volvo xc60 wanderbrief vorne seite front
Phil Waldeck installiert nach Saabs Dahinscheiden die ­Sicherheits-Marke Volvo als natürlichen, neuen, skandina­vischen Hafen für Individualisten.
 

Wanderbrief Februar 2014

Mein heutiger Brief aus dem „Grand Hotel Stockholm“, dem „Hotel Hochschober“ auf der Turracher Höhe und dem „Weingut Schwarzböck“ in Hagenbrunn ist ein Ruf Deines alten Freundes, von Ufer zu Ufer.

17.03.2014 Autorevue Magazin

12. Jänner. Kanadischer Winter im Weinviertel.

Gleißende Sonne, aber arschkalt, wenngleich über Glatteistemperatur. Ich grüße die ihrer Trauben beraubten, schlafenden Felder. Seit der Autorevue-Freund & Autor Alfred Komarek den Weinviertler Krimineser Simon Polt erfand, wittere ich hinter jeder Scholle einen Bullen. Das ist ein wenig lästig, ansonst bin ich guter Dinge. Wie eigentlich immer, wenn mir Mitbürger den Vogel zeigen.

Ich bin nicht gram, im Gegenteil. Sie sagen damit freundlich, ich sei etwas Besonderes, nicht mainstream. Nur, weil ich momentan der einzige Zweiradler bin. Ich fahre einen Yamaha Tmax 500 Scooter mit Heizgriffen und windshield und Schutz­decke bis zu den Hüften. An Kreuzungen blicke ich von schräg oben in die Cockpits der braven Bürger. In ihren Schößen sehe ich betende Hände und Müsliriegelbrösel. Wenn sie einen Winter-Biker sehen, rufen sie den Heiland gegen den Satan an. Dann wieder ein Biss ins Müsli.

Ich denke dabei an Vieles. Zum Beispiel, dass der wichtigste Vorzug eines Motorrads darin liegt, dass man darauf nicht bröselt. Und selten die Hände faltet. Oft denke ich auch an Woody Allen und diese Pressekonferenz.

Frage: „Mister Allen, Sie sind doch ein eitler Egoist, nicht wahr?“
Antwort: „Nicht wahr. Ich würde aus der griechischen ­Mythologie nie die Rolle des Narziss wählen“
Frage: „Welche denn?“
Antwort: „Zeus“

yamaha tmax 500 scooter

Diesmal stellen sich ein tau­frischer, winter-optimierter Yamaha Tmax 500 Scooter …

Auch einem Zeus wird irgendwann auf dem Zweirad kalt.

Ich wechsle ins kuschelige Familien-Cabrio. Der Chrysler Sebring steht seit vielen Jahren daheim. Er war schon alt, als ich ihn kaufte. Und billig, zirka 14 Kilo-Euro, obwohl die ideale LX-Version, der Cruiser mit kleinem 2-Liter-Murl und kleinem Durst, aber Leder und Elektrik für Sessel, Fenster & Dach. Und frisch gewaschen ist er immer noch lippenstiftrot und schön auf kalifornische Weise, lang und breit und niedrig mit tief gezogenem Gebiss.

Angestochene Wiener, die in Hagenbrunn glücklich aus der modernen Verkost & Verkaufs-Architektur des Weinguts Schwarzböck taumelten, wetteten um eine Magnum-Flasche
(1,5 Liter), dass es sich beim Sebring (a) um einen Fünfsitzer-Ferrari oder (b) den Sonderfall eines Fetzendach-Quattroporte handle. Ich bitte alle Ferraristi und Maseratisti, die für ihr Auto das 20-Fache brannten, um Vergebung, aber ich bin der Wahrheit verpflichtet. Vielleicht lag es ja am Schwarzböckwein. ­Außerdem: Sie haben Ihren grandiosen Italiener gewiss nicht ­gekauft, um der Umwelt als big spender kenntlich zu sein.

Allmählich erinnert mich das Sebring Cabrio an meine greise Harley-Davidson Electra Glide mit dem 1300-Evolution-V2-Murl, die bis zuletzt, als sie dann kein Öl mehr halten konnte, klaglos lief und das p.t. Publikum mit ihrem ozeanblauen Schimmer-Lack entzückte. Was ich uns hoffärtigen Europäern damit sagen will: Verachtet die einfache US-Technik nicht vor dem Abend. Und denkt daran, dass die US-Designer oft auch das Herz erreichen, nicht nur das Hirn.

harley electra street glide

… und zwei historisch wertvolle Bikes – eine BMW R 1100 RT und eine Harley Electra Street Glide – ganz in den Dienst der Erzählung.

Die Tour de France war immer ein TV-Fixpunkt meiner Sommer.

Ich liebte die Qual der Sportler. Ich litt mit ihnen. Meine Eskimo-Cremissimo-Portion auf der Couch entsprach der Etappe. Beim Prolog eine kleine Schale, bei Alpe d’Huez
ein ganzer Cremissimo-Ziegel. Allmählich bezauberten zwei ­Begleitfahrzeugmarken: BMW und Skoda.

Zuerst die Touring-BMW R 1100 RT als Träger-Motorrad der mobilen Kamera-Truppen. Sie sah ideal stromlinienförmig aus. Wie ein Beweis des Biologen-Spruchs: „Das Wasser formt die Flosse, nicht umgekehrt.“ Alle späteren RT-Schalen sind kantiger und effektiver, waren aber nie wieder so schön. Ich musste eine R 1100 RT haben. So kaufte ich eine. Wir verlebten zwei glückliche Sommer. Dann verkürzte Sohn Georg sie auf 1 Meter. Ein voranfahrender Professor der Nervenheilkunde hatte bei Grün voll gebremst.

