Grenzerfahrung

In den Collio, wo die Küche des alten Österreich auf die Raffinesse des heutigen Italien trifft.

03.11.2010 Autorevue Magazin

Es gibt kaum eine Gegend, in der man sich besser verirren kann als im Collio. Der hüge­lige Landstrich östlich von Udine scheint nach keiner Windrichtung ausgerichtet. Eine weite Ebene geht in zuerst unspektakuläres, dann immer steileres Hügelland über, die Täler wirken kreuz und quer in die Landschaft gefräst. Fährst du zweimal um ein Eck, hast du keine Ahnung mehr, wo du dich befindest, und das auch noch nach zehn Jahren der regelmäßigen Besuche. Doch solange du irgendwo zwischen Cividale und ­Cormons rumkurvst, kannst du nicht falsch sein. Cabrioland der reinsten Sorte. Denn auch zum Essen und Trinken gibt es hier genug.

Eine Regel, die früher für annähernd ganz Italien galt, ist hier immer noch weitgehend intakt: Du kriegst fast überall etwas Gutes zu essen, das ­Attribut „vergleichsweise preisgünstig“ kann man mittler­weile zwar streichen, aber die Speisen sind noch immer schwer in Ordnung. Interessant sind die vorzüglichen Weißweine, die dem österreichischen Gaumen sehr entgegenkommen, etwa der weithin bekannte Pinot Grigio, aber auch ganz typische Sorten für die Region wie der Ribolla.

Hier, hart an der Grenze zu Slowenien, wo die Ortstafeln selbstverständlich zweisprachig sind, wo im Grunde drei Sprachen gesprochen werden, neben dem Italienischen und Slowenischen das Friulanische oder auch Friulano oder ­Furlan genannt, das wiederum eine altromanische Sprache ist ähnlich wie das Ladinische, ist auch das Essen so vielfältig. Hat doch die Gegend einmal zu „unserer“ Monarchie gehört.

Die beste Variante war also, unseren burgenlandkroatischsprechenden Freund das Gespräch mit dem slowenischen Kellner suchen zu lassen, das sollte alleweil besser klappen, als wenn wir unser Speise­karten-Italienisch auspackten. Tatsächlich, so empfahl man uns Ljubljanska, ein exzellentes Cordon bleu mit herrlichem Schinken und himmlischem Käse, ein Laibacher-Schnitzel, wie man also sagen könnte.

Übrigens: Das Meer ist von hier nicht einmal eine Autostunde entfernt, Grado, Triest undsoweiter, oder man verkriecht sich bei Hitze im kühlen Wald von Castelmonte, das hoch über den Weinbergen thront.

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