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Landyachthafen: Heimat to go

In Zukunft könnte auch unser zu Hause mobil sein. Die Marke Landyachthafen aus der Steiermark zieht in Sachen mobile Homes eine neue Messlatte ein.

10.06.2015 Online Redaktion

Diese Widersprüche gehören zusammen. Eine Trennung ist unmöglich. Die Leichtigkeit, mit der Innovationen betrachtet werden. Verspielt schmeicheln sie sich ein, beflügeln die Phantasie und zeigen dem Betrachter einen anderen Lebensentwurf. Das ist die eine Seite. Auf der anderen Seite liegt die Schwermut, mit der sich der Betrachter fragt, wie der Erfinder damit nur Geld verdienen will und ob sich das jemals durchsetzen wird.

Ein mobiles zu Hause als Designschatz

Die Innovationen sind in diesem Fall der Landyachthafen, ein mobiles Haus in Frachtcontainer-Dimensionen, und der Sealander, ein schwimmender Wohnwagen-Anhänger, der per Außenborder zum Boot wird. Die Frage, wie damit Geld verdient werden soll, lässt sich nur mit einem Blick auf die Menschen hinter der Marke „Landyachthafen“ beantworten.

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© Bild: Michael Szemes

Das sind Martina Fabritius und ihr Mann Peter Niss. Und wie so oft scheint die Motivation in der Kindheit zu liegen. Peters Vater war früher Fahrschullehrer. Als alle noch darüber diskutierten, ob es sinnvoll wäre Rapsöl zu Biodiesel umzuestern, sattelte sein Vater um und tat es einfach. Damit war er einer der ersten in Österreich, ein steirischer Ölscheich.

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© Bild: Michael Szemes

Peter wurde Umweltverfahrenstechniker und lernte Martina, eine Architektin, kennen. Während ihrer Elternzeit mit dem ersten und zweiten Kind tourten sie in einem Camper durch Europa. Für sie wurde Mobilität zur ultimativen Freiheit. Ein Gedanke, der ihre Arbeit prägte. Martina entwarf kein eigenes Haus, wie es für eine Architektin üblich wäre, sie tat sich mit dem spanischen Architekturbüro Abaton zusammen und entwickelte deren Konzept eines mobilen Hauses weiter.

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© Bild: Michael Szemes

 

Kernkompetenz Umweltschutz

Das Ergebnis ist der Landyachthafen. Ein Haus, das mit der Grundfläche eines Frachtcontainers auskommt, trotzdem aber Bad, Küche, Abstellkammer und Wohnbereich beinhaltet. Das alles in einer Qualitätsanmutung, bei der selbst normale Stadtwohnungen Probleme haben mitzuhalten. Eine Waschmaschine ist obligat, die Dusche normal dimensioniert, die Toilette ist aus Keramik. Wer will da noch campen?

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© Bild: Michael Szemes

Der Besuch fand statt, als sich der Sommer mit einem brutalen Knock-out gegen die letzte Frühlingsfrische durchgesetzt hatte. Seit Stunden schon stand der Landyachthafen in der prallen Sonne. Doch er war kühl. Die Fassade besteht aus Holzfaserzement, dazu wurden Mineralwolldämmungen verbaut. Peter legte großen Wert auf die Wiederverwertbarkeit. Das Haus ist vollständig recyclebar.

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© Bild: Michael Szemes

Gedacht ist es für zwei Arten von Kunden. Zum einen für den flexiblen Arbeitnehmer, der jederzeit an einem anderen Ort sein Glück versuchen könnte, dabei aber ein Stück Heimat dabei haben möchte. Zum anderen für den Menschen, der seine Heimat gefunden hat und nicht verlassen möchte, aber noch etwas Freiheit in Form einer Waldhütte, eines Kleingartenhauses oder eines Dauercampers haben möchte. Alles auf höchst luxuriösem Niveau.

