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Guide Michelin: Warum empfiehlt uns ein Reifenhersteller Restaurants?

Der erste Guide Michelin erschien 1900. Seitdem bewertet ein Reifenhersteller Restaurants. Warum eigentlich?

11.04.2015 Online Redaktion

Es gibt Geschäftskombinationen, die ergeben auf den ersten Blick keinen Sinn. Schlüssel und Schuhe beispielsweise. Socken und Türklinken bietet ja auch niemand an. Und natürlich der Guide Michelin. Wie konnte es ein Reifenhersteller soweit bringen, dass die größten Chefköche zittern, wenn die Tester vor der Tür stehen? Warum empfiehlt uns ein Gummi-Gießer Restaurants?

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© Bild: Michelin

Geschichte des Guide Michelin

Im Jahr 1900 erschien der erste Michelin Guide. In Frankreich gab es damals lediglich 3.000 Autos im Straßenverkehr und Michelin verdiente sein Geld noch mit Fahrradschläuchen. Trotzdem wurden 35.000 Stück gedruckt und gratis verteilt. Die Ausgabe enthielt Tipps zum Umgang mit dem Auto, zeigte wo es Benzin gab und wo Batterien geladen werden konnten.

Die Idee dahinter war, dass die Nachfrage nach Autoreifen nur mit steigendem Verbreitungsgrad von Autos steigen würde. Also erklärte Michelin, wie einfach so eine „pferdefreie Kutsche“ doch sei. Es galt, den möglichen Autokäufern die Scheu vor der Technik zu nehmen.

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© Bild: Michelin

Auch werden nur dann Autoreifen gebraucht, wenn die Autobesitzer mit ihren Autos auch fahren. Wohin? Egal. Irgendwohin, wo es sich lohnt zu sein. Weil es dort beispielsweise ein sehr gutes Hotel oder ein phantastisches Restaurant gibt. Also gab der Michelin Guide ab 1923 auch Hotel- und Restauranttipps.

Das Sternesystem

Es folgte 1936 das bekannte Sternesystem:
Ein Stern: „Eine sehr gute Küche: verdient Beachtung“
Zwei Sterne: „Eine hervorragende Küche: verdient einen Umweg“
Drei Sterne: „Eine der besten Küchen: ist eine Reise wert“

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© Bild: Michelin

Heute ist der Guide Michelin nicht mehr wegzudenken. Während der Offensive der Alliierten erhielt der Restaurant-Führer nämlich noch eine historische Bedeutung. Die Befehlshaber befürchteten, dass sich die Soldaten verirren könnten. Schließlich mussten sie davon ausgehen, dass die Deutschen Wegweiser und Ortsschilder demontiert hatten. In aller Eile wurden in New York tausende Exemplare des damals aktuellsten Guide Michelin gedruckt. Der enthielt schon damals nämlich Land- und Stadtkarten.

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