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Des Teutonen Neid

Verkehrsrecht: Österreich vs. Deutschland – Gibt es etwa doch Unterschiede?

08.10.2011 User

Anmerkung der Red.:
Bis ins Nachbarland hat sich unser Quiz zum Verkehrsrecht herumgesprochen. Was dann, so meinen wir zwischen den Zeilen des folgenden Leserblog heraus gelesen zu haben, sogar etwas Neid ausgelöst hat.

Damit Sie die Vorgeschichte zu diesem Beitrag verstehen:
Hier ist unser Quiz zum österreichischen Verkehrsrecht.
Und hier ist eine Stellungnahme, die auf die lautesten Beschwerden eingeht.

Genug der Vorgeschichte, hier kommt der Leserblog von Andreas Jäckel:

Ob es Sinn ergibt mit Skischuhen Auto zu fahren, oder ob eine SMS so wichtig sein kann, dass man sie am Steuer schreiben muss, das sollte jeder für sich selbst beantworten. Die große Frage, die ich mir stellte, als ich das Quiz der Auto Revue ausfüllte, war jedoch: Ich als Deutsche habe das doch anders gelernt.

Gut, dass es auf der Welt verschiedene Verkehrsrichtlinien gibt, weiß jeder, so darf man in Griechenland tagsüber NICHT mit angeschaltetem Licht fahren. Aber gibt es zwischen Österreich und Deutschland tatsächlich so einen Unterschied im Verkehrsrecht?

Während im Nachbarland Österreich (ich wohne ja in Bayern) ein freies Sichtfeld zum Autofahren genügt, sollte man es mit der Entfernung des Schnees in Deutschland deutlich genauer nehmen. Nur eine freie Scheibe, kann schnell teuer werden. Das Auto hat bei Antritt der Fahrt von Schnee befreit zu sein – inklusive der Scheinwerfer (Blendgefahr und Sichteinschränkung), des Dachs oder andere Flächen auf dem Auto, von denen der Schnee weggeweht werden und somit den nachfolgenden Autofahrern die Sicht nehmen könnte. Bei Nicht-Einhaltung ist der Geldbeutel schnell um achtzig Euro leichter (und der Deutsche bekommt auch noch brav 3 Punkte in Flensburg).

Wenn das Auto frei ist, die Straße aber nicht und der Bäcker des Vertrauens sich auf einem unüberwindbaren Berg befindet, heißt es: Schneeketten anlegen und schnell zum Bäcker. Aber nur in Österreich. Dort kann man sein Auto mit Geschwindigkeiten bewegen, die sich von der „normalen“ Fahrt ohne Eisenschuh nicht unterscheiden. In Deutschland jedoch besagt §3 Abs. 4 der Straßenverkehrsordnung: 50km/h. Mehr nicht. Auch nicht unter günstigsten Umständen. Ob dies der Schonung des Straßenbelags oder der Lärmminderung dient… ich weiß es nicht.

Gut fahr ich halt langsamer, muss ich halt schnell ne SMS schreiben, dass ich später komme. Dafür anhalten? In Österreich nicht, in Deutschland nur dann nicht, wenn man 40 Euro übrig hat und gerne einen Punkt in Flensburg hätte.

Gut, dann ruf ich schnell an, die Ampel ist sowieso rot, also Handy ans Ohr. Ja das geht sogar in Deutschland. Aber auf alle Fälle das Gespräch beenden bevor man losfährt, sonst gibt es eine Rechnung in gleicher Höhe, wie beim SMS-Verstoß.

Skischuhe am Steuer? In Österreich liegt das im Ermessen des kontrollierenden Polizisten. In Deutschland hingegen ist hierfür kein Gesetz vorgesehen. Das Einzige was passieren kann, ist, dass man bei einem Unfall belangt werden kann und die Versicherung nicht für den Schaden aufkommt. Davon abgesehen: Ist es wirklich bequem mit Skischuhen Auto zu fahren???

Zum abgelaufenen Verbandskasten: In Deutschland verlangt die Polizei dafür zwanzig Euro Strafe. Ein neuer im Laden kostet zwischen fünf und zehn Euro. Da sollte man das Erste-Hilfe-Set lieber früh genug wechseln, so erspart man sich im Fall der Fälle 15 Euro. Damit kann man schon mal ein paar Bierchen kippen.

Super!

Und als verantwortungsvoller Mitbürger, lasse ich mein Auto stehen und schwinge mich auf den Drahtesel. Hin kein Problem, ich bin ja nüchtern. Vor dem Heimweg jedoch ist mit Bedacht abzuwägen ob man das Zweirad überhaupt noch bewegen darf. Während in Österreich nur ein Fahrverbot für das Gefährt, also das Fahrrad (Fiaker mal ausgeschlossen, die findet man in Deutschland eher selten), ausgesprochen wird, verschwindet im Merkel-Land bei einem Alkohlwert von 1,6 Promille oder höher auch gleich der Führerschein für geraume Zeit im Archiv der Polizei.

Mein Fazit: Gleich ist schon einiges in Deutschland und Österreich, aber das Verkehrsrecht beider Länder hält immer noch brav Überraschungen bereit, die es zu beachten gibt. Also besser betrunken mit Skischuhen in ein schneebedecktes Taxi steigen, das bei Gelb über die Ampel fährt, während der Fahrer eine SMS schreibt. Die Strafe müssen wir ja dann nicht zahlen.

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