La Subida Landpartie Cormons
Weil man aber ein Ende braucht um wieder einen Anfang zu finden, sucht man den Weg ans Meer
 

Rendezvous mit Rilke

Wo das Land ins Wasser fällt, die Küche anbetungs­würdig ist und Wege nach Dichtern benannt ­werden.

08.11.2010 Autorevue Magazin

Alles in der Welt lässt sich ertragen, sagte Johann Wolfgang und fügte, um den Allgemeinplatz per Einschränkung für die Hall of Fame der Weisheiten herzurichten, hinzu: außer eine Reihe von guten Tagen. Der berühmteste aller Weima­raner muss wohl seine prägenden Erfahrungen mit Weihnachten gemacht haben, anders lässt sich eine Erkenntnis dieser Tiefe und Endgültigkeit nicht erklären.

Die einzig vernünftige ­Reaktion auf 48 Stunden Glöckchenklingeln und alle Brandherde negierende Familieneinigkeit war jedenfalls die Flucht ans Ende der Welt. Dies lag im aktuellen Fall an einem Meeresfelsen an der oberen Adria, an dem ein anderer deutscher Dichterfürst seine Fußstapfen hinterlassen hat und die Aussicht weg­bereitend war.

Landpartie La Subida Cormons

Erst einmal wollen wir aber am Weg ein würdiges, per Kaminfeuer wohl beheiztes Quartier beziehen, das mitten in einer Gegend voll von wonniglich kurvigen schmalen Straßen liegt und perfekte Essensverpflegung samt idyllischem Auslauf verspricht. La Subida ist ­natürlich kein Geheimtipp mehr, überrascht aber jahreszeitlich in seinem diversifizierten

Erscheinungsbild: Ein Elysium in dörflichem Arrangement, bestehend aus der gemütlichen Trattoria „Al Cacciatore“, vis-à-vis davon eine rustikale Osteria, die für Abwechslung und Budgetschonung bei mehr­tägigem Aufenthalt sorgt. Dahinter eine Handvoll ­locker bis zum Waldrand hin verstreuter romantischer Steinhäuschen, allesamt alt und frisch hergerichtet, ­innen ganz in Holz unseres, mit zwei Balkonen und einem bei Bedarf zum Schlafzimmer hin zu öffnenden Badbereich.

Zu essen gab’s am Abend Stinco di Vitello arrosto und ein köstliches Kaninchen, dazu eine Flasche vom wunderbaren Ronco dei Roseti 1995 von Zamo, und als Abschluss einen Löffel von jedem Dessert, das in der Küche vorrätig war (und einen Grappa, selbstredend). Die Nacht war ruhig, der Lauf durch die vereisten Weingärten bei strahlendem Sonnenschein am nächsten Morgen eine himmelschreiende Großartigkeit.

Landpartie La Subida Localita Monte Cormons

Cormons liegt im Collio, gleich hinter Görz, in Spuckweite zur slowenischen Grenze, also im geschichtsträchtigen Hinterland, das mit interessanten kulinarischen Crossovers aufwartet, die der italienischen Küche hier einen ostisch spannenden Touch versetzen und einfühlsame Alltags­geschichten aus dem ehemals harten Grenzland erzählen. Von slowenischen Winzern, die früher täglich den Eisernen Vorhang überquerten, um in Italien Wein zu machen. Von allgegenwärtigem Militär (unten in der Ebene). Und von permanenten ­Geradeaussichten in eine verbotene Zone. Die verlorenen Buschlinien in der Weingartenlandschaft machen heute noch klar, wo einst das Ende war.

Weil man aber ein Ende braucht, zum Beispiel, um wieder einen Anfang zu finden, sucht man den Weg ans Meer, nicht auf ausgetretenen Pfaden, sondern über die Berge, wo man ausgespuckt wird an der Triestiner Küste nahe Duino. Dort steht ein Schloss auf einem Felsen, in dem Rilke einst seine Duiner Elegien begonnen hat. Ein Jahr war er hier zur Erholung. Wir bleiben eine Stunde. ­Gehen den vier Kilometer langen Rilkeweg hoch überm Wasser am Ende des Karsts entlang. Für einen nächsten Anlauf. In Sachen gute Tage.

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  • Lieber Wanderer, danke für das Feedback. Ich war tatsächlich damals, als die Geschichte entstand, das letzte Mal im La Subida. Danach lag es irgendwie nicht mehr am Weg. Solche Geschichten sind aber tatsächlich immer Momentaneindrücke, die auf das, was danach kommt, nicht Rücksicht nehmen können. Besten Gruß, Susanne Hofbauer

  • wanderer

    La Subida hat eine Entwicklung genommen, deren Sinn mir, dem Gast, leider verschlossen bleibt. Innerhalb von 3-4 Jahren ist das Anwesen und hier insbesondere die wunderschönen alten Wohn-Grotti verkommen. Das Personal einschl. Service-Personal im Restaurant handeln am Gast vorbei. Die oben genannten Preise sind längst überholt, denn die Nächtigung in den Häusern kostet mittlerweile mehr als € 150.- Es ist schade, aber der Padrone wird wohl wissen, was er da tut und somit kennt er auch die Konsequenz. Die mittlerweile im Umfeld schnellwachsenden Agritourismo-Angebote sind eine echte Alternative. Eines sollte der Reisende aber wissen; Tourismus in dieser Region hinter der Küste hat nicht den Stellenwert, den er in Grado und Lignano hat.

  • cat33

    Nach 35 Aufenthalten in den Country-Häusern: leider hat man mittlerweile komplett die Linie verlassen und ist auf Pseudo-Moderne umgestiegen – somit ist die Atmosphäre der gesamten Anlage dahin !!! Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist inzwischen eine glatte Unverschämtheit ! Die Häuser sind total verdreckt – kein Wunder: das Putzpersonal besitzt nicht einmal einen Staubsauger – das Mitbringen von Hunden ist erlaubt, vor fast jedem Haus liegt ein Hund, und, so schmutzig wie es innen ist, wahrscheinlich auch in den Betten. Die einst, gehobene, Stammkundschaft ist Campingplatzpublikum
    (und zwar niederste Kategorie) gewichen – nicht weniger Gäste sind mehr,
    sondern Hauptsache die Bude ist voll ! Nichts gegen Familien mit Babys und Kleinkindern – ist nur in dieser Anlage nicht das Richtige für alle Beteiligten (es wird geworben mit Familienurlaub, toll, die Gäste mit kleinen Kindern waren total genervt: das Gelände ist sehr steil und mit Strassen durchzogen. Die Leute fahren nie mehr hin, aber die Stammgäste wie uns hat Sig. Sirk damit auch endgültig vergrault !
    Absolut niveaulos. Reiner Nepp -aus "dem Ort, wo Du noch träumen mögest…" (Zitat Sig. Sirk im Prospekt)
    ist ein Alptraum geworden – schade drum !
    Das Lokal ist von neureichen Österreichern überfüllt – statt Genuss
    lärmende Kinder, die Fangen spielen.. auch hier: Niveau im Keller, da hilft die ganze Hochglanz-Werbung nichts mehr.
    Sehr schade, dass Josko seinen Traum verlassen hat und jetzt
    komplett auf Kommerz macht !!
    Wir fahren sicherlich nicht mehr hin – auch andere langjährige Stammgäste bleiben mittlerweile aus…

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