Essen aus dem Weinbeißer
Essen vom Weinbeißer
 

Mieze und Justen

Wir fahren fort: Um nach einer Herzsprung-Fahrt über eine Straße, die eigentlich niemandem verraten sein sollte, etwas über die Lebensweise von Schweinen und die Fortpflanzungsgewohnheiten von Erdbeeren zu erfahren.

10.09.2013 Autorevue Magazin

 

Ich bin untalentiert, aber neigungsreich. Ich liebe es, im Frühjahr mit beiden Händen in der Erde zu wühlen, was ich dem Boden aber an Saat überantworte, geht entweder gar nicht auf oder stirbt einen frühen Tod. Um meinen Grün-Gen-Mangel zu kompensieren, rücke ich jedes Jahr Anfang Mai aus, um am hohen Gral der Pflanzenvielfalt in Schiltern an Setzlingen nachzukaufen, was ohnehin Saisonware ist bzw. den Winter in meinem Garten nicht überlebt hat.

Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Diesmal musste ich gefühlte vierzehn Eisheilige abwarten, bevor der Kaufrausch im Schaugarten der Arche Noah vollzogen werden konnte. Es war ein prachtvoller Sonntag, der Himmel tiefblau, das Auto schnell und das Kind willig. Also fuhren wir gen Westen nach Langenlois, wo wir – anders als sonst – ein kleines Sträßlein am Hinterausgang nahmen, das mit dem Wegweiser „Bergweinstraße“ nach Schiltern lockte. Die schmale Straße hebt steil an, geht am oberen Rand der Weingärten entlang, an Wiesen vorbei, durch Wald, immer schön kurvig, wobei man achtgeben muss tempomäßig, wegen des einheimischen Gegenverkehrs, der aus dem Kenn-ich-doch-wie-meine-Westentasche-Selbstverständnis heraus nie langsam des Wegs kommt. Die Strecke jedenfalls ist typisch und unterstreicht anschauungsunterrichtsmäßig die Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Wein- und Waldviertel, an deren Naht man sich hier ja praktisch befindet.

Köstliche Mieze Schindler

Der Arche Noah’sche Garten stand in voller Pracht, und ich hab mich blöd gekauft: Bergminze, Thymian, Lavendel, dann Paradeiser der Sorte Fuzzy Wuzzy, Kremser Perle, Lila Sari, Ei von Phuket und Justens Gelbe (wer war dieser Justen eigentlich?). Und an Erdbeeren begrüßen wir heuer neu im Garten: die Dreistettner Ananaserdbeere, die weiße Frais du Bois und die köstliche Mieze Schindler, die unbedingt die Gesellschaft anderer Erdbeeren braucht, damit sie Früchte trägt.

Pflanzen wollen in die Erde

Nach dem Verladen der Pflanzenpracht fuhren wir dann über den Berg hinüber Richtung Kamptal, wo oberhalb von Schönberg in Mollands ein etwas anderer Heuriger aufgesperrt hat: die Weinbeißerei von Matthias und Hermann Hager. Ein moderner Holzbau mit großartiger Rundum-Schattenterrasse in erhöhter Lage und mit entsprechender Aussicht, der sich recht deutlich vom restlichen Ortsbild abhebt. Auch beim Essensangebot: Schinken und Speck von hauseigenen Schweinen (die sich hinterm Haus im Gatsch suhlen), regionale Käse, Salate, zu Mittag auch warme Speisen, in unserem Fall ein Lammfaschiertes mit Erdäpfeln und Paradeis-Gemüse-Sauce, Akazienkrapfen hätte es auch gegeben, wenn nicht die Topfennockerl mehr gelockt hätten, und dann zog sich leider ein Gewitter über dem Heiligenstein zusammen, das böse grollte und uns heimwärts trieb. Auch der Pflanzen wegen, die in die Erde wollten. So weit hab ich das Handwerk der Gärtnerei ja schon verstanden.

Mehr zum Thema
  • hubbie

    Mieze Schindler….die wurde schon vom Anschauen in den Stekovics`schen Plantagen matschig, aber was für ein ultimativer Beerengeschmack!

pixel