Pommesgabeln und Bier, drei lange Tage lang.
Pommesgabeln und Bier, drei lange Tage lang.
 

Musikmarathon für Hartgesottene – Nova Rock 2013

Schunkeln, Shaken, Schlange Stehen: Das Nova Rock 2013 hat seine Pforten geöffnet. 150.000 Besucher werden erwartet.

14.06.2013 Online Redaktion

Bei geschäftsförderndem Wetter, nämlich dem, das Lust auf Spaß im Freien macht, startete heute, Freitag, das Nova Rock. Schlammgeschädigten, die 2006 bei Motörhead in den Pannonia Fields versunken sind, bietet sich dieses Wochenende somit die Gelegenheit, ihr Trauma bei Sonnenschein und viel vielseitiger Musik zu überwinden. Seit Nachmittag bemühen sich Bands auf drei verschiedenen Bühnen um die Gunst des Publikums: Die richtige Party wird aber wohl erst später steigen. Die australischen Hardrocker Airbourne wärmen ab 21 Uhr 25 die Blue Stage für den Hauptact des Abends an, ab 23 Uhr 25 weisen Rammstein die schwankende Menge dann mit deutscher Korrektheit in ihre Schranken. Wer dazwischen noch Bock auf fetzig-emotionales Schunkeln hat, schaut am besten auf der Red Stage bei den amerikanischen Alternativrockern von Thirty Seconds To Mars vorbei. Und diejenigen, denen das alles sowieso viel zu Mainstream ist, werden auf der Red Bull Stage mit Rockabilly aus Wien von Kitty In A Casket und Metal aus Oberösterreich von Marrok versorgt. Dort ist allerdings bereits um 21 Uhr Schluss, und es bleibt keine Wahl, als entweder schlafen zu gehen oder sich doch ins lautstarke Getümmel nebenan zu werfen.

Wenn man es am Samstag schafft, sich bereits um 15 Uhr 55 aus dem komatös beschlafenen Zelt zu schälen, winkt zur Belohnung eine 50-minütigeBeschallung durch die englischen Schwermetaller von Cradle of Filth auf einer – hoffentlich – sonnenbefluteten Blue Stage. Könnte witzig werden. Dani, der Frontman der Wiege des Drecks, kann übrigens nicht nur schön im Takt fauchen und lustige Kontaktlinsen tragen, sondern auch echt (echt!) grausliche Filme machen. Genrefreunde (aber nur die!) sollten sich mal mit dem Episoden-Splatter Cradle of Fear, in der Dani auch eine tolle Rolle übernimmt, auseinandersetzen. Würde man den nachmittags auf einem sonnigen Feld im Burgenland zeigen, ginge aber wohl auch ein wenig von der intendierten Wirkung verloren.

Wenn man auf den finstren Geschmack gekommen ist, der sich auch mit Bier nicht wegspülen lässt, kann man gleich vor der Blue Stage bleiben: Dort unterhalten in weiterer Folge unter anderem Dragonforce (der Name sagt eigentlich schon alles über die Bresche, in die die Engländer mit ihrem musikalischen Schwert schlagen), sowie die norwegische „Melodic Death Metal“-Band Amon Amarth.

Um einen vorläufigen Schlusstrich unter diese Art von Spektakel zu ziehen, laden ab 21 Uhr 30 HIM zur kuschelweichen Audienz. Die Finnen bezeichnen ihre Musik selbst als Love Metal, aber Soft-Gothic oder Cosy-Rock täte es wohl auch. Pluspunkt: Sänger Ville Valo hat einmal in irgendeiner Fernsehshow versucht, 20 Zigaretten auf einmal zu rauchen – vielleicht also zumindest ein Grund, vorbeizuschauen.

Es ist 23 Uhr 25, immer noch Blue Stage: Kiss spielen auf! Wem dazu nur „I was made for loving you“ einfällt, sollte das nach eineinhalb Tagen Festival aufkeimende Schlafbedürfnis unterdrücken und sich das Kätzchen, das Sternenkind, den Dämon und den Weltraum-Mann unbedingt anschauen, und alle anderen auch. Wenn die Show ähnlich visuell anspruchsvoll wird wie jene 2008 in der Wiener Stadthalle, haben dabei nicht nur die Ohren, sondern auch die Augen was zu tun.

Zurückspulen zu Samstagnachmittag: Am Scheideweg zwischen den Bühnen kann man auch die rote Richtung einschlagen. Da ja fast alle Gitarren im Umkreis von mehreren hundert Kilometern auf der Blue Stage gebraucht werden, geht es hier etwas poppiger zu: Beispielweise mit  Chris Corner und IAMX um 17 Uhr, Bauchklang gleich danach, den Stereophonics um 18 Uhr 30 und dem deutschen Reggae-Chartaufmischer Gentleman um 21 Uhr 25. Wer danach eigentlich nur mehr ruhig und friedlich lächelnd herumstehen möchte, sollte sich schnellstens in Sicherheit bringen: Die deutsche Gassenhauer-Maschinerie Deichkind verwandelt  das Publikum ab 23 Uhr 5 in eine homogene, herumwabernde Masse, die alles Unbewegliche zu vernichten droht.

Und es ist noch nicht vorbei: Als Absacker kommt um 1 Uhr Hans Söllner mit seiner Begleitband Bayadam Sissdem.

Wenn dann endlich Sonntag ist, gibt’s immer noch keine Ruhe. Die Gitarren wurden wieder eingesammelt und gleichmäßig zwischen der Blauen, der Roten und der Red Bull-Stage aufgeteilt. Erstere wartet mit sanftem Trainingswesterlrock von zum Beispiel den Sportfreunden Stiller (Stillers? Stillern??) und den Kings of Leon auf. Auf Zweiterer gibt’s eine Zeitreise in die Neunziger mit den Nu-Metallern von Korn und Papa Roach, gespickt mit Heavy Metal(core) von Bullet For My Valentine und Volbeat sowie den Emil Bulls auf Dritterer.

Wem das zu viel Information in zu kurzer Zeit war, kann das Line Up hier in Ruhe nachlesen.

Die Autorevue wird übrigens live vom Nova Rock berichten bzw. tut das bereits.

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