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© Bild: Michael Szemes

 

Mein kleines Stück Freiheit

Abgestellt werden kann der Container auf jeder Wiese. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann kleinere Betonsockel gießen lassen – so wie beim Ausstellungsstück. Mit dieser aufwendigen Montage dauerte die Anlieferung und der Aufbau rund zwei Stunden. Baulärm, Staub und wochenlange Improvisation sind diesem Konzept fremd.

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© Bild: Michael Szemes

Ein Haus, das maximal 60.000 Euro kostet wirft für den Verkäufer natürlich wenig Profit ab. Die Stückzahlen sollen es machen. Kleingärtner, Dauercamper, findige Geschäftsleute und Globetrotter werden gesucht.

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  • Georg

    Meine persönliche Meinung: Hat den Charme einer Schuhschachtel mit der Anmut eines Betonklotzes. Und erst das Satteldach macht es so richtig schön klobig und trotzdem fad und verschwendet Platz der sowieso nicht da ist. Nichts für ungut, aber das „Design“ wurde hier so gut versteckt, dass man es nicht mehr sehen kann. Auf der Fläche eines Iso-Seefrachtcontainers (Außenmaße 2,5x6m) kann sowieso niemand „wohnen“. Solche „Häuser“ haben noch dazu ein furchtbares „Containerklima“. Jeder der in sowas gearbeitet hat (Containerbüro) weiß wovon ich rede. Wieder eine dieser Containerlösungen, von denen es schon sehr sehr sehr viele gibt, und keine hat sich etabliert. Würde mich schwerst wundern wenn’s dieses mal anders wäre. Für €60.000 (ohne Grundstück) kann ich die nächsten 10 Jahre 2x pro Jahr Luxusurlaub machen. Ob das nicht schlauer ist?
    Und nochwas darf man nicht vergessen: Man braucht Strom, Wasser, Abwasseranschluss, Internet und TV heute, das sind die Leute einfach gewöhnt, und ein Grundstück wo das „Haus“ steht. Und schwupps sind €100.000 weg. Wiederverkaufswert: Null.
    Wie gesagt, nur meine Meinung…

    • Peter vom Landyachthafen

      Das Satteldach hat nicht nur architektonsichen Wert sondern auch handfeste bautechnische Gründe … so ist das Satteldach bezüglich Lasten durch Schnee/Regen/Wind am widerstandsfähigsten und das seit Jahrhunderten.

      Um das Klima im Modul auf Grund der geringen Raum-Kubaturen angenehm zu halten wurden spezielle technische Lösungen erarbeitet. So wurden ausgewählte Naturmaterialien (Holzfaserzementplatten, Naturholzpanelle sowie Mineralwolle) und wasserlösliche Farblasuren verwendet.

      Als Alternative zum Grundstückskauf bietet sich eine Miete bzw. Pacht des notwendigen Platzes an. Durch die kompakten Außenmaße benöätigt man nur sehr geringe Flächen (ca. 40m2 inkl. Veranda ) mit eigener Zufahrt oder einem Wegerecht.

      Man kann das Modul durch seine Transportfähigkeit, seine minimale Stellfläche und seinem geringen Gewicht auch in Steillagen auf Schraubfundamente stellen. Damit ist mit vernachläßigbaren Kosten für den Platz zu rechnen.

      Ver- und Entsorgungslösungen sind so verschieden wie die individuellen Wünsche. So gibt es zur üblichen Integration in eine vorhandene Infrastruktur auch teil- und vollautarke Lösungen.

