Perlen in der Villa Kunterbunt

Wir fahren fort: Diesmal an den Millstätter See, wo zwei entspannte Jungs ein edenmäßiges Hotel am Wasser betreiben.

07.04.2011 Autorevue Magazin

Der Koch hüpft jeden Mittag in den See. Der Rezeptionist spielt nachmittags Backgammon. Das Serviermädchen kann Gedanken ­lesen und trägt Baggypants. Das Haus selbst sieht aus, als hätte Pipi Langstrumpf das Semmering-Südbahnhotel auf wohnlich eingekürzt. Das ist das Paradies, Leute. Und man kann jederzeit dort einchecken (so man reserviert hat).

Die Villa Verdin hieß früher einmal Hubertusschlössel und liegt in Traumlage in Millstatt direkt am Wasser. Sie hat noch ein paar glasierte Dachziegel, spitze Türmchen, eine dicht mit wildem Wein überwucherte Fassade, drinnen eine knarrende Holztreppe, viel dunkle Täfelung, schwere Möbel, alte Teppiche und eine Veranda, die mit einem Stil­gemisch an alten Sofas und Ohrensesseln bestückt ist. Die Sonnenuntergänge sind hier ein kolossales Erlebnis.

Das Haus gehört seit den 1950ern der „Nachbarschaft Millstatt“, die glücklicherweise die Finger davon gelassen ­haben, das alte Gemäuer im großen Stil zu renovieren.
Seit acht Jahren steuern die Pächter Gianni und Thomas ihr Hotel mit viel Finger­spitzengefühl hoch am Wind der Geschichte und lassen den Charme des langsamen ­Dahinwelkens in alle Ecken kriechen. Gemütlich ist das, und man fühlt sich sehr ­daheim, wenn man so einer Lässigkeitskultur nahe steht.

Essen und Trinken kann man hier auch sehr gut. ­Thomas steht in der Küche und bringt am Abend je nach Marktlage geschmortes ­Bauernhuhn, eine sensationelle gebratene Rheinanke, Pasta aller Couleur oder Currys auf den Tisch. Die Kinder kriegen ihr Schnitzerl, ihre Mannerschnitten und ihr Kracherl (Millstätter Perle!), die Erwachsenen noch und noch und noch eine Flasche aus dem gut gefüllten Keller, um dann ziemlich heiter entweder zur Nachtstunde noch im See baden zu gehen oder gleich ein, zwei Stock höher unter die Tuchent zu kriechen.

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