Blick vom Weingut Harkamp auf die Landschaft
Ins Land einischaun
 

Rausch in Steillage

Wir fahren fort: Auf einen Berg im südsteirischen Sausal, wo eine Hotel-Aussicht zur Tagesbeschäftigung wird und die Weine alles über die Geschichte der Landschaft erzählen.

30.08.2013 Autorevue Magazin

 

Ob Sie gerade stören? Um ehrlich zu sein: Schon ein bisschen. Ich sitze hier im Schatten unter dem Kriecherl-Baum und schaue mir in aller Ruhe das Sausal an, das da unter mir liegt. Der Weingarten vor mir, dessen Zeilen sich in einer so schwindelerregenden Steilheit den Hang hinabwerfen, dass man ihnen nicht folgen könnte, ohne den Halt zu verlieren, gehört zur Riede Oberburgstall. Hier baut Hannes Harkamp den Gelben Muskateller an, den ich gerade im Glas hab. Ein köstlicher Stoff. Kein Parfum-Wölkchen, wie sonst oft, sondern ein Wein mit tiefer, klarer, facettenreicher Frucht. Das kommt vom Muschelkalk, auf dem die Reben hier stehen. Neben dem vielen Schiefer eine weitere Bodenbesonderheit dieser Gegend, eine Hinterlassenschaft des Urmeeres übrigens, das hier einmal war – Weintrinken als Geschichtsunterricht, könnte man sagen.

Blitzblau gewaschen

Ich weiß, es ist nicht einmal noch Mittag, aber was soll’s: Es ist so ein schöner Sommertag heute, die Luft klar nach dem nächtlichen Gewitter, der Himmel blitzblau gewaschen, die Sonne strahlend, und auf den Tischen neben mir wird schon für das Essen gedeckt.

Harkamp in Flamberg

Wir sind seit gestern beim Harkamp hier in Flamberg. Ein Bilderbuch-Hotel mit feinem Restaurant, das von Heinz Harkamp, dem Bruder von Hannes, geführt wird. Es ist ein altes Gasthaus, jetzt liebevoll ausgebaut, mit modernen Zimmern und eben diesem grandiosen Blick ins Sausal vom Garten aus. Früher hieß es deshalb „Zur Schönen Aussicht“, war seinerzeit schon eine beliebte Einkehr-Station auf dem Weg nach Süden und konnte wegen der ersten asphaltierten Bergstraße in der Gegend früh mit einer „staubfreien Anfahrt“ werben.

Weiter ins Land schauen

An der Steilheit der Straßen hat sich über die Jahre nichts geändert. Es ist ein kurviges Klettern, teilweise atemberaubend, auch wegen der Wegenge, die man geschwindigkeitsmäßig trotz der Hetz besser nicht ausreizt. Schon deshalb werde ich mich heute nicht vom Fleck rühren. Ich werde mir als Vorspeise Flusskrebse bestellen, danach Linguine mit Hasenpfeffer und köstlich marinierten Heidelbeeren, zum Abschluss Marillenkuchen mit Lavendel, und für das wildgefiederte Kücken, das seit Stunden durch die Weingärten tschundert, vielleicht ein Backhenderl mit grünem Salat oder so. Und weiter ins Land schauen. Sie entschuldigen mich bitte jetzt also. Und würden Sie am Weg hinaus der Kellnerin sagen, sie kann jetzt den Sauvignon bringen? Richtig, den vom Kogelberg.

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  • Susanne Hofbauer

    Ja, Kappel… sehr fein –> http://www.autorevue.at/autoreisen/kitzeck.html
    Immer wieder ein Vergnügen, die Südsteiermark…

  • Susanne Hofbauer

    XK 4,2! Ein würdiges Auto für diese schöne Gegend. Viel Spaß und danke für den Lösch-Tipp!

    • hubbie

      und weil´s so schön war: Eierschwammerl, Flusskrebse und Wagyu zum hauseigenen SB beim Kappel in Kitzeck mit Prachtblick bis nach Slowenien krönten die Standardrunde über Ehrenhausen, Ratsch, Leutschach und Arnfels, auch ein prächtiger Guss von oben timete sich perfekt, als gerade zum Heimritt das Alu-Tonneau übergezogen war…

  • hubbie

    habe zum Sausal eine ähnlich innige Beziehung, fahr da heute wieder hin im offenen XK 4.2, genieße durchaus Kreszenzen vom SV über MO bis zum GM, empfehle aber bei großer Hitze den Löscher mit seiner Flamberger Brauerei

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