Die Mercedes S-Klasse innen
Die Mercedes S-Klasse bietet schon den frischen Duft an.
 

Gerüche im Auto

Jahrzehntelang gab es im Auto kaum andere Düfte als penetrante Geruchsbelästigungen von Wunderbäumen. Doch die Autohersteller haben dezente Düfte mittlerweile als Wohlfühlfaktor für den Innenraum entdeckt.

04.01.2014 Press Inform

Ein neues Auto riecht einfach einzigartig. Einmal die Tür des Neuwagens öffnen und einem strömt dieser unvergleichliche Duft entgegen. Besonders edel wird die verwöhnte Nase betört, wenn der jüngst erworbene Traumwagen mit einer hochwertigen Lederausstattung ausstaffiert wurde. Frisch verlegte Teppiche, auf Hochglanz polierte Verkleidungen und Holzoberflächen – das alles sorgt für den Neuwagenduft, den eine Vielzahl von Zubehörfirmen mittlerweile schon in Flaschenform zum nachsprühen anbieten. Ist nie dasselbe wie beim Erstkauf des eigenen Fahrzeugs und verfliegt fast ebenso schnell, wie man es im Zubehörhandel erworben hat.

Die Mercedes S-Klasse innen

Die Mercedes S-Klasse bietet schon den frischen Duft an.

Wunderbaum, das ganze Jahr

Noch schlimmer macht es nur der legendäre Wunderbaum, der mit nicht enden wollender Dauerhaftigkeit die Innenspiegel zumeist allzu heruntergekommener Vehikel schmückt und die Insassen mit wenig betörenden Düften wie Vanille, grüner Apfel oder Sportfrische zu betören versucht. Der Wunderbaum in Form einer abstrakten Tanne kam in den 60er Jahren aus den USA nach Europa und wurde zu einem festen Bestandteil der zunehmend selbstbewusster werdenden Gebrauchtwagenwelt.

Grafik zur Beduftung der Mercedes S-Klasse

Der dezente Duft wird unsichtbar aus den zahllosen Lüftungsdüsen abgegeben.

Die Lufterfrischer setzen sich durch

Im Laufe der Jahre wurden die in Plastik eingeschweißten Wunderbäume am Innenspiegel von Lufterfrischern verdrängt, die in die Lüftungsgitter eingeclipst werden konnten. Je stärker die Lüftung bläst, umso mehr werden die Erfrischer durchströmt und geben ihre Düfte an Innenraum und Insassen ab. Es gibt nur zwei Lager: die einen lieben Wunderbaum und automobile Parfümspender – die anderen hassen sie und öffnen beim Wunsch nach frischer Luft einfach Seitenfenster oder Schiebedach.

Die Mercedes S-Klasse innen

Bei der S-Klasse kann zwischen vier Düften ausgewählt werden.

Integriertes Parfüm

Der rechte Duft im Auto ist nicht einfach zu finden. Citroen und Peugeot machten auf dem europäischen Markt vor rund zehn Jahren den Anfang und brachten erste Modelle mit austauschbaren Duftsticks auf den Markt. Die Intensität der Duftpatronen – weitgehend unsichtbar im Armaturenbrett untergebracht – lässt sich mechanisch einstellen. Aktuell sind die integrierten Parfümspender in Modellen wie dem Peugeot 308 oder dem Citroen DS3 Cabrio zu bekommen. Die Akzeptanz blieb jedoch nicht nur in Deutschland eher mäßig und Nachahmer gab es lange Jahre nicht.

Der BMW 7 innen

Dr. Andreas Wehrmeier tüftelt bei BMW an den Gerüchen.

