Roboter fährt per Anhalter durch Kanada

hitchBOT soll selbstständig von der Ost- an die Westküste trampen.

31.07.2014 Online Redaktion

Seit 27. Juli ist der erste tampende Roboter durch Kanada unterwegs. hitchBOT besteht aus Schwimmnudeln, Handschuhen und Gummistiefeln und klingt wie ein Navigationsgerät. Seine Reise soll hitchBOT im Sommer durch ganz Kanada führen – er startete in Halifax, Nova Scotia im Osten des Landes, und soll es mit der Hilfe roboterfreundlicher Autofahrer bis nach Victoria, British Columbia im Westen, schaffen. Rund 7.000 Kilometer soll der Anhalte-Roboter dabei zurücklegen.

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Social Media-Affiner Tramping-Roboter

Bei einer solchen Reise würde nicht nur Mensch so einiges erleben, auch einen Roboter lässt dieses Abenteuer nicht kalt. Deshalb twittert hitchBOT über seine Erlebnisse und hält Fans und Freunde zudem auf seiner eigenen Homepage am Laufenden. Auf Instagram kann man die Reise des Tramper-Roboters in Bildern verfolgen. Bisher hat hitchBOT bereits über 500 Kilometer per Anhalter zurückgelegt und scheint er nur Erfreuliches erlebt zu haben – da hitchBOT aber weder selbst gehen noch sich wehren kann, ist es aber durchaus möglich, dass er einem Roboterhasser vor die Räder kommt, irgendwo ausgesetzt wird oder auf andere Art und Weise von der Bildfläche verschwindet. Diese Gefahren wurde aber von den Entwicklern mit einkalkuliert.

Projekt zur Erforschung der Interaktion zwischen Mensch und Roboter

Entwickelt wurde hitchBOT von der deutschen Kommunikationsprofessorin Frauke Zeller von der Ryerson Universität in Toronto und ihrem Kollegen David Smith von der McMaster Universität, unterstützt von einem interdisziplinären Team von Wissenschaftlern und Studenten. „Dieses Projekt soll Diskussionen über das Per-Anhalter-Fahren anregen und warum das fast niemand mehr macht“, so Zeller. „Außerdem geht es natürlich um die Interaktion zwischen Mensch und Roboter.“

Gesprächiger Anhalter

Und hitchBOT ist sehr interaktionsfreudig. Er verfügt über Spacherkennung und soll dank einer Schnittstelle zu Wikipedia in der Lage sein, ein halbwegs normales Gespräch zu führen. Bevor er anfängt einen zuzutexten, fragt er aber höflich nach, ob man sich gerade unterhalten möchte. Wenn er mit den auf ihn einprasselnden Fragen von neugierigen Autofahrern oder Passanten überfordert ist, sagt er einfach gar nichts mehr. Auch der von einem LED-Display umgebene „Kopf“ lächelt stets freundlich.

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Pflegeleichte Roboter-Familie

hitchBOT hat auch einen weniger abenteuerlustigen, dafür aber kunst-interessierten Bruder: kulturBOT treibt sich als ewiger Tourist in Museen und Kunstgallerien herum. Im Gegensatz zu kulturBOT ist hitchBOT aber dafür designt, aufgehoben und mitgenommen zu werden: Wer ian ihm vorbeikommt, braucht ihn einfach aufzuheben und ins Auto zu setzen. Am Rücken trägt hitchBOT eine Betriebsanleitung. Betrieben wird hitchBOT per Solarzellen. Sollte ihm trotzdem einmal der Strom ausgehen, kann man ihn einfach an den Zigarettenanzünder oder eine Steckdose anschließen. hitchBOT ist zwar wasserfest, sollte bei Regen aber trotzdem untergestellt werden.

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