tagebuch rudolf skarics sarajevo
Altstadt Sarajevo
 

Aus dem Tagebuch eines Redakteurs: Sarajevo

Rudolf Skarics fuhr auf historischen Spuren nach Sarajevo und entdeckte ein noch immer vom Krieg verwundetes Land und eine höchst lebendige Stadt Sarajevo.

18.06.2014 Autorevue Magazin

18. Mai. Ich bin ein nervöser, nachgerade ängstlicher Reisender. Ich träume immer wieder alb von Flugzeugen, die ich versäume, oder besser, von denen ich zurückgelassen werde. Ich fürchte mich ein bisschen vor armen, aber kräftigen ­Jugendlichen, die unaufgefordert an der Kreuzung meine Windschutzscheibe waschen. Und trotzdem fliege oder fahre ich immer wieder in fremde Länder, und das ganz alleine, damit mich niemand von meinen Ängsten ablenken kann. So wähle ich also Bosnien als Ziel, das aus österreichischer Sicht und Vorsicht vor lauter Gefahren hart an der Kippe zur Reisewarnung steht.

19. Mai. Ich fahre los, obwohl gerade eine Hochwasser-­Katastrophe wirklich dramatischen Ausmaßes im Gang ist, die gottseidank, wie sich herausstellt, nicht ganz Bosnien in vollem Ausmaß betrifft und mich nur dahingehend, als ich durch mehrere gut organisierte Umleitungen das Land näher kennenlerne. Spenden am besten an SOS-Kinderdorf, Rotes Kreuz, Diakonie und Caritas. Die brauchen das wirklich!

20. Mai. Sarajevo ist eine höchst lebendige Stadt mit wunderbaren Menschen mit unterschiedlichsten Wurzeln, Schicksalen und Träumen. Alle, also praktisch alle, wollen hauptsächlich eines: ihren Frieden und ein bisschen Gestaltungsfreiraum für ihr persönliches Schicksal. Dass das Franz-Ferdinand-Museum im 100. Gedenkjahr des Attentats gerade eingerüstet ist, ist eigentlich egal, wenn diese Situation dazu beiträgt, dass nicht wieder von einem ferngesteuerten Idioten aus nationalistischem oder rassistischem Motiv ein Bombe geworfen wird.

6. Juni. Ich kann es nur empfehlen: Machen Sie Ihren nächsten Urlaub im Staate Bosnien und Herzegowina. Es gibt viele gute Hotels, gute Straßen, viel schönes Wetter, weit verbreitet erstklassiges Essen und weniger grantige Leute als bei uns. Sie werden viel nachdenken dort, es wird Ihnen trotzdem gut gehen dabei und das Ganze auch noch relativ preisgünstig.

Hinweis: Feature in Autorevue 7/2014: Auf den Spuren von Franz Ferdinand.

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