Ausflug Mühltalhof Blume
Wunderbares Ambiente
 

Findling hinterm Wehr

Wir fahren fort: Ins Mühlviertel, das drei Flüsse zu einem Namen eint und mit einem verwunschenen, wassernahen Hotel der anderen Art gekrönt ist.

07.05.2013 Autorevue Magazin

Das Mühlviertel? Liegt rechts von der Autobahn, wenn man über Passau zum Beispiel nach München muss. Und weiter? Bier und Leinöl kommt aus der Gegend. Sonst: ein persönlicher weißer Fleck, weitgehend. Erst einmal nachschlagen also: Benannt ist das Mühlviertel nach den drei Mühl-Flüssen: Große Mühl, Kleine Mühl und Steinerne Mühl, die sich ihren Weg durch ein pardonloses Granit- und Gneis-Hochland hinunter zur Donau bahnen. Ich mag Flüsse jeder Art und jene besonders, die es schwer haben in ihrem Lauf.

Das war der Grundgedanke. Die Beschaulichkeit, in der ich die Große Mühl bei Neufelden antraf, war dann überraschend. Ruhig lag das breite Wasser hinter einem Wehr, der blassblaue Abendhimmel spiegelte sich darin mit seinen rosa Wolken, und links hinter einer kleinen Schleuse drang das Licht warmer Gastlichkeit aus einer großen Glasfassade wie aus einem Adventkalender. Der Mühltalhof, zu dem diese moderne Glasfront gehört, ist ein uralter Gasthof, das merkt man gleich an seiner Weglage zwischen Straße und Mühlkreisbahn, die in erfreulicher Regelmäßigkeit heute noch Linz mit der Bierstadt Schlägl verbindet.

Der Mühltalhof vereint mehrere Besonderheiten: idyllische Lage, Haubenrestaurant, feine Zimmer. Außerdem ist es ein Familienbetrieb, der eine wunderbare Generationen-Entwicklung geschafft hat. Und er ist auf eine Art modern geworden, die am besten als sanft und raffiniert zu beschreiben ist. Das alte Haus wurde vor einiger Zeit um einen Neubau erweitert, der sich in seiner Andersartigkeit schön ins Gesamtbild fügt.

Auch drinnen: In den Zimmern zum Beispiel, von denen die Suite im Untergeschoss wegen ihrer Nähe zum Wasser eine absolute Empfehlung ist. Der große Raum ist modern eingerichtet und liebevoll um ein bisschen altes Mobiliar ergänzt. Keine Antiquitäten, einfach liebevolles Schwemmgut der Zeit. Dazu eine einladende freistehende Badewanne, und des Morgens schiebt man dann als Erstes die Türe ins Freie auf, geht im Pyjama hinaus und sagt dem Wasser guten Morgen.

Die Adventkalender-Fassade vom Vorabend war das Restaurant, der moderne Teil: Der luftige Wintergarten, wohlig erleuchtet von einer Vielzahl wagenradgroßer Deckenlampen. Und was für ein Essen! Der Familienbetrieb teilt sich nämlich in die Gäste-Umschmeichelungs-Abteilung (Hanni Eckl) und die Heavenly-Bekoch-Abteilung (Helmut Rachinger), und Helmut, der der Bruder von Hanni ist, zaubert in der Küche Gerichte, die einem beim Speisekartenlesen das Wasser in den Mund und beim Essen eine ungeheure Zufriedenheit in Herz und Hirn steigen lassen: die gewürzmarinierte Lachsforelle mit Hausbrot und Bio-Joghurt, das Forellenbauch-Tempura auf Chinakohl mit Ingwerrahm, die gefüllte Hirschbrust mit Blaukraut und die Zitronen-Thymiantarte mit Rauna-Zitronensorbet. An den „Rauna“, also den Rüben, kann man die lokale Verbundenheit der Familie ablesen, die nicht nur in der Küche gelebt wird. Falls man möchte, nimmt einen Hanni Eckl auch mit zu ihren Lieblingsplätzen an der Mühl, wo sie schon als Kind gespielt hat.

Im Übrigen kann sich auch der Weinkeller des Mühltalhofs sehen lassen. Der eine gute Grundlage liefert, wenn man intensiv über den Findling, der in der Einfahrt liegt, nachdenken will, und über die Kraft, die in den Steinen gespeichert ist, und den eigenen Willen, den das Wasser bei seiner Arbeit beweist.

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