tagebuch eines redakteurs
Ja, es gibt tatsächlich schon hellrote Fahrradketten. Schade, dass man mein rotes T-Shirt, die Uhr und das Kapperl hier nicht sehen kann.
 

Aus dem Tagebuch eines Redakteurs, März 2014

Martin Strubreiter über Smalltalk im Lift, sein neues Singlespeed und warum Deutschland lieber Kai-Uwes, als Wolfram fördert.

24.04.2014 Autorevue Magazin

Montag  Kommunikationsmäßig ist die Welt weiter als zuvor, man hat ja jetzt eine dreistellige Anzahl von Freunden, die man noch nie persönlich kennengelernt hat (und auch nie wird). Ungelöst ist hingegen das Problem des schlanken ­Dialogführens im Lift, ich meine, bis zum 8. Stock kann das Schweigen ziemlich laut werden. Hab’ aber soeben meinen bisherigen Favoriten des geschmeidigen Dialoganbahnens vernehmen dürfen: „Jaja, neue Woche, neue Chance!“

Samstag  Was Christoph in seinem Tagebuch einst befürchtet hat, ist tatsächlich eingetreten: Ich hab mir ein Single-Speed gebaut, also ein Fahrrad mit nur einer Übersetzung. So extrem angesagt ist das allerdings gar nimmer, weil wie üblich war ich langsam – es dauert eben, alles in Hellrot zu finden. Da das Rad jetzt aber fertig ist, wird flugs ein Wintereinbruch folgen. Entschuldigung.

Dienstag  Rudi Skarics will uns für eine Geschichte begeistern, die er schreiben mag. Es wird um Wolfram gehen, das für „weißgott­was­alles“ nötig sei. Schließlich läge Österreich beim Wolfram-Vorkommen sogar vor China.

Ich vermute ja, Rudi hat etwas ­verwechselt und einfach nur erfahren, dass in Österreich die Dichte an Personen mit dem Vornamen Wolfram am höchsten wäre, wohingegen sie in China tatsächlich verschwindend gering sein dürfte. Einziger Wolfram-Gegner wäre vermutlich Deutschland, aber dort fördern sie vielleicht lieber Kai-Uwes, deren Dichte in Österreich als gering einzustufen ist.

Freitag  Nicht nur im Lift gibt’s schöne Sätze zu hören, ­sondern auch am Radweg zwischen Vösendorf und Wien, zum Beispiel heute: Ein Radfahrer setzt an der einzigen ­Mini-Steigung zum Überholen an, schafft’s aber nicht ganz und entschärft die Situation an der Kuppe mit einem grazilen: „Fahren Sie öfters hier?“

Jetzt nimmer, werde meine Werktags-Radroute Richtung Oberlaa verschieben. Liegt obendrein weiter östlich, da wird mein Wintereinbruch ein paar Sekunden später eintreffen.

Tagebuch eines Redakteurs April 2014.

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