Blaue Gans in Weiden am See, innen
Die blaue Gans ist frisch renoviert ...
 

Gans anders

Wir fahren fort: Auf eine Eis-Expedition gen Osten und kehren zur inneren Erwärmung bei einem falschfarbenen Federvieh ein, das sich vor einiger Zeit neu erfunden hat.

29.10.2013 Autorevue Magazin

Einem motorisierten Ausflügler mit Unterhaltungsanspruch ist das Flachland ja eigentlich nicht so lieb wie alles Bergige. Aber es ist nun einmal so, dass die größte Wasserfläche der näheren Umgebung just in der flachsten aller flachen Landschaften liegt, in der beginnenden pannonischen Tiefebene nämlich.

Eislaufen am Neusiedler See

Wir sind auf dem Weg zum Eislaufen am Neusiedler See. Das Küken hat noch nie auf Natureis gestanden und denkt, dass Eislaufen grundsätzlich in Bahnenrund und Eismaschinenbegleitung stattfindet. Und siehe: Das Eis, es kracht vor lauter Oberflächenspannung, fast zum Fürchten ist das. Und es ist kalt, richtig kalt, mit dem Wind im Rücken geht’s ja noch, aber auf dem Rückweg zum Ufer steht er einem dann ins Gesicht. Und stell dir vor, Küken, in Sibirien, wo die Kälte herkommt, ist es noch dreißig, vielleicht vierzig Grad kälter. Man versteht, warum die Vögel aus dem Norden abhauen.

Flusskrebsschaum-Suppe mit Ceviche-Salat und Avocado

Flusskrebsschaum-Suppe mit Ceviche-Salat und Avocado

Blaue Gans in Weiden am See

Ein Federvieh, und zwar ein irgendwie falschfarbenes, ist glücklicherweise nicht verschwunden, nach dem Brand damals, der das Restaurant „Zur Blauen Gans“ zerstört und deren Betreiber Alain Weissgerber aus Weiden vertrieben hat. Vor einiger Zeit hat die „Blaue Gans“ im Seepark Weiden wieder aufgesperrt, frisch renoviert, mit ganz anderem, nämlich weißem, luftigem ­Interieur, und hat mit Weissgerbers ehemaligem Sous Chef Oliver Wiegand küchenmäßig einen würdigen Anschluss an sein vorheriges Leben gefunden.

Kabeljau auf Paprika-Fenchelgemüse mit Safran-Sauce

Kabeljau auf Paprika-Fenchelgemüse mit Safran-Sauce

Die Flucht war also Programm

Einkehr in die Blaue Gans, wo man schon ein bisschen gestaunt hat über die vielen Bekleidungsschichten, die erst abzulegen geboten war, bevor es ans Essenbestellen ging. Die Wassernähe, die in der Blauen Gans im Sommer auch mit einer Strandbar bespielt wird, fand auf dem Teller ihren Niederschlag, wenn auch durch Getier, das im Neusiedler See definitiv nicht heimisch ist. Das marinierte Thunfisch-Filet mit seinem Sesammantel auf Algensalat etwa. Oder der wunderbare Kabeljau auf Paprika-Fenchelgemüse mit Safran-Sauce. Oder die famose Flusskrebsschaum-Suppe mit Ceviche-Salat und Avocado. Und schon gar das gebratene Lammkarree mit Gänseleber und Zwiebelkuchen.

Eis in der Blauen Gans in Weiden am See

So sieht ein gefrorenes Gedicht aus

Gefrorene Gedichte

Danach gab es noch Eis. Passend oder unpassend zur Jahreszeit, wie man es nimmt. Wobei „Eis“ hier zu kurz greift: Gefrorene Gedichte waren das. Eines ganz aus Erdbeer, eines Campari-Orange. Unterhaltung in der Ebene ist eben etwas anderes. Könnte man sagen.

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