      Mit freundlichen Grüßen,
      Peter vom Landyachthafen

  • EinfachIch

    Schade ist, dass den Journalisten der Autorevue immer mehr die Kenntnisse der deutschen Sprache fehlen (2 Beispiele: leicht verkrampft „recyclebar“ – wieso nicht die entspannte Variante „wiederverwertbar“?, einfach falsch „ein mobiles zu Hause“ statt richtig „ein mobiles Zuhause“).
    Den Zusammenhang mit dem Automobile kann ich übrigens auch nur per Kopfstand erreichen: es handelt sich um ein Mobilheim der Jetztzeit (im aktuellen Duktus vermutlich „Mobilheim 2.0“), das von einem Tieflader (ist – ahja! – ein Auto…) angeliefert wird. Naja, so gesehen kann ja die Autorevue in Zukunft Werbung für alles machen.
    So auch für Klopapier. Im weitesten Sinn wird dieses Produkt ja auch irgendwann mit einem Auto transportiert, besteht vielfach auch aus wiederverwertetem Altpapier. Wer will dann noch eine kleingeschnippselte Tageszeitung?
    Bloß um Irrtümer vorzugreifen: das Beispiel war sarkastisch! Es kann anstatt dessen vielleicht auch ein Kopfwehpulver, eine Glühbirne, ein Pflasterstein, Malfarbe, etc. sein. Kurz: die Autorevue wird dann wohl auf Werberevue umbenannt. Was ja angesichts mancher Artikel (zuletzt die Werbebotschaft für BMW) ohnehin schon richtiger wäre.

    • Peter vom Landyachthafen

      Der Bericht über uns wurde in Zusammenhang mit dem Buch „The New Nomads“ vom Berliner Gestalten Verlag erstellt. Der Landyachthafen zeigt ein Beispiel einer alternativen mobilen Lebensart.

      Sämtliche Beiträge der AutoRevue über uns sind redaktioneller Art. Wir
      freuen uns darüber sehr, zumal wir ein junges österreichisches Start-Up
      sind.

      Das Landyachthafen Modul APH ist weniger ein Mobilheim sondern eine moderne Form der „Dockingstation“. Sozusagen ein erweiteter Raum mit einem vollständigen Sanitär und allen Ver- und Entsorgungsanschlüssen für den Reisemobilisten und/oder E-Cars.

      Wir freuen uns auf Kommentare auf unserem Blog: http://landyachthafen.jimdo.com/2015/06/11/autorevue-heimat-to-go/

      Mit freundlichen Grüßen,
      Peter vom Landyachthafen

  • ghostdog21

    Ja alles niedlich, aber die Webseite ist ja, wie für Designer typisch, relativ Inhaltsleer. Und noch besser verweist hier her.

    Doch auch hier gibt es nur bedingt mehr Antworten.

    Mobiles Heim, gut und schön. Aber wie kann man sich das vorstellen? Brauche ich Kran, Schwertransporter und Walze um die angepriesene Mobilität zu erreichen ? Oder zerlege ich das Ding in Bretter und ähnliche Einzelteile um es am Zielort zusammen zu setzen ? Oder kann es sich wie ein Zelt zusammenfalten und ich brauche vorher nur den Inhalt herausnehmen ?

    Anhand der Bilder wäre das alles vorstellbar. Doch von dem wie hängt hier der eigentliche Nutzwert ab…

    Hier in Deutschland, vor allem in der ehemaligen DDR, gibt es genug Kleingärten die man oft für weit weniger als 20.000 EUR kaufen kann inkl. Grundstück. Da könnte ich mir am Zielort auch einen ähnlichen kaufen und die komplette Innenausstattung mitnehmen.

    Also bitte liebe Autorevue stellt doch mal die Vorteile bischen mehr in den Vordergrund und die Alltagstauglichkeit überhaupt erstmal richtig vor. Dann wird das vielleicht was mit Interessenten. Gleiches gilt natürlich für die Macher. (Und deren Webseite…)

    Gruß ich

    • Peter vom Landyachthafen

      Vielen Dank für die Hinweise. Wir werden diese natürlich für die Optimierung der Homepage berücksichtigen.

      Zu den technischen und funktionellen Fragen.

      Das Modul wurde in sogenannter prefab Bauweise aus osterreichischem CLT-Vollholz vollständig in einer Fabrik aufgebaut. Dann wurde es gemeinsam! mit der kompletten Bad- und Kücheneinrichtung per Tieflader zum Aufstellungsort transportiert.

