Hologramm bewacht russische Behindertenparkplätze

Das merken sie sich garantiert: Ein Rollstuhlfahrer-Hologramm maßregelt russische Autofahrer, die ihr Fahrzeug ohne Berechtigung auf einem Behindertenparkplatz abstellen wollen.

08.05.2015 Online Redaktion

Behindertenparkplätze gibt es, damit Autofahrer mit Behinderung und entsprechendem Ausweis darauf parken können. Eigentlich ganz logisch. Auch logisch ist, dass die Behindertenparkplätze immer günstig gelegen sind, also z.B. nahe am Eingang des Supermarkts. Als wäre das nicht schon verlockend genug für Parkplatzsuch-faule Autofahrer ohne Behindertenausweis, sind die speziell gekennzeichneten Plätze noch dazu häufig auch dann unbesetzt, wenn die anderen Parkmöglichkeiten in der näheren Umgebung schon ziemlich gut besucht sind. Es ist also nicht besonders verwunderlich, dass sich viele Autofahrer ohne Behindertenausweis dazu hinreißen lassen, den riesigen blauen Rollstuhl am Boden gekonnt zu übersehen und ihr Auto „nur ganz kurz“ am Behindertenparkplatz abstellen.

Geldstrafen bis zu 726 Euro

Damit nehmen sie aber nicht nur berechtigten Personen die Möglichkeit zum möglichst beschwerdefreien Parken, sondern riskieren – in Österreich – zudem eine Anzeige und Geldstrafen von bis zu 726,- Euro. Das ohne Berechtigung auf einem Behindertenparkplatz abgestellte Fahrzeug kann auch abgeschleppt werden.

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Rollstuhlfahrer-Hologramm bewacht russische Behindertenparkplätze

Damit all das gar nicht erst passieren kann und Autofahrer sich wieder daran erinnern, dass Behindertenparkplätze nicht einfach nur blau markierte, (fast) immer freie Parkmöglichkeiten für Draufgänger sind, hat die russische NGO Dislife ein „soziales Experiment“ gestartet. In Russland benutzen der Organisation zufolge 30 Prozent der Autofahrer Behindertenparkplätze, obwohl sie nicht dazu berechtigt sind. Daher installierte Dislife auf Behindertenparkplätzen ein ziemlich spannendes System: Eine Kamera überprüft, ob das herankommende Fahrzeug mit einem Behindertenausweis ausgestattet ist. Ist das der Fall, passiert nichts. Liegt allerdings keine Berechtigungskarte in dem Auto, poppt inmitten des Parkplatzes ein Hologramm auf, das den rücksichtslosen Autofahrer maßregelt. „Was tust du denn da? Ich bin nicht nur eine Markierung am Boden!“, erklärt das dreidimensionale Bild eines Rollstuhlfahrers den verdutzten Autofahrern. „Tu nicht so, als würde ich nicht existieren. Warum bist du überrascht? Immerhin ist das hier ein Parkplatz für Behinderte!“

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„More than just a Sign“

„Ja, ich bin echt. Bitte such dir einen anderen Parkplatz“, bittet der dreidimensionale Rollstuhlfahrer die ungläubig dreinschauenden Autolenker.  Im Zuge der Aktion „Mehr als nur eine Markierung“ installierte Dislife das System an Behindertenparkplätzen in russischen Einkaufszentren und Bürogebäuden. Sogar im Avia Park, dem größten Shopping Center Europas, bewachte das Hologramm die Behindertenparkplätze. Das Bild wurde auf einen durchsichtigen „Air Screen“, der für das menschliche Auge unsichtbar ist, projiziert. Per Computer steuerten die Projektleiter das Verhalten des Hologramms.

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„Deine Herausforderung ist es, meine Rechte zu respektieren“

„Ich muss mich jeden Tag zahlreichen Herausforderungen stellen. Deine Herausforderung ist es, meine Rechte zu respektieren.“ Diese Nachricht wollte Dislife mit ihrer Aktion in die Köpfe der Leute bringen. Obwohl die meisten sofort ihre Smartphones und Kameras zückten, um das unerwartete Spektakel festzuhalten, ist eines sicher: Dieses Erlebnis werden die Autofahrer bestimmt nicht so schnell vergessen.

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