Invasion der Clowns

Hausbesetzung statt Kaffee macht wach. Spontane Solidaritätsbekundungen bei der Autorevue gegen Paragraph 278a.

26.03.2010 Online Redaktion

Kann ein Freitagmorgen lebendiger beginnen als mit einer Hausbesetzung? Eher nicht. Eine handvoll Jugendlicher (wir zählten drei, ohne Anspruch auf Vollständigkeit) hat heute Morgen das Nachbarhaus der Autorevue besetzt und zur Solidarität mit den verhafteten Tierschützern aufgerufen, deren Prozess vor Kurzem begann. Beziehungsweise, hat zum Protest gegen den dafür verwendeten Paragrafen 278a aufgerufen.

Wir sind voll dafür. Unsere grauhaarige Nachbarin, Streiterin für Recht, Ordnung und gegen Hunde, Falschparker und Parkbanksitzer, nicht. Und so spricht sie den eiligst angereisten Medien auch direkt in Notizblock und Kamera, man solle doch bitte eingreifen, weil: „Hier herrscht die totale Anarchie. Die haben sogar das Licht brennen lassen. Tagsüber.“ Auf die Frage einer Passantin, ob ihr das nicht peinlich sei, reagierte sie dann doch eher brüskiert. „Ich schäme mich nicht. Ihnen muss das peinlich sein.“ Weltbild wieder gerade gerückt.

Ansonsten verläuft die Aktion eher unspektakulär. Zwei Polizisten bewachen erst die Eingangstür, bis ein Sechsertrupp (wir nennen sie die Entsetzer) anrückt und alles beendet. Die Transparente werden abgehängt, der Spuk ist vorbei, sogar die Falschparker vor dem Haus werden ignoriert. Selbst von der Nachbarin – vielleicht, weil es deutsche Premiummarken waren. Das Haus steht seit Jahren leer, die Fassade war auch ohne Graffiti nicht besonders ansehnlich und den Innenwänden tat die Colorierung durch die Besetzer eher gut getan. Wir freuen uns zumindest über die etwas buntere Aussicht.

Auch die Autorevue überlegt sich, jetzt Banner anzubringen. Das Fenster des Chefredakteurs könnten Transparente zieren wie: „Hackelts was, Gfrasster!“. Kollege Hofbauer überlegt, die Polizei anzusprechen mit: „Eure Armut kotzt mich an.“ Was jedoch  als Protest gegen zu niedrige Beamtenlöhne missverstanden werden kann. Ich für meinen Teil hätte mich spruchtechnisch in der Generation meiner Eltern bedient mit „Wer zwei Mal mit derselben pennt, gehört schon zum Establishment.“ Vorschläge und Selbstgebasteltes sind willkommen.

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  • tomtomd

    also zb:
    "SEIDEL!!! Hackel was! Du Gfrast!!!"

    sehr gut!
    so hat man wirklich ein bissl einblick, was sich bei der AR so tut! :-)

  • Ich muss mit dem Seidel wirklich einmal ein ernstes Wort reden, was die Deutungsmacht des Wortes betrifft. Niemals würde ich nämlich ein Plakat mit „Hackelts was, Gfraster“ beim Fenster raushängen, hab ich auch nie so angedeutet. Dass er mir das unterstellt, geht so nicht. Dieser Satz der liebevollen Mitarbeiter-Anfeuerung ist ganz dem Vieraugen-Gespräch vorbehalten, bleibt also auch immer grammatikalisch korrekt in der Einzahl.

  • tomtomd

    also ich tippe eindeutig auf tastaturschaden!!!
    so wie bei mir, da ist die shiftfunktion komplett im popsch.
    mfg

  • Rainer

    Na, da kann man ja nur hoffen, daß wegen dieser gravierenden Fehler des Herrn Seidel die Welt nicht ausden Fugen gerät.
    Ich denke, hier sollte der Lesespass im Vordergrund stehen und nicht das Flöhesuchen und Dudenquälen. Überhaupt beim Germanen sollte man Nachsicht üben, da er der fleissigste Blogger (steht das im Duden?) ist und die von Herrn Hofbauer angeführten Unzulänglichkeiten bei der Bedienung der Tastatur sicher bald ausmerzen wird.

    Viel Erfolg und Durchhaltevermögen dabei, Herr Seidel.

  • Ich glaube nicht, Herr Gerhard, dass für den Satz über die Innenwände (halte ich für besser als: Satz von den Innenwänden) ein anderer Bau geplant war. Werfen Sie einmal einen Blick auf die Tastatur – das t liegt in enger Nachbarschaft zum h. Offenbar wollte Herr Seidel „hat … gut getan“ schreiben, sich dann aber regelrecht vertippt. Eine Auslassung ist es hingegen, wenn er „Fenster des Chefredakteur“ schreibt. Wir wollen aber darüber hinwegsehen und uns und ihn damit trösten, dass er nicht „des Chefredakteur’s“ geschrieben hat. Alles könnte immer noch viel schlimmer sein.

  • Gerhard

    Hallo Herr Seidel,

    tut mir leid, wenn ich mich nach dem Beitrag zum BMW X6 schon wieder mit pedantischen Hinweisen in Richtung Orthografie melde, die nicht "heftkonform" ist. Ein Wort genügt, und ich werde mir hinkünftig den Lesegenuss nicht durch Kommentare vemiesen, versprochen. Man kann ja zu Recht anführen, ein Blog unterliege nicht den gleichen strengen Anforderungen wie das Printmedium, das noch dazu vorzüglich korrekturgelesen wird.
    Für diesmal merke ich also noch an, dass jeweils ein Komma zwischen "aufgerufen, deren Prozess" (Zeile 3) sowie "vielleicht, weil es" (Zeile 15) nicht verkehrt wäre (und dass Duden bei "vor Kurzem" in Zeile 4 Großschreibung empfiehlt).
    Im Satz von den Innenwänden (Zeile 16) ist das Verb zweimal reingerutscht bzw. war ein anderer Satzbau geplant, wie es scheint.

    Ähnliche Anmerkungen hätte ich noch zum Artikel über Sebring, wo Doppelpunkte vor den Zitaten fehlen bzw. das Komma im Satz über den Beton des noch älteren Flugplatzes weggehörte, aber ich möchte mir weder Ihren noch den Unmut der Redaktion zuziehen, wo mir doch die Autorevue nun schon über so viele Abojahre als literarisches Juwel mit Schwerpunkt automobiler Berichterstattung an das empfindsame Herz gewachsen ist.
    Schönes WE und nochmals Entschuldigung für die Hinweise, ich fand keine Mailadresse, um meinen Kummer diskret zu therapieren …

    Gerhard

  • Ich habe gesagt: V8 – Eure Armut kotzt mich an! Damit meine ich nicht die tatsächlich zu niedrigen Polizistengehälter, sondern den kümmerlichen Fuhrpark unserer Polizei.

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