MP3 im Auto hoeren iDrive Bluetooth USB
 

Musik hören…

… mehr will ich doch gar nicht. Meine Musik. Meine Reihenfolge. In meinem Auto.

11.12.2012 Online Redaktion

Am Anfang war das Radio. Und es war gut. Dann kam der Plattenspieler ins Auto. Und er war ein Griff ins Klo. Das war 1958. Philips hatte versucht die Vinylscheibe mobil zu machen und scheiterte an den Erschütterungen im Auto. Das war vorhersehbar, aber einen Versuch wert. Die Soundevolution brachte die Kassette, die ausstarb als die CD kam. Der Herrscher über den Musikplanet im Kosmos Auto.

Die Autoindustrie mendelte und darwinisierte dann noch ein bisschen weiter. Die Musik wurde lauter, die Funktionen umfangreicher, die Knöpfe filigraner und die Hochtöner fahren jetzt automatisch aus den Armaturen. Die Spitze der Evolution war erreicht, worauf die Audio-Techniker ihren Silberrücken durchstreckten und sich auf die Brust trommelten. Dann schlug der MP3-Komet auf.

Von diesem Schock hat sich die Autoindustrie bis heute nicht erholt. Und seinen Darwin hat auch keiner der Techniker gelesen – es überlebt, wer sich am besten anpasst. Klar, MP3 werden in jedem Auto abgespielt, ein USB- und ein AUX-Eingang sind nahezu selbstverständlich und gar nicht mal selten erkennt das System sogar den angeschlossenen MP3-Player. Glückwunsch, die Audio-Techniker haben ihren Dinosauriern beigebracht Stöckchen zu holen.

Aber mit einem MP3-Player kann der Hörer binnen Minuten seine Musik ordnen, Podcasts herunterladen und Abspiellisten erstellen. Das Auto würdigt das aber nicht. Kaum ein Audiosystem kann zwischen „Interpreten“ und „Podcast-Autor“ unterscheiden. Ein Gastkommentar von Gerhard Schröder wird also bei Slipknot gelistet. Die neueste Bayern2-Reportage findet man bei den Beastie Boys. Abspiellisten und Videos gibt es oft gar nicht mehr, die Suchfunktionen sind ein Graus, Titel werden nicht vollständig angezeigt oder falsch gereiht.

Und das aus Eitelkeit. Fast alle Smart-Phones und MP3-Player haben eine ähnliche Bedienlogik. Die Unterschiede sind marginal. Jeder Autohersteller aber hat eine komplett andere Logik, die sich auf Jahrzehnte der Verkomplizierung stützt und die ihm heilig ist. Die Bluetooth-Verbindung brachte nur bedingt Erleichterung. Vor 70 Jahren brauchte man für drei Funktionen zwei Knöpfe – An, Aus und Lautstärke. Es kamen Klimaanlage, Fahrwerk, Telefonanbindung, Bordcomputer. Submenüs, Unterfunktionen, Kipphebel und Drehschalter. Ein Unding, an das sich die Fahrer gewöhnt haben.

Wie reinigend wäre eine Knopfkatharsis? Ein Reset.

Auch die wird kommen, befürchte ich. Dann hat jedes Auto plötzlich einen Touchscreen, ähnlich eines Tablets. Der Fahrer wischt eindeutig gezeichnete Icons hin und her. Natürlich lässt sich alles individualisieren. Mit einer einfachen App lassen sich schon zu Hause Routen planen, die Klimaanlage einstellen, Abspiellisten erstellen und Radiosender suchen. Einmal verbunden und das Auto weiß, was zu tun ist. Nein, mir kann man es nicht Recht machen.

Vielleicht sollte man einfach dem mobilen Plattenspieler noch eine Chance geben.

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