Schwein gehabt

Wir fahren fort – auf den Spuren der K&K-Monarchie: in den Collio, also in die friulanischen Weinhügel an der Grenze zu Slowenien.

31.03.2011 Autorevue Magazin

Die Klischees sind uralt und allgegenwärtig: Nach Jesolo fährt man als Hausmeister, nach Grado als Hausbesitzer, nach Duino fährt man auf einen Kaffee mit Sonnenuntergang und nach Udine zum Shopping. Je weiter im Süden ­Österreichs man wohnt, umso öfter. Dabei gibt es auch noch andere Möglichkeiten, ein verlängertes Wochenende anständig zu überstehen. Man verlasse die Autobahn bereits bei Udine Süd in Richtung Gorizia und strebe dem hübschen Städtchen Cividale zu.

Die Region gehört zu ­Friaul im Allgemeinen und zum Collio (dt. Hügelland) im Besonderen. Unsereins erscheint das dortige Klima mild und südlich, für italienische Verhältnisse ist es geradezu rau (im Winter muss man heizen). Die Weine sind jedenfalls typisch für nicht überhitzte Regionen. Es gibt hervorragende trockene Weiße, neben Chardonnay und ­Sauvignon noch die typischen Weine der Gegend wie Ribolla oder Tokai Friulino, der mit dem ungarischen Tokajer genau nichts gemeinsam hat.

Und dann das Essen: ­Höhepunkte der italienischen Antipasti-Tradition werden verzahnt mit deftigen Hauptgerichten, deren Ursprünge in die K&K-Monarchie zurückreichen. Auch wenn es vermutlich dort niemand so gern sehen würde: Das Schwein könnte als Wappentier der ­Region dienen. Obwohl man schon in der nächstbesten Trattoria mitunter sehr gut und frittierfettfrei isst, sei doch ein Tipp im kleinen Ort ­Prepotto hervorgehoben, in vollem Namen: Trattoria da ­Mario – Enoteca dello Schiop­pettino. Wenn Mario, der in Wirklichkeit Marco heißt, „Schweinbraten“ sagt, meint er ein bisschen was anderes als wir. Während er seinen Gästen mit großzügigsten Gesten den Mund wässrig macht, brät ­seine Frau Gioia nämlich die ­Ripperln im Rohr, und da ­entsteht ein ganz feines Safterl. Übrigens: Marco hat jetzt auch eine Speisekarte, aber er kann sich nicht daran gewöhnen.

Er serviert nach wie vor, was er will. Und das ist gut so.

Mehr zum Thema
pixel