Das Hotel Reiters von außen
Das Hotel für Groß und Klein
 

Nixen auf Wolke 7

Wir fahren fort: Ins Paradies, wo das Wasser warm, die Rutschen schnell und fast alle Pferde weiß sind, und Mama endlich drei Tage durchschlafen kann.

23.05.2014 Autorevue Magazin

 

Erinnert sich noch jemand? Anna ist mein Name. Das letzte Mal hatte ich hier vor vier Jahren das Wort. Vier Jahre! So lange habe ich mir den Mund fusselig reden müssen, bis Mama endlich mürb war. Jetzt sind wir wieder in einem Kinderhotel, diesmal in Bad Tatzmannsdorf. Reiter heißt es. Da hab ich natürlich gleich an Pferde denken müssen. Eigentlich denke ich immer nur an Pferde. Buben halte ich für die doofsten Geschöpfe der Welt, außer Wickie vielleicht, der ist cool. Richtig, ich bin jetzt achteinhalb, gehe in die dritte Klasse und habe vorne Zähne, die ich wachstumsmäßig in ihrer Größe erst einholen muss.

Schreien und springen

Meine Freundin Sara und ich haben gleich die Lage gecheckt: Es gibt eine Kinder­badelandschaft mit Rutsche und Kletterwand, wo man schreien und springen und spritzen und sich voll aufführen darf, einen Indoor-Spielplatz, eine Riesentrampolin-Anlage draußen und einen Luxus-Reitstall mit Lipizzanern und Mini-Pferden, die grad zwei Fohlen in der Größe von Schäferhunden haben.

Die Runzelmonster

Wir begleiten Mama in unsere Suite, richten ihr auf der Terrasse die Sonnenliege her, holen ihr ein Glas Wein, Buch und Brille, und – sind dann mal weg! Zuerst: schwimmen. Genauer: tauchen, springen, klettern, rutschen. Nach zwei Stunden sehen wir aus wie Runzelmonster, sind heiser und haben argen Hunger. Wir gehen Mama aufwecken, sie muss sich etwas Schönes anziehen (wie wir) und sich schminken (wie wir) und mit uns Essen gehen. Im Restaurant sitzen wir hinten im besonders schönen Teil, wo der Kellner Mama Wein bringt und ein Tatar vom Marlin auf Pumpernickel und ein Kotelett vom Stubenküken mit Muskatkürbis und noch mehr Wein. Wir bedienen uns am Büffet. Es gibt Hamburger zum Selberbasteln, Kartoffelkroketten mit Gesicht und zum Nachtisch drei Schoko-Donuts für jeden.

Als am Nachbartisch eines von drei schnuckeligen Babies einen Tobsuchtsanfall kriegt, sagt Mama, dass sie unendlich müde ist und ob es uns etwas ausmacht, wenn sie jetzt schlafen geht. Kein Problem.

Der Schimmel Nemo

Am nächsten Tag geht Mama in der Früh zum Yoga und wir zum Reiten. Mein Schimmel heißt Nemo, Saras Brauner Brenda. Dann wollen auch alle anderen Pferde begrüßt und die Minipferde gestriegelt und die Weiden mit den Wuschelrindern und Eseln begutachtet werden.

Fliegender Fux

Als wir ins Zimmer kommen, schläft Mama. Wir suchen ihren Bikini raus, helfen ihr in den Bademantel und tragen ihr das Buch an den Pool. Von der Sonnenliege aus schaut sie seufzend zum benachbarten Supreme-Hotel hinüber. Dort dürfen nur Erwachsene über 16 wohnen. Bald, sagt Mama leise, nimmt einen Schluck Wein und schließt die Augen. Dann folgen wieder zwei, drei Stunden Badespaß, danach eine Stunde intensives Hüpftraining am Trampolin und zwei Dutzend wilde Fahrten auf dem Flying Fox (Erwachsene müssen das jetzt googeln). Und wieder: Mama aufwecken, anziehen und schminken schicken. Zum Abendessen gibt’s diesmal Spaghetti und Eis (5 Kugeln). Mama kriegt Lardo auf mariniertem Pflücksalat, gebratenen Wolfsbarsch und ein paar Gläser Sauvignon Blanc. Dann darf sie schlafen gehen.

Fünf Smilies

Tag 3 wollt ihr auch noch hören? Mama: Aromaöl-Massage, Vormittagsschläfchen, Salat, Butterbrot, Weißburgunder, Nachmittagsschlaf. Wir: Pommes Frites, Himbeerkuchen, Eis, Karussellfahren, Schwimmen und noch jede Menge Pferdepflege. Kurz vor dem Heimfahren fange ich mit dem Weinen an, damit es nicht wieder vier Jahre dauert. Mama lächelt. Jetzt weiß ich, warum dieses Hotel fünf Smilies hat.

Mehr zum Thema
pixel