Mit Honig und Nüssen marinierter Salat mit warmem Ziegenkäse in der Brasserie Le Meierhof
Mit Honig und Nüssen marinierter Salat mit warmem Ziegenkäse
 

Vive le Süßkram!

Wir fahren fort: Dorthin, wo einst Invasoren befürchtet wurden und sich nun französischer Einfluss ganz leise ins Burgenländische mischt.

04.11.2013 Autorevue Magazin

Es gibt Ausflugsdestinationen, die in der Ankündigung schon etwas hermachen. Sag einem, du fährst ins Friaul oder nach Gamlitz, und du wirst in lauter Will-mit-Gesichter blicken. Pöttsching sagt eher niemandem etwas, außer einer stammt zufälligerweise von dort. Pöttsching hat das aber nicht verdient. Pöttsching ist ein Juwel, auch wenn das nicht auf den ersten Blick erkennbar ist.

Aus Petschenegen wird Pöttsching

Zum einen ist da die bewegte Geschichte des Ortes. Exotisch nachgerade. Einst war es Außenposten des ungarischen Reiches, als Grenzsiedlung entstanden und von wehrhaften Petschenegen gegründet, einem aus Westsibirien stammenden Nomadenvolk, das nach einigen herrschaftstechnischen Schiffbrüchen in ungarischer Unterwerfung landete, zur Grenzsicherung eingesetzt wurde und Pöttsching seinen Namen gab. Der Ort ist jedenfalls alt, das sieht auch der Durchreisende gleich, wenn er die lange Hauptstraße entlangfährt und neben der örtlichen Kirche eines dickwandigen und geduckten Meierhofs ansichtig wird, der erst zu Forchtenstein und später den gräflichen Esterházys gehörte.

Mit Honig und Nüssen marinierter Salat mit warmem Ziegenkäse in der Brasserie Le Meierhof

Mit Honig und Nüssen marinierter Salat mit warmem Ziegenkäse

Brasserie Le Meierhof

Seit einiger Zeit ist Pöttsching wieder weltläufig geworden. Im altehrwürdigen Gemäuer des einstigen Edelhofs haben zwei Franzosen ein französisches Lokal ganz unprätentiöser Ausformung aufgemacht. Eine Brasserie mit den typischen gekippten Spiegeln und Tischreihen an der Wand, alles einfach gehalten und modern im schnörkellosen Sinn. Und dort, in diesem Lokal, das sein französisches Wesen vor allem per Artikel ausweist, wird allerfeinst gekocht, in übersichtlicher Auswahl, zwei Hauptgerichte, die jeweils auf der Tafel im Hof ausgeschrieben werden, ein gutes halbes Dutzend Vorspeisen, von den pflichtgemäßen Weinbergschnecken über diverse Quiches bis zur Hummersuppe und einem köstlich mit Honig und Nüssen marinierten Salat mit warmem Ziegenkäse, und eine Auswahl an Desserts, die einen in ein Entscheidungs-Dilemma der Sonderklasse treibt. Weil mit Bedacht sei gewählt, wofür man die nächste Woche im Fitness-Center schwitzen will. Für ein Baba au Rhum, einen in Rum getränkten Hefekuchen? Einen Milchreis mit Karamelsauce nach Großmutters Art? Eine Tarte Quebecquoise? (Von der wir nebstbei lernen, dass die kanadische Stadt doch glatt wie eine Nuss heißt.) Oder soll’s doch ein Fondant au Chocolat sein, ein lauwarmer Schokoladekuchen mit flüssigem Schokokern, nebst hausgemachtem Vanilleeis?

Dorade mit gelben Linsen, Bärlauch und Meerfisolen in der Brasserie Le Meierhof

Dorade mit gelben Linsen, Bärlauch und Meerfisolen

Vom Sacher ins Burgenland

Alles ein Traum. Was nicht von ungefähr kommt. Yannick Ferraton, einer der beiden Franzosen von Le Meierhof (der andere heißt Matthieu Marchon), war Chef-Patissier im Hotel Sacher und heimste für seine süßen Kreationen einen internationalen Süße-Kreationen-Preis ein, was einen besonders freut, wenn man solchen Großartigkeiten in einem Ort wie Pöttsching begegnet, wo die Dorfjugend sich per Fahrrad am Sonntag dann eben ein Stanitzel hausgemachtes Eis vom Chef-Patissier holt.

Schokoladekuchen mit flüssigem Schokokern, nebst hausgemachtem Vanilleeis in der Brasserie Le Meierhof

Schokoladekuchen mit flüssigem Schokokern, nebst hausgemachtem Vanilleeis

Auch in der warmen Jahreszeit

Neben dem guten Essen (in unserem Fall gab’s zu Mittag ein kross gebratenes Stück von der Dorade mit gelben Linsen, Bärlauch und Meerfisolen) muss man sich den Meierhof auch als gute Adresse für die kommende warme Jahreszeit merken, weil man im idyllisch-ruhigen Hof unterm Sonnenschirm speisen kann, während der rastlose Junior derweilen an der Tellerschaukel vom alten Nussbaum hängt oder im angrenzenden Park (keine Autos!) nach seltenen biologischen Funden sucht.

Sachkunde

Auch ist so ein Ausflug der Allgemeinbildung zuträglich. Die burgenländische Landeshymne, lernt man, wurde nämlich von einem Pöttschinger komponiert. Peter Zauner hieß er. Damit das jetzt auch einmal klargestellt wäre.

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