Gustav
Gustav, mein charmanter Begleiter auf dem Weg in die Arbeitsstätte.
 

Insekt mit Geschmack

– Man darf sich doch mal ausruhen.

08.07.2011 Online Redaktion

Ich nehme normalerweise keine Anhalter mit, aber heute konnte ich mir meine Begleitung nicht aussuchen. Ich wurde auserwählt von Gustav. Gustav ist ein Insekt, das sich bei der Ampel hinter der Spittelau’schen Müllverbrennungsanlage zielsicher auf den Außenspiegel unseres Jeep Grand Cherokee setzte und mich zart um Mitfahrgelegenheit bat. Ich konnte ihn nicht abweisen, erlag seinem Charme. Und seiner Geschmackssicherheit. Kein ordinärer Corolla, kein mausgrauer Opel – wenn schon raus aus dieser stinkenden Ecke der Stadt, dann mit Stil. Mit Blick auf das chromglänzende Türzapferl und die fein gemaserten Holzeinlagen.

So fuhren wir die Lände entlang, surften auf der grünen Welle (was natürlich besonders ungünstig ist, wenn man Gustav fotographieren möchte), tauschten flüchtige Blicke aus und verhielten uns sonst stumm. Gustav war nämlich nicht sehr gesprächig. Vielleicht war er auch nur zu sehr damit beschäftigt, sich den Sturmböen entgegenzustemmen, die den Donaukanal entlangbrausten. Der muss doch Füße haben wie ein Gecko!

Gustav war jedenfalls keine Plaudertasche, aber keineswegs schwer von Begriff. Er war sogar ausnehmend schlau! An Einfahrt zur Tiefgarage, dachte ich, muss ich ihn sanft davon überzeugen, sich einen anderen Spiegel zu suchen. Oder einen Baum (ordinäre Natur). Weil da unten ist es finster. Aber Gustav wusste um die Bewandtnis des herannahenden Garagentors und flog davon, so schnell konnte ich gar nicht schauen. Ich konnte mich nicht einmal von ihm verabschieden.

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