Ausflug-Gablitz-10
 

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm

Wir fahren fort: Diesmal ins Wiener Umland, wo hinter Gablitz eine rustikale Einkehrstätte mit einem Apfelbaumgarten aufwartet.

24.03.2011 Autorevue Magazin

Alles ist eine Frage des richtigen Wetters. Ausflüge besonders. Bei Schneesturm wird man eher ein kulinarisches Sanktuarium suchen, wo man sich ein paar Tage einschneien ­lassen kann und dies als ­Bereicherung empfinden würde. Wenn der Himmel dagegen sein unverschäm­testes Herbst-Blaublau aufsetzt und es einem eigentlich schon reichen würde, sich auf den Rücken in die nächste Wiese zu legen, um auf einen abgefahrenen inneren Trip zu gehen, entfalten die ein­fachsten Dinge den wahren transzendentalen Reichtum.

Dieser Tage vermittelt die Natur ihr Können aber auch akustisch und körperlich. In der Wiese liegend hört man sie ringsum fallen. Die reifen Früchte. Mit einem weichen Schmatzen platschen sonnenweiche Zwetschken ins Gras, eher hart dagegen wirft der Apfelbaum mit seiner Jahresernte um sich, weshalb es klug ist, Abstand zu Stamm und Krone zu halten. Auf den Kopf sollte man so ein Fruchtgeschoss besser nicht kriegen.

Ort der Erkenntnis war Gablitz, ein elendslanges Straßendorf mit hohem Wohnstandard (Villen, Hanglagen, Wald) an der B1 gleich an Purkersdorf anschließend. Dort gibt es am westlichen Ortsrand eine Abzweigung, die direkt über Wiesen auf den Wald zuführt. Am Ende der rechten Sackgasse liegt die Laabacher Schenke, die man als Start (für eine Radtour oder einen ordentlichen Spaziergang zum Beispiel auf den Troppberg und seine Warte) oder gleich als Ziel nehmen kann. Die Laabacher Schenke selbst ist ein Kuriosum, das baulich und innenarchitektonisch an eine Skihüttenkantine der frühen Achtziger erinnert, mit Selbstbedienung, getrennt in Essen- und Getränketheke. Drinnen einkehren sollte man nur, wenn draußen die Welt untergeht und jeder weitere Meter Weg unzumutbar wäre.

Draußen hingegen ist sie der Garten Eden, besonders um diese Jahreszeit. Man sitzt unter vollen Apfelbäumen auf rustikalen, wetterdunklen Holztischen, schaut in diesen psychedelisch blauen Himmel und über arg grüne Wiesen Richtung Großstadt, isst ein passables Schnitzerl, großartige gefüllte Paprika oder eine so ein­fache Köstlichkeit wie Saure Wurst, trinkt erfrischend herben Most (auch den ­süßen), hört den nahen Äpfeln beim Fallen und angenehm entfernten Kindern beim Herumtoben zu (Spielplatz am anderen Ende der Wiese).

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