© Fotografie Katharina Jäger, 2011
© Fotografie Katharina Jäger, 2011
 

Essen aus dem 3D-Drucker

Das Auge isst mit: Durch 3D-Drucker wieder in Form gebrachter Nahrungsbrei soll Menschen mit Kau- und Schluckbeschwerden die Freude am Essen zurückgeben,

04.06.2014 Online Redaktion

Das 3D-Drucker um einiges mehr können, als irgendwelchen Krempel, den man sich gerade ausgedacht hat, zu produzieren, ist mittlerweile klar. Ein Japaner hat funktionsfähige Waffen gedruckt (und wurde verhaftet), Chinesen druckten 10 komplette Häuser für einen Business-Park in 24 Stunden, Elon Musk will ein Raumschiff zum Transport von Touristen (oder zumindest Teile davon) ausdrucken und australische Mediziner lassen mit Hilfe von 3D-Druckern Knochenbrüche schneller heilen.

Mahlzeit: Vor dem Verdrücken Drucken

Geradezu primitiv scheint dagegen die Idee, Essen auszudrucken. Aber so einfach sie ist, so genial ist sie auch: Wer bereits mit irgendwie ess-behinderten Menschen zu tun hatte, weiß, dass für diese das Nahrungsangebot aufgrund von Kau-, Schluck- oder sonstigen Beschwerden entweder streng limitiert (auf Lebensmittel mit per se mehr oder weniger flüssigem Aggregatzustand) oder streng genommen ziemlich abstoßend (jegliche Lebensmittel auf den Aggregatzustand „mehr oder weniger flüssig“ hingetrimmt, also püriert) ist. Wer nicht gerade in einem Altersheim oder sonst wo, wo diese Problematik omnipräsent ist, arbeitet oder lebt, wird sich darüber aber vermutlich eher weniger Gedanken machen. Sollte man aber. Man stelle sich vor, man bekäme seine Lieblingsspeisen aufgrund körperlicher Unzulänglichkeiten oder Verfallserscheinungen plötzlich kaum mehr hinunter oder nur mehr zu einem unansehnlichen Brei zermatscht vorgesetzt – auf die Dauer bestimmt alles andere als erfreulich. Genau das ist aber gängige Praxis in den meisten Altersheimen – püriertes Essen. Dass viele Menschen bei solchen Voraussetzungen irgendwann gar keine Lust mehr haben, überhaupt etwas zu sich zu nehmen, ist mehr als verständlich. Verminderte Nahrungsaufnahme führt aber nicht nur zu Mangelerscheinungen, sondern auch zu verminderter Lebensfreude. Was also tun, wenn der Körper beim Verzehr von geliebten Köstlichkeiten nicht mehr mitspielt?

Projekt mit 3 Mio. Euro von EU gefördert

Diese Frage haben sich die Initiatoren des Projektes PERFORMANCE (PERsonalised FOod using Rapid MAnufacturing for the Nutrition of elderly ConsumErs), das von der EU mit 3 Millionen Euro gefördert wird, gestellt. Und sind zu folgendem Schluss gekommen: Es müsste doch möglich sein, Speisen, die durch Pürieren zwar in einen leicht verzehrbaren, aber höchst unappetitlichen Zustand gebracht wurden, optisch und haptisch ansprechend anzurichten. Das Auge isst immerhin mit. Und es ist möglich, und zwar mit Hilfe von 3D-Druckern, die dem Nahrungsbrei wieder die Form verleihen, die er vor dem Pürieren hatte – also zum Beispiel jene von Kalbsrouladen mit Karotten und Kartoffelpüree.

© Fotografie Katharina Jäger, 2011

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Praxis-Einsatz in über 1000 Altersheimen

Das Ganze ist nicht nur eine nette Idee, sondern auch bereits praxiserprobt: Angeblich nutzen die PERFORMANCE-3D-Food-Technologie bereits über 1000 Altersheime in Deutschland. Wie genau das Drucken von Essen – auch logistisch – funktioniert, zeigt dieses Video.

 

 

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