Hauptspeise
Eine Gaumenfreude
 

Vogerl mit Schraubverschluss

Wir fahren fort: Diesmal in die Oststeiermark, wo man aufs köstlichste der Konservierungskunst von Geschmackslebendigkeit kundig ist und einen auch die Landschaft lustig macht.

25.05.2014 Autorevue Magazin

Kann sich noch jemand erinnern, wie es sich angefühlt hat, in der warmen Sonne zu sitzen, die Hemdsärmel aufgekrempelt, die Stirne feucht vor Schweiß, in der Hand ein kaltes Getränk zur inneren Kühlung? Die Luft war voller Duft nach saftigen Wiesen, fetter Erde und reifen Früchten, die in Körben und Steigen von den Feldern und aus den Gärten getragen wurden, und man wusste gar nicht, wohin mit der üppigen Ernte.

Das pralle Leben war das. Und jetzt? Weiß noch jemand, wie die Sonne aussieht? (Alle, die die letzten zwei Monate über der Nebelgrenze verbringen durften, sollten jetzt bitteschön schnell einen Apfel essen.)

Einkochen in der Oststeiermark

Glücklicherweise gibt’s eine Methode, wie sich Früchte haltbar machen lassen, und zwar so, dass man vom Endprodukt dann nicht notwendigerweise besoffen werden muss. Es geht ums Einkochen, genau, und in der Oststeiermark, genauer in Walkersdorf nahe Ilz, residiert einer der Einkoch-Ober-Sachverständigen des Landes, der diese Großmutter-Küchenarbeit zur kulinarischen Kunstform gemacht hat.

Vom Sacher in die Steiermark

Der Fink ist als gefiederter Frühlingsbote ein Begriff und als steirische Haubengröße, der Station gemacht hat an namhaften Essadressen im Lande, zuletzt war er Küchenchef im Wiener Sacher und machte auch das elterliche Wirtshaus in Riegersburg zu einer überregionalen Pilgeradresse. Jetzt hat sich Hans-Peter Fink einen Steinwurf von der monumentalen Burg entfernt im Gasthaus Haberl niedergelassen, wo er in angenehm unprätentiös eingerichtetem Ambiente saftig-intensive Kochkreationen mit grundguter Bodenhaftung auf den Tisch bringt, bei denen auch seine Köstlichkeiten aus dem Rex-Glas ihren Einsatz finden. Auf dem gewählten Wintersalat etwa befanden sich dünne Scheiben von eingelegten schwarzen Walnüssen, die aufs hervorragendste mit ihren ­honigkaramellisierten Verwandten harmonierten. Das krach-saftig gebratene Jungschweinerne kam dann in Begleitung von kleinen Erdäpfelstrudel-Stangerln und Steinpilz-Blattspinat, und den Käseteller haben wir unter ­anderem wegen unserer Wertschätzung dem Fink’schen Quittengelee gegenüber gewählt und gut daran getan.

Der Winter kommt bestimmt

Geht man zu einer christlichen Zeit beim Haberl essen, kann man danach im modernen Hofladen hinter dem Gasthaus einen kleinen Wintervorrat an Chutneys, Marmeladen, Gelees, Pestos und eingelegten Garten- und Feldfrüchten mitnehmen. Das Einkaufen geht aber auch über das Internet, falls der Laden nicht mehr offen hat oder man seine Zeit anders nützen möchte.

Vorbei am Vulkan

Denn die Oststeiermark ist nicht nur eine kulinarisch interessante Gegend, sie hat auch andere Kurzweil zu bieten. Die Erdzornigkeiten, die sich vor sehr, sehr langer Zeit hier ereigneten, haben die Landschaft nämlich in eine lustige Hügellandschaft aufgeworfen. Die Straßen winden sich die längst erkalteten Lava-Spuk-Mugeln hinauf und hinunter, dass einem das Herz im Leib Purzelbäume schlägt. Fürs Ausfahren sei freilich zu beachten, dass bei manchen dem Herz auch der Magen folgt. Also: Dann eher alleine fahren. Und wochentags. Wegen der Verkehrsdichte. Das Essengehen ist dann aber nur mehr halb so lustig. Das sei dazugesagt.

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  • christian maroschek

    30 jahre bin ich jetzt abo-leser der autorevue,liebe susanne. aus dem grund duze ich dich auch, nicht aus unhöflichkeit, sondern aus der gewissheit heraus, daß die ganze autorevuebelegschaft und deren hervorzügliche produktion teil meines lebens, meiner daseinsfreude ist. umso mehr als du eine eigenschaft beschreibst, die auch mich bewegt: die unbändige leidenschaft des kulinarischen genusses….tausend und ein danke für deine literarischen preziosen übers fortfahren und essen- und solltest du wirklich einmal eierschwammerl nicht suchen sondern einfach nur `brocken wollen (sic gusto 09/13) so laß es mich wissen….christian (facebook: Casa Maro http://www.casa-maro.at)

  • Chrisu

    Beim Lesen Ihrer Texte rinnt mir jedesmal das Wasser im Mund zam…

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