Skoda schlich sich, mit der Beharrlichkeit eines tschechisch-deutschen Marketingkonzepts, als Vierrad-Begleitfahrzeug der Tour de France ins Gemüt. Das dauerte aber lang. Zumal ich in der Autorevue die Liebe zu Skodas und Traktoren bei David ­Staretz geborgen wusste.

Dann aber sah ich den Burgtheater-Aufreger Claus Peymann (der meine Zuneigung zum Gourmet-Restaurant „Drei Husaren“ teilte) im ersten Skoda Superb, einer Art Bonzen-Octavia mit viel Beinfreiheit für hinten sitzende Diktatoren, die sich gern links und volksnah geben. Da witterte ich feine Schläue, so wie zwei Klassen höher im Volkswagen Phaeton.

Die Luxuslimousine Phaeton erlaubte Michael Aufhauser vom Gut Aiderbichl, bescheiden auf einen VW als Firmenauto zu verweisen. Und ist vielleicht auch der Grund, warum mächtige Chinesen den Phaeton lieben und ihm lang genug über die Talsohle halfen. Demnächst soll er in neuer Figur tatsächlich als „Sonnenwagen“ auffliegen.

Fazit: Mein Interesse an Skoda war geweckt. So schätzte ich dann auch den hurtigen Octavia Combi RS, der weniger Platz für Bonzen, aber allen Gepäckplatz für Familien bot. Damit fuhr ich mit dem Graffel hoch zum Hotel Hochschober auf der Turracher Höhe. Graffel ist ein Fachbegriff der Jäger für Gemsen-Mutter plus Gemsen-Gschrappen.

Viele Menschen registrieren nur ihre Unglücke.

Ich registriere nur mein Glück. Dieses lag diesmal darin, dass ich schon nach fünf Tagen zurück nach Wien musste. Man rief zu heiteren Sendungen auf Radio-Wien und Ö1 ins Funkhaus. Und die Autorevue befahl einen Wechsel auf den Volvo XC 60 T6. Ein Segen. Denn als ich mit diesem auffällig feschen und in höchster Motorisierung 306 PS starken Mittelklasse-SUV-Allradler zurückkehrte auf die eingeschneite Turrach-Höhe, überholte ich zahllose ­Gestrandete. Zuletzt fand ich gerade noch im Zickzack durch die letzten Wühler. Nach mir wurde die Strecke überhaupt gesperrt.

Glück verbindet. Da mir Saab geraubt wurde, erhebe ich ­Volvo zur neuen skandinavischen Marke für Individualisten. Sie ist wichtig, um den Tüchtigkeits-Übermut der Deutschen zu ­zügeln. Ein Volvo XC 60 D4 AWD matcht sich beispielsweise mit BMW X3 xDrive 2.0 D und Audi Q5 2.0 TDI Quattro ­praktisch zum gleichen Preis.

Meine kleine, seidige Freude an Volvo ist freilich nur möglich, weil die Palette auch das ausgereifte Metalldach-Cabrio C70 bietet. Man sieht es selten. Umso schöner.

Meine Holde sieht den schnellen Wechsel von Saab zu Volvo mit Misstrauen.

Sie wirft mir eine Latenz zur Untreue vor. Sie hingegen, praktisch eine „Spinnerin am Kreuz“ (für deutsche Leser: Eine Wienerin, die lebenslänglich auf die Rückkehr ihres Kreuzritters wartete), vergesse das letzte, ausnehmend hübsche Saab Cabrio ungern, speziell das 20-Years-Anniversary-Modell mit hellblauem Lack und einer serienmäßigen Zusatzheizung, die im Winter erlaubte, in ein abgetautes, bacherlwarmes Auto zu steigen. Volvo hingegen, so die Holde, habe ein Sicherheits-Image für Männer, die zugleich Gürtel und Hosenträger tragen.

Gegen solche Suada schweigt der weise Mann. Zumal die Herzallerliebste nicht unrecht hat. Auch jeder moderne Volvo bietet jede denkbare Safety-Option, sogar eine spezielle Rad­fahrer-Erkennung.

Wahr aber ist auch: Als meine flinkeren Kollegen noch den knatternden Kastraten-Gesang des Zweitakter-Saab-96 ver­götterten, teilte ich schon im soliden Buckel-Volvo PV 544
das werktätige Volk. Und als ich viel später in einem grandios ­restaurierten Volvo Amazon 122 S vor dem Stockholmer Grand ­Hotel den Anker warf, hieß der Wagenmeister seine Lehrlinge, alle Mercedesse, BMWs, Audis und Bentleys in Nebengassen zu schieben. Der Volvo Amazon 122 S, weinrot, stand nun allein. Vor ihm das Wasser der Binnengracht. Hinter ihm das fürstliche Haus. Der Wagenmeister war ein Mann von ewigem Geschmack. Er erkannte einen Solitär, wenn er ihn sah.

Der 50er-Jubiläums-Jahrgang der Autorevue wird schön für die Könige, die Leser, werden.

Und furchtbar für uns in der Galeere. Kapitän Kornherr kaufte neue Trommeln. Ich gehe vorher noch auf die Insel, zu angenehm unperfekten Jeeps und Miet-Bikes.

Dem ersten Insel-Polizisten, der mich aufhält, werde ich mein monatliches Dankgedicht an die Freunde und Helfer aufsagen. Wahrscheinlich einen Liedtext der EAV (Erste Allgemeine Verunsicherung), den ich ungefähr wie folgt im Kopf habe:

Ich bin eine Mischung
Die ist ziemlich lecker
Aus Albert Einstein
Und Arnold Schwarzenegger
So weit so gut
Das Dumme ist nur
Ich hab Schwarzeneggers Hirn
Und von Einstein die Figur

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