Verhackert-Törtchen
Verhackert-Törtchen mit einer ersten köstlichen Essenz-Saucen-Kostprobe
 

Kriemhild hatte Schwein

Wir fahren fort: Diesmal ins Mündungsgebiet der Traisen, um in einem sehr alten Städtchen scheinbar Wohlbekanntes in neuer Form kennenzulernen.

13.05.2013 Autorevue Magazin

Weil wir gerade unter uns sind: Die Jungschwan-Generation ist manchmal richtig anstrengend. Wenn man als Brötchenverdiener nach einer Woche mit Dienstreisen, Interview-Kanon und 5-Gänge-Dinners endlich einmal einen gemütlichen Zeitungslese-Sonntag auf dem Sofa verbringen möchte, mault der Nachwuchs anklagend über seine mangelhaft artgerechte Haltung. Aller Lesestoff sei verschlungen, die Kinderzeitung ausgelesen und im Fernsehen laufe nach der geliebten Sendung mit der Maus jetzt nur mehr Kinderkram. Fad, Mama!

Karte Nibelungenhof, Traismauer

Kennst du das Nibelungenlied?

Wenn das so ist: Kennst du eigentlich das Nibelungenlied, mein unterhaltungshungriger Jungspund? Nein? Dann sollst du’s kennenlernen. Eine Rittergeschichte, 2400 Strophen lang, voll Liebe und Leid, Eifersucht und Hinterhalt, Rache und Blutwurst. Und zieh dich warm an, kleine Maid, wir fahren auf Bildungsreise an die Donau nach Traismauer, wo die schöne burgundische Prinzessin Kriemhild einst Station machte, als sie mit großem Gefolge auf dem Weg zu ihrem zweiten Ehemann, dem Hunnenkönig Etzel, war.

Traismauer wurde im Nibelungenlied gar namentlich erwähnt, was der Gemeinde an der Donaumündung der Traisen einen Platz in der niederösterreichischen Hall-of-Fame der Must-See-Orte beschert hat. Eine Abschrift der Zeilen auf dem alten trutzigen Römer Tor legt vom frühen touristischen Glücksfall Zeugnis ab. Auch andernorts wird auf die berühmte Patenschaft Bezug genommen. Im Nibelungenhof etwa, keine zehn Schritte vom Römer Tor entfernt. Gottseidank, ein Gasthaus, sagt der Jungschwan, was eher selten ist.

Nibelungenhof

Den Gasthof Zur Weintraube, wie der Nibelungenhof auch heißt, gibt es seit ewig. Jedenfalls meiner Erinnerung nach. Man sieht das dem Haus auch an, innen wie außen. Schank und Restaurant sind mit simplen und witzigen Mitteln gestalterisch verfeinert worden, ohne den verlebten Siebzigerjahre-Grundton vollständig zu übertünchen. Und was die Hauptsache ist: Gekocht wird hier, dass man beim Essen durchaus die Ohren anlegt, weil das, was Rainer Melichar in der Küche zubereitet und seine Frau Elisabeth kundig serviert, recht aufsehenerregend ist. Vor allem wegen der spannenden Saucen, die Melichar aus entsaftetem Obst und Gemüse kreiert. Weil die Vegetation ein ziemlicher Spätstarter ist, haben wir erst einmal bei einer wärmenden cremigen Fischsuppe zugelangt und dann ein stärkendes Verhackert-Törtchen mit einer ersten köstlichen Essenz-Saucen-Kostprobe zu uns genommen, das Frau Melichar als besondere Traisentaler Spezialität empfohlen hat. Man darf sich da eine dünne Teighülle vorstellen, die mit ganz magerem, kleingeschnittenem Schweinefleisch gefüllt ist und gleichermaßen köstlich wie sättigend ist. Trotzdem war auch noch ein Nachtisch zu bewältigen, eine Böhmische Germtarte mit einem himmlischen Powidl-Karamel-Saucen-Duo, und wettstreitmäßig sah sich auch der Jungschwan aufgerufen, nach einer mächtigen Portion Nudeln noch zwei Schokolade-Palatschinken zu verdrücken.

Schwein gehabt

Auf der Heimfahrt über die unterhaltsam kurvige Barockstraße, die uns erst ein Stück östlich nach Sitzenberg brachte und dann weiter über Ossarn und Wasserburg zurück zur S33, war noch einmal von Kriemhild die Rede. Wie das heute mit den Kriemhilden auf dieser Welt wäre, und das mit den Siegfrieds und den Hunnen, hat der Jungschwan gefragt. Die gibt’s nicht mehr, gab ich zur Antwort, und wenn doch, dann hätten sie auf jeden Fall Schwein gehabt. Wie wir. Zu Mittag. Und überhaupt.

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