Industrie und EU-Kommission wollen, dass Europa den Ton beim nächsten Datenfunkstandard angibt. (Im Bild: EU-Kommissarin Neelie Kroes)
 

Mobilfunk-Neuheiten am Mobile World Congress

Am ersten Tag des Mobile World Congress 2014 wurden unter anderem ein abhörsicheres Smartphone, ein Nokia-Smartphone auf Android-Basis und Samsung-Uhren vorgestellt.

24.02.2014 APA

Der Vorstoß der Entwicklungsländer ins Smartphonezeitalter verändert derzeit die Mobilfunkbranche. Unter anderem steigt dadurch der Absatz günstiger Geräte rasant und verschafft ihren Herstellern Rückenwind. Zugleich wächst das Datenvolumen in den Netzen immer schneller. Einen noch größeren Schub wird es aber mit dem Internet der Dinge geben. So rechnet der Netzwerkausrüster Ericsson mit 50 Milliarden vernetzten Geräten zum Jahr 2020. Es sei außerordentlich wichtig, schnell die neuen Datennetze zu entwickeln, betonte EU-Kommissarin Neelie Kroes auf dem Mobile World Congress in Brüssel. Zunächst muss für die neue Generation, die mit dem Schlagwort „5G“ versehen wurde, allerdings erst noch ein Standard ausgearbeitet werden. Brüssel förderte die Forschung und Entwicklung mit 3 Mrd. Euro, betonte Kroes: „Das ist kein Taschengeld mehr.“

Nokia stellte Smartphone auf Android-Basis vor

Die Mobilfunkbranche präsentierte bei ihrem Gipfel in Barcelona zahlreiche Neuheiten. Nokia sorgte für Schlagzeilen: Der einstige Handyprimus stellte seine ersten Smartphones auf Basis des Google-Betriebssystems Android vor. Damit will Nokia in den schnell wachsenden Märkten der Entwicklungsländer ausgerechnet den Internetkonzern selbst ausstechen. Android ist im Kern ein offenes System und kann von jedem verändert werden.

WhatsApp bekommt Telefonier-Funktion

Mit dem populären Kurznachrichten-Dienst WhatsApp wird man spätestens zum Jahresende auch Telefonieren können. Das kündigte in Barcelona Mitgründer Jan Koum an. Er versprach zugleich erneut, dass sich mit der insgesamt 19 Mrd. Dollar (14 Mrd. Euro) schweren Übernahme durch Facebook nichts ändern werde. WhatsApp werde weiterhin unabhängig arbeiten. „Die Partnerschaft von Mark (Zuckerberg) und mir wäre nicht zustande gekommen, wenn wir uns nicht bei der Vision für das Produkt einig wären“, sagte Koum. „Letzte Woche habe ich eine Facebook-Freundschaftsanfrage angenommen“, scherzte der gut aufgelegte Unternehmer, dem Milliarden aus dem Deal winken.

Abhörsicheres Blackphone vorgestellt

Nach dem NSA-Skandal stellte der Hersteller Blackphone in Barcelona ein weitgehend abhörsicheres Smartphone für Verbraucher vor. Wer das Handy kauft, bekommt dazu für zwei Jahre Dienste zum verschlüsselten Telefonieren, sicheren Speichern von Daten und geschützten Surfen im Internet. „Wir sehen das als richtungsweisend“, sagte Blackphone-Manager Toby Weir-Jones. Das Betriebssystem des Geräts basiert auf Googles Android. Allerdings seien mehrere Grundeinstellungen Datenschutz-freundlicher gestaltet worden.

Ford Focus mit vielen elektronischen Helfern

Ford ging als erster Autohersteller auf die Mobilfunkmesse, um ein neues Modell vorzustellen. In den neuen Focus packte Ford viele elektronische Helfer, die man sonst eher aus der Oberklasse kennt. Unter anderem hat das Modell jetzt auch einen Ausparkassistenzen und warnt beim Rückwärtsfahren vor Fahrzeugen, die den Weg kreuzen. „Die Welten der Autoindustrie und der IT-Branche verschmelzen“, sagte Ford-Europachef Stephen Odell. „Wir müssen uns an das Tempo der Technologiebranche anpassen.“

Ericsson und Philips planen Mobilfunkmasten in Straßenlaternen

Ericsson will gemeinsam mit Philips Straßenlaternen in Mobilfunkmasten verwandeln. „Wir glauben, dass Städte in Zukunft viel mehr Mobilfunkabdeckung brauchen“, sagte Ericsson-Chef Hans Vestberg. Ericsson und Philips wollen die Mobilfunklaternen noch dieses Jahr in ersten Städten in Nordamerika aufstellen, sagte Ericsson-Managerin Cecilia De Leeuw der dpa. Dort sei das Kapazitätsproblem für Mobilfunkanbieter besonders akut.

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