Dieser Bakterien-Beton repariert sich selbst

Diese Erfindung soll die Lebensdauer von Straßen und Gebäuden drastisch erhöhen: Beton, der sich selbst heilen kann

24.05.2015 Online Redaktion

Beton, der sich selbst reparieren kann, soll die Lebensdauer von Straßen und Gebäuden in Zukunft deutlich erhöhen. Was ein bisschen nach Science Fiction klingt, hat ein niederländischer Forscher möglich gemacht: Hendrik Marius Jonkers von der Technischen Universität in Delft suchte nach einer Möglichkeit, wie sich substanzschädigende Risse im Beton vermeiden lassen – und fand eine Bakterien-Art, die normalerweise in Vulkangestein lebt.

„Bio-Beton“ schließt feine Risse

Die Renovierung von Gebäuden in der EU kostet mehrere Milliarden Euro pro Jahr. Der niederländische Mikrobiologe Hendrik Jonkers und sein Team machen für einen Großteil davon die Risse, die bei alltäglicher Belastung im Beton entstehen, verantwortlich. Nach jahrelanger Forschung gelang ihm die Entwicklung seines so genannten „Bio-Betons“, der in der Lage ist, sich mit Hilfe von Bakterien selbst zu heilen.

Erfindung soll mehrere Milliarden Euro einsparen

„Wir denken, dass unser Beton die Art, in der gebaut wird, revolutionieren wird. Wir wurden von der Natur inspiriert: Pflanzen und Tiere haben die Fähigkeit, sich selbst zu heilen. Und wir haben nun ermöglicht, dass Beton das selbe tut“, so Jonkers. Durch seine Erfindung sollen Milliarden von Euros im Jahr eingespart werden können.

Bakterien scheiden Kalkstein aus

Bei „herkömmlichem“ Beton entstehen bereits nach wenigen Jahren feine Risse. Durch sie kann Wasser in die Wände der betroffenen Gebäude eindringen, wodurch der im Beton enthaltene Stahl zu rosten beginnt. Eine bestimmte Bakterien-Art ist allerdings in der Lage, dieses Problem aus der Welt zu schaffen: Kommen sie mit Wasser in Berührung, werden die Bakterien aktiv, beginnen zu fressen und scheiden schließlich Kalkstein aus. Kalkstein ist der Hauptbestandteil von Zement und verschließt in Verbindung mit dem eingetretenen Wasser die entstandenen Risse von Innen.

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© Bild: YouTube

Auch kilometerlange Risse sind kein Problem für die Bakterien

Die „Super-Bakterien“, die das ermöglichen, kommen normalerweise in der Nähe von Vulkanen vor und sind hitze- sowie kälteresistent. „Die Bakterien kommen in der Natur vor. Sie leben normalerweise in Gestein. Das besondere an ihnen ist, dass sie „Sporen“ bilden. Somit sind sie für unseren Beton perfekt geeignet, da sie sehr lange Zeit überleben können“, erklärt Jonkers. Die Bakterien werden gemeinsam mit Calziumlactat, von dem sie sich ernähren, unter den flüssigen Beton gemischt. Kommen sie nicht mit Wasser in Kontakt, sollen die Bakterien bis zu 200 Jahre lang im Beton „schlafen“ können. Dringt allerdings Wasser ein, beginnt das große Fressen und… Kalkstein-Ausscheiden: In nur 3 Wochen verschließen die Bakterien die Risse – egal, wie lang diese sind. „Es gibt keine Obergrenze für die Länge der Risse. Sie können Zentimeter, Meter oder sogar Kilometer lang sein. Was entscheidend ist, ist die Breite der Risse. Die Bakterien können Risse mit einer Breite von bis zu 0,8 Millimeter verschließen“, so Jonkers.

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© Bild: YouTube

„Bio-Beton“ ab 2016 erhältlich

Von Jonkers Entdeckung sollen aber nicht nur neue Gebäude, die mit dem Spezial-Betongemisch gebaut werden, profitieren. Der Wissenschaftler und sein Team arbeiten auch an einer dieselben Bakterien enthaltenden Flüssigkeit, die auf bereits bestehende Gebäude aufgetragen werden kann. Diese Flüssigkeit soll bereits heuer auf der Markt kommen, der „organische Beton“ wird voraussichtlich ab 2016 erhältlich sein.

European Inventors Award für Jonkers?

Für seine Erfindung wurde Jonkers für den European Inventors Award nominiert. Ob er ihn tatsächlich bekommt, wird sich im Juni entscheiden. Jonkers freut sich trotzdem bereits jetzt: „Ich freue mich sehr über die Nominierung, weil sie unserer Erfindung sehr viel Aufmerksamkeit verschafft. Ich denke, das bringt uns ein ganzes Stück weiter.“

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