Ausflug-Straden-14
 

Grasblau und Himmelgrün

Wir fahren fort: Wieder einmal ins Oststeirische, um an tektonischen Aufwerfungen, duftenden Flüssigkeiten und psychedelischen Frühlingsfarben rauschig zu werden.

10.03.2011 Autorevue Magazin

Das Gefühl von Erhabenheit hat nur ­bedingt mit der absoluten Höhe des eigenen Standpunktes zu tun. Über sechshundert Höhenmeter sollte niemandem zu lachen einfallen (wie es die aufs ­Alpenniveau geeichten Nicht-Ostösterreicher nur allzu ­gerne tun). Sechshundert Höhenmeter ermöglichen nämlich einen enorm differenzierten Blick auf den Rest der Welt, wenn dieser Rest der Welt einem verhältnismäßig flach zu Füßen liegt.

In der Oststeiermark gibt’s mehrere Möglichkeiten, so ein Erhabenheitsgefühl zu kriegen. Wir fahren in dieser Vorfreude gerne auf die Riegersburg oder lassen uns im Schloss Kapfenstein auf der Zinnen-Terrasse nieder. Und auch auf dem Stradener ­Kogel waren wir schon öfter oben, weil der schmucke Ort auf der Höhe mit seinen drei Kirchtürmen eine ziemliche Anziehungskraft hat. Hier lebt und wirkt die Familie Neumeister, wie man weiß, und weil die Neumeisters umtriebige und lebendige Leute sind, liefern sie immer wieder Anlässe, herzukommen und sich über etwas Neues zu freuen.

Erst war der Wein, dann kamen zum Wein das Restaurant, das Lob und die Hauben (und später das Schlafgut, wo man auch übernachten kann), und weil die Luft dünn wird in allzu lichten Höhen, haben die Neumeisters etwas Kluges getan, nämlich einen Anker geworfen. Das Saziani besteht jetzt aus einem Restaurant und einem Wirtshaus, und weil wir einen Hang zum Bodenständigen haben, sind wir in Letzterem eingekehrt.

Um ehrlich zu sein, es war der Kirschbaum, der die Wahl bestimmte, und der gehört zum Wirtshausbereich. Dort sitzt man etwas abseits im Schatten, der wegen der noch nicht voll ausgereiften Vegetation noch ein Halbschatten war, hat die Sandkiste im Auge, in der das Junggemüse schon frühen Rühr- und Backneigungen nachgeht, schaut auf den irrwitzig blauen Frühlingshimmel, die ­frivol weißen Schäfchen­wolken, die Stradener Kirchtürme, das wetteifernde Grün auf Feld, Flur und Hain, lässt sich ein Gläschen vom Sauvignon oder vom Welsch bringen, einen Schlegel oder eine Stelze vom Weizer Berg­lamm, ein Steak oder ein ­geschmortes Schulterscherzl vom Almochs, eine Schweinshaxn, ein Steirisches Wurzelfleisch oder ein gebackenes Steirerhendl.

Vornehmen sollte man sich sonst nix an so einem Mittag, der sich bis weit in den Nachmittag hineinziehen wird. Denn später wird sich noch Roland Friedrich auf ein Plauscherl dazusetzen. Man kennt sich aus dem ­benachbarten Tieschen, wo der Gastgeber des Saziani herkommt, was einiges an Gesprächsstoff liefert und ­einem auch das Gefühl gibt, fast ein bissl zu den Hiesigen zu gehören. Die wissen, wo’s gut ist. Unterm Kirschbaum. Umgeben von Grün, Blau, Himmel, Wolken und Wiesen.

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