Nicht nur der Name, sondern auch der Style ist bei Neil Merryweather und seinen Space Rangers Programm.
 

Musikalische Höhenflüge mit Captain Merryweather

Neil Merryweather beschallt Straße und Raum mit Unterstützung von ganz hoch oben: Die Space Rangers sorgen für Recht und Ordnung in der Welt des Glam Rocks.

24.06.2013 Online Redaktion

Der höfliche Bass- und Vokalist Neil Merryweather aus Winnipeg, Kanada, hat sich in den Sechzigern an einigem versucht: R&B mit den Mynah Birds, Folk Rock mit Bruce Cockburn’s Flying Circus, Blues Rock mit Mama Lion. Aber egal. 1974 tat er sich dann endlich mit ein paar Fremden zusammen und das, was sich für 1974 gehört: Ein großartiges Glamrock-Album aufnehmen. „Space Rangers“ klingt ein bisschen wie eine Kooperation zwischen David Bowie, Marc Bolan und einem verträumten außerirdischen Noisemonster.

„Space Rangers“ ist vertrackt, hart, zart und vielschichtig. Sein ganzes Potential entfaltet das Album im Laufe des ersten Drittels – hat man anfangs noch geglaubt, es handle sich hier um zahmen 70s Rock von ein paar Jungs, die irgendwo einen Verzerrer gefunden haben, wird schnell klar, dass man es hier mit etwas zu tun hat, das nicht gleich nach dem ersten Hören unter einem Haufen anderer Platten in Belanglosigkeit versinkt.

Thematisch ist der Name Programm: „Space Rangers“ spielt sich größtenteils einige wenige bis hunderttausende Kilometer über der Erdoberfläche ab, nur der Opening Track bleibt auf der Straße. Und passt perfekt hierher, da es ja um Road- und nicht um Space Songs geht.

Es zahlt sich auf jeden Fall aus, das Album bis zum Ende zu hören: Man wird immer wieder überrascht. Von ihrem Kurs auf eingängige Melodien kommen die Space Rangers wiederholt ab, um sich vergnügt in anderen Sphären herumzutreiben. In der letzten und längsten Nummer des Albums (Sole Survivor) geht’s dann richtig rund: Die Space Rangers berichten von der Problematik, als einziger Überlebender – nach was auch immer – im Weltraum herumzudümpeln. Ein wenig innere Zerrissenheit ist da verständlich – dementsprechend oszilliert auch der abschließende Track, wie eigentlich das ganze Album, zwischen hymnischem Gesang, Geschrei, Geschrammel, wahnsinnigem Gelächter und repetitiven Riffs hin und her.

Mittendrin findet sich dann auch noch eine großartige Coverversion des Byrds-Hits „Eight Miles High“. Coverversionen sind zugegebenermaßen oft irrelevant bis unnötig, können in seltenen Fällen aber auch das Original, nun ja, anreichern. „Eight Miles High“, wiederbelebt durch Neil Merryweather & Co, ist so ein Fall. Aber der Song hatte ja seit seinem Release 1966 in 12 Kilometern Höhe auch acht Jahre lang Zeit, im All herumzudriften, bis die Space Rangers ihn auf einer Patrouille gefunden und unter ihre schwer mit Instrumenten beladenen Fittiche genommen haben.

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