Die Rückkehr der Gerüche

Doch mit der wachsenden Bedeutung der Fahrzeugverkäufe in Asien kommt den Gerüchen im Auto eine neue Bedeutung zu. Hier setzt die noch junge Mercedes S-Klasse als Aushängeschild der Luxusliga neue Maßstäbe. Denn wer in den belederten Lümmelsesseln erst einmal seine Wunschposition gefunden hat, genießt die exzellente Ergonomie, große Farbdisplays sowie einen dezenten Duft, der unsichtbar aus den zahllosen  Lüftungsdüsen abgegeben wird. „Man kann zwischen vier Düften wählen“, erläutert Mercedes-Trendforscherin Sabine Engelhart, „aber wer will, kann natürlich auch seine eigenen Düfte einfüllen.“ Die im Handschuhfach verbaute Patrone hält für 700 bis 900 Stunden. „Alle fünf Minuten wird die Luft, die verströmt wird, parfümiert“, so Sabine Engelhart weiter. Das Duftspektrum reicht vom frischen Freeside Mood mit Zitruselementen bis hin zum leicht süßlichen Nightlife Mood, der mit Hölzern und Leder spielt. Zudem wird die Luft in Verbindung mit dem Air-Balance-Pakets ionisiert.

Der BMW 7 innen

Der 7er BMW bietet viel Luxus.

Frischer Smog

Dr. Andreas Wehrmeier ist bei BMW unter anderem für Werkstoffe und Gerüche zuständig. „Eine Nachfrage zu Düften im Fahrzeug gibt es insbesondere in China. Dort, wo die Luftverschmutzung und die natürlichen Gerüche von außen übertüncht werden sollen.“ Wie andere Hersteller mit entsprechender Bedeutung auf dem chinesischen Markt arbeitet BMW ebenso wie Audi oder Volkswagen daran, dezente Wohlfühlgerüche nach Vorbild von Mercedes und Citroen ins Auto zu bringen. Doch bevor es um die angenehmen Düfte geht, heißt es, unangenehme Gerüche aus dem Inneren des Fahrzeugs zu verbannen. „Die deutschen OEMs fahren hier eine einheitliche Linie“, erklärt Dr. Andreas Wehrmeier, „wir testen alle nach den gleichen Methoden. Hierbei wird der Innenraum des Autos auf 65 Grad Celsius erhitzt, denn bei hohen Temperaturen werden die meisten Schadstoffe ausgestoßen. Etwaige Quellen werden abgestellt, denn an sich soll es bei uns im Autoinnenraum nach gar nichts riechen.“ Tests der asiatischen Autohersteller laufen im Gegensatz dazu bei einer Innentemperatur von 23 Grad ab, um den Realbetrieb für die Insassen bestmöglich darstellen zu können. In den 80er und 90er Jahren hatte das immer wieder für Diskussionen gesorgt, weil einige asiatische Autoinnenräume bei hohen Temperaturen unangenehm abdampften.

Der Citroen DS3 innen

Citroen hat schon vor 10 Jahren mit Düften experimentiert.

Für alle Sinne

Besonders die Fahrzeuge der internationalen Premiumliga wollen die luxuriösen Ausstattungen von vollklimatisierten Ledersitzen, Massagefunktionen und animierten Bildschirmen zukünftig mit einem sanften Duft unterstreichen, der eine angenehme Atmosphäre verbreitet. Neben der Mercedes S-Klasse ist der Nasenurlaub auf Knopfdruck bereits bei Infiniti, in Europa weitgehend unbedeutender Luxus-Ableger von Renault-Nissan, zu bekommen. Im Infiniti M35 h zum Beispiel lässt sich über einen Taster im Cockpit die so genannte Forest-Air-Funktion ansteuern. Nach kurzer Zeit wird die Luftzirkulation des Edel-Japaners mit Kiefernwaldarmomen verfeinert. Neben einer automatischen Umluft, einem Brisen-Modus, Plasmacluster-Luftreiniger und Polyphenolfilter werden hier ätherische Öle hinzugefügt. Allerdings nicht in Duftbaum-Quantität, sondern äußerst zurückhaltend. Eines steht fest: in den nächsten Jahren wird es im Auto einiges zu erschnuppern geben. Ob es einem gefällt oder nicht.

Dank geht an die Kollegen von press-inform.com

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