David Bowie Jean Genie
David Bowie im Video zu Jean Genie.
 

David Bowie – The Jean Genie

David Bowies Jean Genie ist hart und minimalistisch in Szene gesetzt. Zu Zeiten als die Rockmusik pompös wird, will Bowie einen Kontrastpunkt setzen.

18.07.2013 Online Redaktion

Am Anfang standen elf Verurteilungen. Denn Jean Genet war Deserteur, Landstreicher und Dieb, bevor er zu einem einflussreichen Literaten wurde.

Jean wird  am 19. Dezember 1910 in Paris geboren. Mit nur sechs Monaten gibt ihn seine Mutter weg. Es folgt das traurige Leben eines tapferen Kindes. Er braucht eine neue Pflegefamilie, weil seine neue Mutter stirbt. Als eines der wenigen Adoptivkinder der damaligen Zeit kann er jedoch die Schule abschließen.

Von seiner Lehrstelle als Drucker flüchtet er. Und wird geschnappt. Seine neue Pflegefamilie betrügt er um Geld. Und wird ertappt. Er kommt in eine Besserungsanstalt, flüchtet… und wird geschnappt. Er geht zum Militär, desertiert, wird gefangen. Es folgt eine Aneinanderreihung von kleineren Delikten und Verurteilungen.

Im Gefängnis beginnt er zu schreiben und erregt so erstmals Aufsehen in der Pariser Künstlerszene, die um Namen wie Jean-Paul Sartre und Pablo Picasso kreist. Jean Genet schafft den Durchbruch und provoziert damit Skandale.

Wegen sexueller Abweichungen erteilte ihm die USA Einreiseverbot, in Deutschland hatte er Probleme mit der Bundesprüfstelle für Jugendgefährdende Medien und in Frankreich waren einige seiner Werke wegen pornografischen Charakters lange verboten. Freilich alles Richtersprüche, die von der Zeit dahingefegt wurden.

Wer etwas gelten will im Künstlerhimmel, der muss solche Schlachten in seiner Vita haben. Und Ende der 1960er Jahre wird Genet ohnedies politisch aktiv.

Er stellt sich auf die Seite der Studenten, die sich gerade in Paris am Umsturz versuchen. Weiter geht es in die USA, wo er über die Demokraten berichtet und für die Linken auf die Straße geht. Er trifft sich mit Gallionsfiguren wie William Burroughs und Allen Ginsberg und hält für die Black Panthers Vorträge.

Mitte der 1970er stellt er sich dann auf die Seite der Palästinenser und gegen die Landnahmepolitik Israels. Eine Entscheidung, die zum Bruch mit einigen seiner französischen Künstlerkollegen führte.

1979 erkrankte Genet an Kehlkopfkrebs, 1986 starb er daran in Paris.

David Bowie Jean Genie

David Bowie

Nach Aussage von David Bowie ist dieser Mann die Inspiration für den Song Jean Genie gewesen. Zumindest sagte er das. „This song is about a New York lady and a guy who lives in New York and he’s called Jean Genet“, summte er 1972 bei einem Live-Auftritt in London ins Mikrofon, um daraufhin das rustikale Werk anzustimmen.

Der Song ist absichtlich hart und minimalistisch in Szene gesetzt. Zu Zeiten als die Rockmusik immer pompöser wird, wollte Bowie einen Kontrastpunkt setzen.

Die Bewunderung zu Jean Genet war echt. Bowie selbst war der lebende Widerstand, optisch eine einzige Provokation und ein musikalisches Genie, aber die Behauptung, der Song sei für Jean Genet geschrieben, war reine Angeberei. Vielleicht wollte er sein Publikum auch in Buchhandlungen treiben.

Glaubhafter ist, dass der Song in der Wohnung von Cyrinda Foxe entstand. Cyrinda war zu diesem Zeitpunkt Model für die Jeansmarke „Jean Genie“. Angeblich wollte Bowie die Dame beeindrucken und schrieb den Song, während sie ihm zuschaute. Dafür spricht auch, dass Cyrinda im offiziellen Musikvideo zu sehen ist. Vielmehr geht es in dem Song um die Bühnenpersönlichkeit von Iggy Pop, wie Bowie auch in einem Interview erklärte.

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