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Die Wasser-Wein-Theorie

Wir fahren fort: Und finden auf der südlichsten Weinstraße Niederösterreichs beim Besuch eines der besten Heurigen der Thermenregion eine Übereinstimmung zwischen Bibel und Genusslehre.

13.02.2011 Autorevue Magazin

Wasser und Wein, das bedingt sich ja irgendwie. Das haben wir aus der Bibel gelernt. Aber auch die Langzeithedonismuserkenntnis legt einen solchen Schluss nahe. Denn wenn man ein Idealszenario an Himmels­nähe erfinden müsste, käme mit ziemlicher Sicherheit eine Weintrink-Szene an einem Gestade (Fluss, See, am besten aber Meer) vor. Und man stelle sich vor: Früher einmal hat das Meer bis dorthin gereicht, wo jetzt der Speckgürtel von Wien beginnt. Hätte es im Meso­zoikum im Süden von Wien schon Villen und Wohlstand gegeben, die Immobilienpreise wären noch durchgeknallter gewesen, als sie es heute sind, und Kärnten hätte sich mit seinem Wörthersee brausen gehen können (den es ­damals noch gar nicht gab).

Dieser Tethys genannte Ur-Ozean hat an der Thermenlinie jedenfalls eine Menge guter Böden hinterlassen, auf denen heute wunderbare Weine wachsen. Die Gegend um Gumpoldskirchen zum Beispiel ist für die Weißen Neuburger, Rotgipfler und Zierfandler (der nur hier vorkommt und absolut garnix mit dem kalifornischen Zinfandel zu tun hat, der zudem ein Roter ist) bekannt. Rund um Sooß und Bad Vöslau finden wiederum rote Reben auf den Schotterböden beste ­Bedingungen, typisch für die Region ist neben dem Zweigelt der Blaue Portugieser, der hier nach wie vor den Hauptbestand ausmacht. Früher hat man zu der Sorte übrigens auch „Vöslauer“ gesagt, was jetzt wieder den Bogen zum Wasser spannt.

Und die Theorie wird noch weiter genährt: Der Ortname Sooß baut auch nahe am Wasser. Er hat sich aus dem frührömischen „sassa as tres fontes“ zusammengeschliffen, was damals eine „Siedlung an drei Brunnen“ benannte. Und der, den wir hier aufsuchen, heißt zudem auch noch Fischer, was ja auch eher an Wasser denken lässt. Wäre es nicht DER Christian Fischer, der seit gut 25 Jahren laufend mit internationalen Auszeichnungen für seine Rotweine bedacht wird, zuletzt vom amerikanischen „Wine Spectator“ für seine 2006er Zweigelt-Cuvée Gradental, und mit dem Blauen Portugieser 100 ­CASES, der 28 Monate im ­großen ­Eichenfass lag, hat er auch für Furore gesorgt, weil man der eher weniger gut ­beleumundeten Rebsorte so eine Geschmackskraft nicht zugetraut hätte.

Das Weingut Fischer hat auch einen wunderbaren Garten mit vielen schattigen Obstbäumen, ein kuscheliges Heurigenlokal und feines ­Essen, um das sich Christian Fischers Frau Veronika kümmert. Fünfmal im Jahr hat der Fischer ausgesteckt, und darauf warten alle Fischer-Fans und Heurigen-Auskenner immer schon sehnlichst. Dass es jeden Freitag Fischsuppe, gebratenen Saibling und Karpfen gibt, ist wahrscheinlich ein Zufall. Und auch eine Bestätigung.

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