Der Wechsel auf eine "Überholspur im Internet" wäre kleineren Firmen aus Kostengründen nicht möglich.
 

Ende der Netzneutralität in den USA?

Die US-Telekomaufsicht FCC plant, eine bevorzugte Behandlung von Datenströmen gegen Bezahlung zu erlauben – Kritiker befürchten eine Abkehr vom Prinzip der Netzneutralität

24.04.2014 APA

Wie am Mittwoch bekannt geworden war, plant die US-Telekomaufsicht FCC, eine bevorzugte Behandlung von Datenströmen gegen Geld zu erlauben, so lange die Vereinbarungen „kommerziell angemessen“ seien. Verbraucherschützer verurteilen die Pläne als eine Verletzung des Prinzips der sogenannten Netzneutralität, demzufolge alle Daten gleich behandelt werden müssen. Dies könnte nach ihrer Darstellung zu einem „Internet der zwei Geschwindigkeiten“ führen. Internet-Anbieter fordern dagegen die Möglichkeit, verschiedene Preismodelle anzubieten.

Neufassung der Regeln zur Netzneutralität

Der Vorstoß sei Teil einer Neufassung der Regeln zur sogenannten Netzneutralität, wie das „Wall Street Journal“ und die „New York Times“ berichteten. Unternehmen wie Disney, Netflix oder Google sollen demnach die Möglichkeit bekommen, ihre Dienste mit garantierter Qualität zum Kunden zu bringen. Dafür müssten die Firmen den Internetanbietern wie Comcast oder Verizon einen Aufpreis zahlen. So könnte beispielsweise ein Video-Streamingdienst sicherstellen, dass Nutzer die Filme ohne Ruckeln sehen können.

Kritiker befürchten Benachteiligung kleinerer Firmen

Kritiker fürchten eine Abkehr vom bisherigen Prinzip der Netzneutralität, nach dem alle Datenpakete im Internet gleich behandelt werden müssen. Damit müssen für Internetnutzer alle Dienste gleich gut und schnell funktionieren. Ohne diese Regel könnten kleinere Firmen benachteiligt werden. Sie könnten sich die Extra-Zahlungen an die Internetanbieter womöglich nicht leisten und müssten dann mit einer schlechteren Übertragungsqualität rechnen. Nach dem Motto: Wer es sich nicht leisten kann, auf die Überholspur zu wechseln, steht im Stau.

FCC: Keine Abkehr von Netzneutralität geplant

Die FCC steht hinter der Plänen. Dem Verbraucher werde kein Schaden entstehen, erklärte der FCC-Vorsitzende Tom Wheeler am Donnerstag in einem Blog-Posting. Die Berichte über eine grundsätzliche Abkehr von der sogenannten Netzneutralität seien „schlicht falsch“, so Wheeler. Die „grundlegenden Ziele der Transparenz“ blieben unangetastet. Zudem würden die Behörden die Internet-Anbieter bestrafen, die „in unangemessener Weise“ Websites benachteiligten.

Die Netzneutralität ist auch in Europa umkämpft. Zuletzt sprach sich das EU-Parlament nachdrücklich für eine Gleichbehandlung von Inhalten im Internet aus.

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