An Action fehlt es in GTA V nun wirklich nicht.
 

Grand Theft Auto V – Gangsterepos zum Mitspielen

Grand Theft Auto V ist grafisch beeindruckend, atmosphärisch opulent und inhaltlich grandios. Das Spielprinzip muss man mögen, aber Fans der Serie tun das ja wohl.

09.10.2013 Online Redaktion

Seit 17. September ist mit Grand Theft Auto der elfte und umsatzstärkste Teil der GTA-Serie von Rockstar Games heraußen, und um sich eine anständige Meinung darüber bilden zu können, muss man es schon einige Zeit gespielt haben. Das funktioniert schon alleine deswegen nicht nach dem üblichen Spielebewertungsprinzip „Einschalten – Action – man hat sofort ein Bild weil es immer gleich weitergeht“, weil es dieses Mal drei spielbare Charaktere gibt, die man sich aber erst erarbeiten muss. Und bevor man nicht den vorerst kleinkriminellen Franklin (klein sind dabei nicht die Crimes, die er begeht, sondern eher der finanzielle Output), den eigentlich-seine-Ruhe-haben-wollenden und durch diverse geleistete Vorarbeit recht gut situierten Mittvierziger Michael UND den White-Trash-Psychopathen Trevor durch Los Santos navigieren kann, ist der ganze Spaß nur der Halbe.

GTA V: Grafisch gut, atmosphärisch top

Freilich stellt man relativ schnell fest, dass GTA vom Prinzip her gleich geblieben ist. Fast ebenso schnell wird klar, dass es gleichzeitig viel besser geworden ist. GTA V eignet sich perfekt dazu, kurz vorm Start der neuen Konsolengeneration seine uralte XboX 360 respektive PS3 noch einmal dabei zu beobachten, wie ihr alles abverlangt wird. Die daraus resultierenden mitunter recht langen Ladezeiten, beispielsweise beim Charakterwechsel, oder das schrittweise Aufpoppen der Umgebung, wenn man einmal zu schnell mitten in die Pampa gebrettert ist, sind dabei durchaus zu verschmerzen. Denn Los Santos ist nicht nur riesengroß und sieht verdammt gut aus, es ist, wenn auch beabsichtigerweise schwer überspitzt, unglaublich authentisch. Wenn man durch die Straßen cruist, am Pier spazieren geht oder sich sonst irgendwie herumtreibt, fühlt man sich unweigerlich schmerzlich an den letzten Kalifornien-Urlaub erinnert (oder verspürt plötzlich das dringende Bedürfnis, einmal dort hinzufahren.)

Customize your cruise

Das Herumcruisen kann in einem vorher nicht dagewesenen Ausmaß personalisiert werden. Das beginnt bei den 17 Radiosendern, die für jede Gemütslage den passenden Soundtrack bieten und auch zeitnah von Ereignissen, an denen man vielleicht nicht ganz unbeteiligt war, berichten, geht über die Auswahl der Fahrzeuge und die Möglichkeit, diese nach Belieben zu modifizieren, bevor man sie zu Schrott fährt, bis zum Style, den man dabei zur Schau trägt. Die Auswahl der Fahrzeuge ist enorm: Von Sport- und Super- und Extrem-Super-cars bis zu lahmen SUVs ist alles dabei, in Amerika cruist es sich, wenn man nicht gerade in Eile ist, besonders gut mit einem der Muscle Cars, die überall zusammengefladert werden können, online gibt es mit dem Hijack Khamelion auch ein Elektroauto, mit einem der 15 Motorräder ist man wendiger, mit Einsatz-, Industrie- und Militärfahrzeugen ist man langsamer, aber pompöser, und mit dem Fahrrad kann man auch durch die Fußgängerzone preschen, ohne dabei gleich jemanden umzumähen.
Man muss zudem nicht auf der Straße bleiben: Man kann und muss fliegen (!) und Jetski- und Bootfahren. All dem gemein ist, dass man natürlicherweise den Großteil seiner Zeit damit zubringt, sich von A nach B zu bewegen, wie auch immer. Wenn man davon genug hat, kann man in Los Santos auch wirklich viel anderes Zeug machen: Tennis spielen zum Beispiel, oder Golf, oder beim Yoga entspannen.

Story über Modus

Aber einmal von der grafischen und atmosphärischen Exzellenz und spielerischen Vielfalt abgesehen: Das beste an GTA V ist definitiv die Story. Darüber sei hier nicht zu viel gespoilert, nur folgendes festgehalten: Es ist wie ein Actionfilm zum Mitspielen. Dazu gehört, dass man sich auch durch eintönige Missionen kämpfen muss, um die Story voranzutreiben, die dafür aber ausgesprochen unterhaltsam ist. Und phasenweise extrem brutal. Und auch da muss man durch, sonst geht’s nicht weiter. Sollte also irgendein Zartbeseiteter einen Trip nach Los Santos erwägen: Tu’s nicht.

Wie bereits an anderer Stelle berichtet wurde, hat Rockstar zumindest die Nebencharaktere von echten Gangstern einsprechen lassen, und auch die Hauptfiguren scheuen vor Slang- und Kraftausdrücken nicht zurück. Für den durchschnittlichen nicht englischen Muttersprachler stellt das neben aller Unterhaltung ein kleines Problem im Gameplay dar, zum Beispiel wenn man ein Kraftfahrzeug lenken, dabei vielleicht noch schießen und gleichzeitig einem Typen, der einem irgendwas ur wichtiges erzählt, geistig folgen muss, und dadurch immer langsamer wird, weil man auch noch die vorbeihuschenden Untertitel irgendwie absorbieren muss, weil man sonst nichts mitkriegt. Da kommt es einem entgegen, dass der Schwierigkeitsgrad nicht einstellbar ist (gut, man kann Radar, GPS und wasauchimmer alles ausschalten, aber wer macht das schon?) und das Spiel spielerisch, naja, sagen wir „durchaus schaffbar“ ist. Zumindest im Storymodus. Für echt miese Skills wird man nicht mit generellem Versagen, sondern unfreiwilligen Slapstick-Einlagen gestraft. Online natürlich findet man sich plötzlich unter einem Haufen Nerds wieder, die einen gnandenlos platt machen.

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