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Schwarz am Bau

Nach Langenlois und Kirchberg am Wagram, um eine architektonische Landmark und Tiere zum Streicheln zu finden.

08.11.2010 Autorevue Magazin

Den Stand der Jahreszeiten lese ich am zuverlässigsten im Keller ab: Frühling ist, wenn dort zunehmend Trockenheit und Ödnis herrschen. Kein Wein mehr da, alles über den Winter ausgetrunken, es ­breitet sich eine gewisse Alarmstimmung aus, Nachschub muss her. Und um für entsprechend Abwechslung und frische Erkenntnis zu sorgen, fahr’ ich am liebsten dorthin, wo ich am längsten nicht mehr war. In diesem Fall zu Fred Loimer nach Langenlois, der ein begnadeter Weinmacher ist, ein besonnen-uneitler Mensch und ein visionärer Kopf mit Hang zur Landmark-Architektur.

Vor mehr als zehn Jahren hat er vom Wiener ­Architekten Andreas Burghardt (der auch den Neu­meister’­schen Keller im steiermärkischen Straaden gebaut hat) ­einen minimalistischen schwarzen Kubus über dem historischen Kellergewölbe ­errichten lassen, was in vieler Hinsicht für Aufsehen gesorgt hat. Rechtzeitig zur 2009er-Ernte ist ein zweiter schwarzer Würfel aus Sichtbeton und Glas auf der anderen Seite der Kellergasse fertig geworden, der jetzt die ganze Weinverarbeitung von der Presse bis zum Flaschenlager beherbergt.

Am ersten Mai-Wochenende kann man sich die neue, ziemlich klasse Location in aller Ruhe bei den Tour-de-Vin-Tagen anschauen und sich – verpflegt vom Koch-Kollektiv AO& – durch die große Glasscheibe des Patios die Langenloiser Weinberge anschauen. Wir wollten nicht so lange aufs Essen warten und sind – nachdem wir jeden verfügbaren Stauraum des Autos mit zig Kisten Lois und Lenz, Grünem Veltliner und Riesling (2009er Terrassen!) vollgeladen haben (der wunderbare 2009er Seeberg war budgetär leider nimmer drin) – noch im Gut Oberstockstall in Kirchberg am ­Wagram stehen geblieben und haben dort ein köstliches ­Bärlauch-Ei (in der Schale!), schwarze Gnocchi mit Meerestieren, einen gebratenen Waller mit Paradeis-Tapioka und mehrere Schokoladen-Dessert-Variationen verschlungen und für die Kinder ziemlich verzweifelt Viecherln zum Streicheln gesucht.

Weil: junge ­Häschen, putzige Lämmchen, fluffige Kücken – daran kann man ja auch ablesen, dass endlich Frühling ist. Leider hat einzig ein Tisch-Deko-Kaninchen mit Echtfell den Niedlichkeitsvorstellungen der Rasselbande entsprochen. Das zahlreiche Federvieh im hinteren Garten und Bruno, der riesige Haushund, wurden als unstreichelbar abgelehnt. Was dem Bernhardiner übrigens fast das Herz gebrochen hat (Kinder können ja so grausam sein!).

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