ÖBB Sicherheit
Sicherheit geht vor.
 

Sicherheit geht vor

ÖBB-Bahnsteige sind sicherer als jene der Wiener Linien, weil auf ÖBB-Bahnhöfen darf man auch mit Stativ fotografieren.

30.08.2011 Autorevue Magazin

Ich arbeite gerade an einem mehrbändigen Zyklus zum Thema „Leben ohne Auto“, und dafür mach ich auch die Fotos selbst. Eines vorab: Ein Leben ohne Auto ist sehr hart. Um unsere öffentlichen Verkehrsmittel ins rechte Licht zu rücken, habe ich deshalb um eine Fotografiergenehmigung für den Bahnhof Praterstern angesucht, die mir sowohl von den ÖBB als auch von den Wiener Linien prompt erteilt wurde. Sehr entgegenkommend und professionell agierten die Österreichischen Bundesbahnen. Mit den Wiener Linien war’s nicht ganz so einfach.

Dort sieht man nämlich in der Verwendung eines Stativs ein Sicherheitsrisiko, denn man untersagte dies aus „Sicherheitsgründen“. Man kann gerade mit der heutigen Digitaltechnik natürlich auch ohne Stativ gute Bilder in der finsteren U-Bahn machen, aber es geht offenbar um etwas anderes: Es geht um das wienerische Phänomen, das man mit „wo kommen wir da hin, da könnt ja jeder kommen“ beschreiben könnte. Es geht darum, eine Art von diffuser Macht auszuüben, um mutwillige Bevormundung. Erinnert sehr an eine Art Gemeindebau-Hausmeister-Kommunismus.

Da muss man schon sagen, dass die ÖBB einer geradezu aufgeklärten Logik folgen, dort traut man mir nach über 30 Jahren Journalismus offenbar zu, die Risiken, die von einem Fotostativ ausgehen, selbst abzuschätzen. Ein Formular, wonach ich ohnehin selber haftbar bin für alles, was aus meinem Handeln heraus passiert, muss ich dort ja ohnehin unterschreiben.

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  • Es geht um dieses ewige ja, aber. Kann man nicht ja oder von mir aus auch nein sagen? Muss man unbedingt zu einer Genehmigung auch gleich ein Verbot aussprechen? Und natürlich: Sicherheit geht immer vor. Mit Sicherheit lässt sich auch immer alles begründen.

  • Kujau

    Wahrscheinlich ist die Autorevue der natürliche Feind der Wiener Linien. Und umgekehrt. Wahrscheinlich würde die Autorevue dem Hr. Gries das fotografieren mit Stativ in ihrer Garage auch aus Sicherheitsgründen untersagen.

  • Der Schwedenkönig

    Cool gekontert, Wr. Linien, sehr professionell.

  • Lieber Rudolf Skarics,
    "verblüfft" beschreibt unseren Eindruck dieser Geschichte ganz gut. Tatsächlich haben Sie am 16. August angefragt, ob Fotos in einer U-Bahn-Station möglich wären. Eine gute Stunde später hatten Sie eine Genehmigung (inkl. Hinweis auf das Stativverbot) in ihrem Mail-Postfach – auf die nur ein "Herzlichen Dank!" zurückkam.

    Stative sind tatsächlich grundsätzlich nicht erlaubt: auf engem, unterirdischen Raum sind sie Stolperfallen. Wenn Sie uns darauf hingewiesen hätten, dass die Verwendung eines Statives für Ihr Projekt unabdingbar ist, hätten wir gemeinsam wahrscheinlich eine Lösung finden können oder auch erläutern können, was die Gründe für das Stativverbot sind. Ein E-Mail oder ein Anruf schafft vielleicht auch Dinge aus der Welt – dann braucht man auch nicht mehr in Kommunismus! Hausmeister! Gemeindebau! Bevormundung!-Rufe zu verfallen.

    Im Übrigen haben Sie natürlich Recht: die Wiener Linien haben sich dem Motto "Sicherheit geht vor" voll und ganz verschrieben. Wir tragen schließlich auch die Verantwortung dafür, dass die über jährlich 500 Millionen U-Bahn-Nutzer unfallfrei und wohlbehalten an ihr Ziel kommen.

    Herzliche Grüße,
    Dominik Gries, Wiener Linien

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