Der Stich in den Finger könnte für Diabetiker bald der Vergangenheit angehören.
 

Intelligente Kontaktlinsen für Diabetiker

Die „Smart Lens“ von Novartis soll Google-Technologie zur Kontrolle des Blutzuckerspiegels nutzen

16.07.2014 APA

Intelligente Kontaktlinsen sollen Diabetikern in Zukunft das alltägliche Leben erleichtern. Die „Smart Lens“ soll den Blutzuckerspiegel des Trägers / der Trägerin messen und per Smartwatch Bescheid geben, wenn es Zeit für die nächste Insulindosis ist. Entwickelt werden die Klugen Linsen unter Nutzung von Google-Know How vom Pharmakonzerns Novartis. Die Schweizer haben sich dazu die Rechte an der „Smart Lens“-Technologie des US-Internetkonzerns gesichert, wie sie am Dienstag mitteilten.

Intelligente Kontaktlinse soll in 5 Jahren auf den Markt kommen

Bis das Bündnis von Biologie und Hightech erste Produkte liefert, dürften allerdings noch Jahre vergehen. Novartis-Chef Joseph Jimenez hofft, in rund fünf Jahren eine intelligente Kontaktlinse auf den Markt zu bringen.

Einsatz in Diagnostik und Therapie

„Das wird nicht von einen Tag auf den anderen passieren“, sagte Jimenez der Nachrichtenagentur Reuters. „Es sind nicht Monate, wir reden vermutlich über Jahre.“ Einsetzen lassen sich intelligente Linsen sowohl in der Diagnostik als auch zur Therapie. So will Novartis Linsen entwickeln, die Zuckerkranken helfen ihren Blutzuckerspiegel zu kontrollieren – indem sie die Tränenflüssigkeit untersuchen und das Resultat drahtlos an Handys oder Hightech-Uhren übertragen. Die Technologie soll aber auch bei Altersweitsichtigkeit helfen, die natürliche Fokussierung des Auges wiederherzustellen.

382 Mio. Diabetiker als potenzielle Kunden

Das Marktpotenzial ist erheblich. Weltweit leiden rund 382 Millionen Menschen an Diabetes. „Es gibt eine riesige Population, die von einer kontinuierlichen Überwachung des Blutzuckerspiegels profitieren würde“, sagte der Novartis-Chef. „Heute ist das eine sehr unangenehmer Vorgang – ein Stich in den Finger.“ Von Presbyopie, dem altersbedingten Verlust der Nahanpassungsfähigkeit des Auges, sind mehr als 1,7 Milliarden Menschen betroffen – 2020 werden es nahezu zwei Milliarden sein, schätzen Experten.

Auch Apple und Samsung arbeiten an Medizin-Apps

Andere Technologiekonzerne haben diese Wachstumsaussichten ebenfalls erkannt. Neben Google arbeiten auch Apple oder Samsung an medizintechnischen Applikationen zur Überwachung von Vitalfunktionen, die in sogenannten „Wearables“ – Kleinstcomputern, die als Accessoire getragen werden – zum Einsatz kommen sollen. Aber auch in der Gesundheitsbranche dürften die althergebrachten Pfade häufiger verlassen werden. „Ich denke, wir werden immer mehr Bereiche mit medizinischen Bedarf sehen, in denen Unternehmen wie Novartis einen unüblichen Ansatz wählen um das anzugehen“, sagte Jimenez. Einzelheiten der Kooperation mit Google gab Novartis nicht bekannt.

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