Ausflug-März-1
 

Der Tag, an dem Paul kam

Wir fahren fort, schaffen es zweimal ums Eck und suchen Zuflucht an einem Ofen in einem benachbarten Wohnzimmer.

03.02.2011 Autorevue Magazin

Es gibt Tage, in denen steckt der Hund drin, und nicht nur einer, sondern gleich ein ganzes Rudel. Eins, zwei, drei – alle herum sind bettlägrig, virusverseucht, damit unbesuchbar, und der Nachwuchs kriegt unterhaltungstechnisch die erste Krise. Okay, dann machen wir eben einen Solo-Ausflug, der Sonnenschein von gestern und vorgestern wird wohl noch einen Tag durchhalten, aber nein, in der Nacht kommt Tief Paul und mit ihm horizontaler Regen und Sturmböen, die einen n­igerianischen Schwergewichtsboxer aus den Schuhen hauen würden. (In Nachbars Garten werden in der Nacht zwei 20 Meter hohe Tannen in die Knie gehen).

Mittagessen in kurzer D­istanz also. An der ersten Kreuzung rüttelt der Weststurm beängstigend am geländegängigen Gefährt, am Fenster fliegen zwei Schirme vorbei, an denen zwei Damen hängen. Wir flüchten uns ins nächste Wohnzimmer. Das liegt in der Mödlinger Badstraße Höhe Fußgängerzone und war einst ein einfach gestrickter Heuriger, den die Nachfolgefrage in ungewöhnlich lichte Höhen geführt hat.

Da wollte ein Sohn nicht Heurigenwirt nach alter Väter Sitte werden. Alexander K­örber hatte so seine eigenen Vorstellungen, renovierte das alte Eckhaus und bereicherte Mödling um eine im Heurigen-Rhythmus geöffnete R­estaurant-Alternative. Die Schank ist geblieben, wie sie war, mit klassisch-elaboriertem Heurigen-Büffet, d­arüber kann man von Tafeln ein Speisenangebot ablesen, das auch im konservativen Speckgürtel was Besonderes ist: Samosa (das sind dreieckige indische Teigtaschen) mit Minz- und Mango­chutney, Karotten-Ingwer-Suppe, Rotweinrisotto mit gebratenem Seeteufel und g­ebratene Jakobsmuscheln im Speckmantel und sautierte Gänseleber steht da etwa in Kreide geschrieben, aber auch Specklinsen, Surschnitzel und Krautrouladen. Dazu kann man sich eine Cuvée Fireball (Merlot, Cabernet Sauvignon) oder eine Episode Two (Zierfandler, Grüner Veltliner, Chardonnay) aus hauseigener Kelter bestellen, aber auch Publikumsgefälligkeiten wie Kaiserspritzer (mit Holundersaft), Himbeer­kracherl oder Café Latte.

Was die Wohnzimmer-­Atmo betrifft: Die Stube beim Körber ist von unguten Einflüssen der Zeit verschont geblieben, hat immer noch den alten geölten Holzboden und die Lamperie an der Wand. Nur statt des früheren Kanonen-Heizdings gibt’s jetzt e­inen kuscheligen Kachelofen, ein bisschen Kunst und g­emütlich-rustikale Holz­möbel. Und hie und da sahen wir über der Mauer zur S­traße einen Schirm mit Dame vorbeifliegen.

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