      Damit das Haus mit Sanitär und Kücheneinrichtung über 1000de km ohne Schaden transportiert werde kann, wurden spezielle bautechnische Lösungen umgesetzt.

      Bilder zum Transport und Abladen findet man auf der Homepage im Menü Newsroom unter folgendem Blogeintrag: http://landyachthafen.jimdo.com/2015/01/15/der-transport/

      Mit freundlichen Grüßen,
      Peter vom Landyachthafen

    • ghostdog21

      Zunächst danke für die Antwort und Entschuldigung für die reichlich späte Antwort. Aber wie heißt es doch so schön: Besser spät als nie… ^^

      Als erstes: Sehr informative FAQ auf der Webseite! Vielleicht noch etwas deutlicher mit dem LYH verlinken, denn mit dem Sealander hat die FAQ ja nix zu tun und sicher kommen ja noch andere Produkte in Zukunft hinzu. Andererseits heißt die Seite Landyachthafen und vielleicht braucht nur der Sealander seine eigene Seite. Wer weiß…
      Doch kommen wir zum Produkt:

      Zunächst muss ich sagen, dass ich es durchaus begrüße wenn jemand Containerlösungen entwickelt und weiterentwickelt. Vor allem aus der perspektive heraus, dass der Landyachthafen schon wesentlich wohnlicher wirkt als ein gewöhnliches Containerbüro.

      Der Antipathie gegenüber solchen Lösungen steht hier in DE sowieso die beliebte Reihenbauweise von Einfamilienhäusern gegenüber…

      Von daher sehe ich dies als eine Art mobilen Bungalow an. Und als solcher ist er bewohnbar, kompakt und sogar relativ vollständig.

      Jedoch: Sehr teuer.

      Wie gesagt bekommt man in vielen Ecken Deutschlands günstige Gärten mit ähnlicher Bewohnbarkeit oder ältere Einfamilienhäuser für 30.000 EUR.

      Die sind natürlich gar nicht mobil. Und nicht neu.

      Doch dafür den doppelten Preis zahlen? Das finde ich persönlich dann doch ein wenig viel. Vor allem wenn ich diese Mobilität als Privatperson gar nicht bewerkstelligen kann. (Wer hat schon Sattelschlepper und Kran in der Garage stehen?)

      Jeder Umzug schlägt also vermutlich mit … ich muss schätzen … 4000 EUR (?) zu Buche. Und wahrscheinlich Aufwand. Wo kann ein Sattelschlepper lang fahren, wie wird die Strecke abseits der Straße bewerkstelligt oder wie kommt der Kran damit klar, wenn es um unebenes Gelände zum Abladen geht … sind jetzt nur 3 Fragen die mir auf Anhieb durch den Kopf schießen.

      Außerdem sehe ich hier eine wunderbare Lösung für den Sommer. Doch „wohnen“ muss ich auch im Winter. Oder an kalten/kühlen Frühlingstagen. Auch im regnerischen April. Oder im windigen Herbst. All das erscheint mir hier entweder schwierig und/oder heiztechnisch kostenintensiv.

      Von daher sehe ich hier zwei Wege.
      Entweder das Konzept wird zumindest so erweitert, dass es zumindest so wetterfest wie ein Kleingarten ist. (Höherer Abstand zum Boden und überdachte Terrasse würden das ja schon erfüllen.) Zum gleichen Preis.
      Oder aber man überlegt sich ein günstigeres Konzept welches für Privatpersonen transportabel ist. (Führerscheinklasse B).

      Dann sehe ich hier wirklich großes Potential.

      So bleibt es (aus meiner Perspektive „leider“) ein Produkt für „designaffine und architekturbegeisterte“ Kunden die ihren größeren Geldbeutel auch nutzen wollen. Und das wäre doch schade. Vor allem da „start up“ doch irgendwie auch „durchstarten“ bedeutet. Oder? ;-)

      In diesem Sinne wünsche ich dennoch viel Erfolg und weiterhin gutes Gelingen.

      Gruß ich

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