Suizidradler

Chicago in Vösendorf.

24.03.2010 Autorevue Magazin


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Über die vielen Unzulänglichkeiten im Wiener Radnetz, aus denen ein hohes Gefahrenpotenzial für Radfahrer wie auch Autofahrer erwächst, möchte ich jetzt nicht reden. Ganz im Gegenteil: Wer zum Beispiel größere Strecken mit dem Rad zurücklegen will, kommt in Wien bei entsprechender Planung geradezu vorzüglich weiter. Wie gut es einem in Wien geht, merkt man, wenn man das Stadtgebiet verlässt. Denn: Der Weg vom dritten Bezirk bis an die südliche Wiener Stadtgrenze lässt sich zurücklegen, ohne auch nur irgendwo mehr als 50 Meter in einem Stück in den knallharten Autoverkehr einzutauchen.  Die Route über den Verschiebebahnhof Kledering und Oberlaa unter Umfahrung des Laaerbergs ist herrlich. Es empfiehlt sich sogar ein voll gefedertes Mountainbike, denn etwa ein Drittel der Strecke besteht aus Feldwegen. Die Mischung aus Wohn-, Gewerbegebieten und landwirtschaftlichen Flächen hat einen etwas herben Charme, hochinteressant ist sie allemal. Doch in Vösendorf verlässt dich allmähliche das Glück und in der Ortsstraße auf Höhe der größten Metro-Filiale Europas würdest du dich zwischen Kleinlastern und Großlastern und Pkws und Mopedautos eh am liebsten in Luft auflösen, aber jetzt gibt’s kein Entrinnen. weitermachen: Ketzergasse. Ich will ja bloß zum Campus 21, von Vösendorf Luftlinie zwei Kilometer entfernt, dazwischen liegen aber zwei Autobahnknoten, die weiträumig zu umfahren sind. Die Gemeinden Vösendorf, Brunn und Perchtoldsdorf, deren Grenzen aus dem Blickwinkel der Autofahrer total verschwimmen, sind in Wirklichkeit wie von unsichtbaren Mauern umgeben. An ihre Grenzen führen überwiegend Sackgassen. Auch mit dem Rad: Kein Abschneider möglich. Da kommt keiner aus! Im sterilsten Gewerbegebiet Österreichs, dem Campus 21 gibt es nicht einmal mehr Fußgänger. Praktisch, weil da kann man sich mit dem Rad ruhigen Gewissens auf dem Gehsteig in Sicherheit bringen.

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  • … würdest du dich zwischen Kleinlastern und Großlastern und Pkws und Mopedautos eh am liebsten in Luft auflösen, aber jetzt gibt’s kein Entrinnen.
    Und vor allem keine Luft.

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