Allerlei Berge

Wir fahren fort: An eine Kante vor dem ­Tullnerfeld, an deren Fuß ein ungekünstelter Heuriger wartet (leider viel zu selten im Jahr).

03.03.2011 Autorevue Magazin

Der kürzeste Weg aus Wien raus ist die ­Gerade, zum Beispiel schnurstracks nach Westen. Man gewinnt durch Gablitz hindurch beharrlich Höhenmeter, bis man die Riederberghöhe erreicht.

Hier ergießt sich die ­Straße in eine tiefere Ebene, man kann Tulln gewinnen (von dem viele von uns nur das Messegelände mit der Tullner Oldtimermesse drin kennen) und draufkommen, dass die Stadt noch mehr Sehenswertes in der Hinterhand hält, und mancher findet ­frohe Freizeitgestaltung darin, die Riederbergstraße rauf und runter zu wedeln, gerne auch mit dem Fahrrad, womit man sich die anschließende Pause noch wirklicher verdient hat.

Wer also hungrig wird, biegt am Fuß des Riederbergs ab nach Ollern, wo dreimal im Jahr die Familie Frumen am Rand des Hauptplatzes ihren Bauernheurigen öffnet, und treue Autorevue-Leser kennen den Innenhof mit seinen Arkaden: Dort standen die Oldtimer der Redakteure für ein Gruppenfoto (AR 1/98). Jetzt stehen dort Bänke und Tische mit Speisen und Getränken, sichtlich mit Liebe zubereitet, ausschließlich mit Produkten aus der Gegend, die gerade pflückreif sind, und zu Preisen, die Studenten gerne lesen. Alles sehr ungekünstelt und herzlich, zum Essen dazu gibt’s eine Vielzahl an Weinen oder hausgemachten Säften, und weil nur auf den Tisch kommt, was gerade wächst, gibt’s die bunteste, knackigste Speise nur zum August-Ausstecktermin: den Großen g’sunden Teller, eine Riesenportion Gemüse, an der man ungefähr drei Stunden isst. (Keine Angst, Rinder und Schweine wachsen immer.)

Wem dieser Tipp zu gesund war, der wählt als Nachspeise den hausgemachten Punschberg. Er ist zwar deutlich niedriger als der Riederberg, aber ähnlich schwer, und in ihm stecken vermutlich drei Millionen Kalorien. Wahrscheinlich beherrscht Frau Frumen die Kunst, beim Backen lediglich die Atomkerne übrig zu lassen und die fluffigen Elektronenhüllen wegzubacken, ­jedenfalls ist der Punschberg eine wunderbare Verdichtung auf die ­Essenz des Naschens. Hier muss Freund Michael Z. ­erwähnt werden, der in die Annalen dieses Heurigen als der erste Gast eingegangen
ist, der hintereinander zwei Punschberge verdrückt und dann aus eigener Kraft das Lokal verlassen hat.

Für Kinder gibt’s übrigens einen Spielplatz, für alle gibt’s quasi immer kleine Katzen zum Streicheln – die dort ­lebenden Hauskatzen sind eifrig bei der Vermehrung, was dem molligen Single-­Hasen in seinem Stall naturgemäß nicht gelingt.

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  • Norbert

    Weil man beim Frumen auf einen „Superkornspitz“, der schlecht aufgebacken und innen zäh war und auch nicht „super“ geschmeckt hat, eine dreiviertel Stunde warten muss (… was einem bei großem Hunger noch länger vorkommt!), gehe ich in Zukunft lieber zu irgendeinem anderen Heurigen. Da hilft es auch nichts, dass die Süßspeisen dort tatsächlich sehr gut sind.

    • Oh je, das tut uns leid. Da war das Heurigen-Team wohl schlecht in Form.

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