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Bei ihrer Präsentation 2011 waren alle Ohren auf Siri gerichtet. Nun wollen ihre eigenen Entwickler Siri & Co den Rang ablaufen.
 

„Globales Gehirn“ kauft Wein zur Lasagne: „Radikal neue“ künstliche Intelligenz

„Wo krieg ich Wein der zur Lasagne meines Bruders passt?“ Wo Siri, Cortana und Co scheitern, soll die neue Super-KI Viv erst ansetzen.

16.08.2014 Online Redaktion

Die künstliche Intelligenz ist einer der Bereiche, in denen sich die großen IT-Konzerne gegenseitig zu übertrumpfen suchen. In einem Windows Phone-Werbespot battlete sich unlängst Microsofts Cortana mit Apples Siri, Google Now hilft seit einigen Wochen einer jungen Frau im Fernsehen beim Kuchenbacken. Eine wirkliche Revolution im Bereich der KI könnte allerdings von einem bis dato noch unbekannten kalifornischen Unternehmen namens „Viv Labs“ kommen, wie Wired berichtet.

Viv soll sich selbst neu programmieren können

Das Credo der „Viv Labs“: Siri, Cortana & Co sind nur der Anfang einer unendlichen Geschichte. So ist beispielsweise Siri auf das Ausführen von Befehlen, die Apple-Programmierer explizit implementiert haben, beschränkt. Sie kann keine vergleichsweise simplen Befehle ausführen, wie etwa einen Tisch in einem Restaurant am laut Terminkalender nächsten freien Abend zu reservieren. Siri kann zwar den Kalender betreffende Befehle ausführen und Tischreservierungen via OpenTable vornehmen – eine eigenständige Verknüpfung dieser beiden Aufgaben übersteigt aber (noch) ihren Horizont. Viv hingegen soll in der Lage sein, den persönlichen Präferenzen des jeweiligen Users entsprechend zu lernen und sich quasi laufend selbst neu zu programmieren, was unzählige neue Nutzungsmöglichkeiten erschließen würde.

Ehemalige Siri-Entwickler wollen Viv zum Erfolg führen

„Siri ist ein Kapitel in einer viel längeren, größeren Geschichte“, sagt Dag Kittlaus, einer der Gründer der „Viv Labs“. Und er muss es wissen – immerhin arbeitete er, bevor er sich einer „eigenen“ künstlichen Intelligenz widmete, bei der Entwicklung von Siri mit. Die „Viv Labs“ Mitbegründer Adam Cheyer und Chris Brigham haben diese Station übrigens ebenfall in ihrem Lebenslauf verzeichnet. Seit zwei Jahren arbeitet das Team bereits an der Entwicklung ihres neuen Produktes, dass die künstliche Intelligenz auf eine neue Ebene heben soll.

„Globales Gehirn“

So werde Viv nicht nur in Smartphones oder Tablets zum Einsatz kommen, sondern – in einer nicht näher definierten Zukunft – zum Teil eines jederzeit ansprechbaren „globalen Gehirns“ werden, das die Grundlage für Millionen verschiedener Apps und Geräte bilden soll. „Wäre es nicht toll, wenn Sie mit allem, jedem Ding, sprechen könnten, und es würde Sie kennen und alles über Sie wissen – und es könnte alles für Sie tun?“, ist auch Kittlaus euphorisch.

Auch Siris „Vater“ glaubt an Viv

Auch Gary Morgenthaler zeigt sich vorsichtig optimistisch. „Viv ist potentiell sehr groß, aber noch eben nur potentiell“, so Siris „Ur-Vater“. Eine große Herausforderung werde es, tausende Komponenten von Drittherstellern zu kompatibilisieren. Generell sei er aber sehr zuversichtlich, dass Viv auch diese Herausforderung werde meistern können; „ich habe nur Zweifel, wann und wie das passieren wird.“

Kauf Wein der zur Lasagne meines Bruders passt

Von den hochtrabenden Visionen ihrer Entwickler ist Viv freilich noch weit entfernt. Der Konsens unter den Experten ist aber: Das Projekt ist ein vielversprechendes. Wie Viv selbst komplexe Anfragen im Bruchteil einer Sekunden verarbeiten können soll, zeigt eine Grafik anhand des Beispiels „Auf dem Weg zum Haus meines Bruders muss ich noch eine Flasche billigen Wein, der gut zu Lasagne passt, besorgen.“ Eine KI, die solche Fragen zufriedenstellend beantworten kann, wäre in jedem Fall nützlich.

© Bild: wired.com

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